2 und Scenen. Der Verfasser verfährt dabei so, dals er in Fragen und Antworten das ihm wichtig Erscheinende herausstellt. Gegen dieses Verfahren lälst sich geltend machen, daſs es das Ganze zu sehr in Einzelheiten auflöst, eine zusammenfassende Betrachtung der zu erörtern- den Gegenstände erschwert und dem Schüler, will man ihm so an jeder Scene Frage für Frage vorlegen und mit ihm so das ganze Stück durchackern, die Möglichkeit des Genusses nicht gerade erleichtert. Diese üble Folge mufs in erhöhtem Malse eintreten, wenn die Lektüre unseres Dramas ganz der Privatthätigkeit der Schüler überlassen wird und letztere also der sichtenden und leitenden Hand des Lehrers entbehren müssen, wie das ja in Preufsen der Fall sein wird, wo die Lehrpläne die Uhlandschen Dramen nicht in den Unterricht einbezogen haben. Crohn sieht weiter absichtlich von allen Quellennachweisen ab, weil sie dem Schüler nichts nützen und der Kundige sie nicht brauche. Verf. denkt darüber anders. Es gilt auch hier der schon von Frick(Wegweiser durch die klassischen Schuldramen, 1. Abtlg. p. 6) gestellten Forderung gerecht zu werden, dals man dem Schüler eine allgemeine Vorstellung von dem inneren Entwicklungsgang der einzelnen Dramatiker geben soll. Dals dies unmöglich ist, wenn man nicht den Schüler an der Hand der Quellen auch einmal in die Werkstätte des Dichters führt, ist ohne weiteres klar. Wenn eine frühere Unterrichtsstufe an einer gröfseren Zahl von Gedichten Uhland als Lyriker dem Schüler bekannt gemacht hat, und der Sekundaner ihn jetzt im Drama sich bethätigen sieht, so erscheint doch die Fricksche Forderung gerade für die Würdigung dieses Dichters in seiner Entwicklung von der lyrischen zur dramatischen Kunst berechtigt. Ist er doch der einzige Dichter, für dessen Kenntnis und Verständnis der frühere Unter- richt ein umfangreiches Material erworben hat, und der nächst den beiden Dichter- fürsten dem Schüler zu einer solchen Würdigung anschaulich genug geworden: ist ¹. Wenn ja auch eine abschliefsende Erörterung über das Wesen] der einzelnen Dichtungs- gattungen von der Lyrik bis zum Drama und eine abschlieſsende Schätzung ihrer Hauptver- treter, soweit sie im Schulunterricht eine Rolle gespielt haben, erst auf einer höheren Stufe erfolgen kann, so schliefst das nicht aus, dals eine Behandlung einzelner Erscheinungen auf diesem Gebiete schon da eintritt, wo eine frühere Stufe den Abschluls für die Lektüre eines Dichters bezeichnet, wie dies mit der Sekunda bezüglich Uhlands der Fall ist. An und für sich ist ja auch dieses Dichters schlichte, klare und doch so warm fühlende Persönlichkeit geeignet, den Schüler in ein inneres Verhältnis zu sich zu bringen und zu tieferer Beschäftigung mit sich anzuregen. Was wäre aber für die Beurteilung des dichterischen Wollens und Könnens Uhlands wichtiger als die Betrachtung der Stoffe für seine Dichtungen nach den Quellen und dann ihrer Umgestaltung in der Werkstätte poetischen Schaffens? Selbstverständlich gilt es hier für den Lehrer eintach und verständlich zu bleiben. Anlals zu derartigen Erörte- rungen bietet gerade die Behandlung der typischen Mittel in der Technik des Dramas in Fülle; Fragen nach der Art, wie der Dichter die Einheit der Zeit, des Ortes, der Handlung zu wahren gewufst hat, führen unmittelbar zur Heranziehung der in den Quellen gegebenen Darstellung und zur Begründung ihrer Umgestaltung durch den Dichter. Man kann weiter auch dem Sekundaner schon zeigen, wie Uhland den ihm gegebenen historischen Stoff in seiner Sprödig- keit durch eigne ldeen belebt, wie er das im Lichte der Geschichte vielleicht unverständlich oder ungerechtfertigt erscheinende Thun des Helden in seiner Tragödie durch eine sittliche
¹ cf. Schiller, Handbuch der praktischen Pädagogik, 3. Aufl., p. 359 f.
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