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Worms, Herzog der Franken; Ulrich, Herzog von Böhmen.— Da die vorgenannten Bischöfe und Herzöge und die übrigen Groſsen auf keine andere Art die drohende Gefahr besser und schneller verhüten zu können glaubten, so wendeten sie die gröfste Kraft und Thätigkeit an, dals der Staat nicht länger ohne Regenten schwanke.—(2) Zwischen dem Mainzer und dem Wormser Gebiete ist ein platz von weiter Ausdehnung, welcher wegen seiner ebenen Lage eine sehr groſse Menschenmenge falst und infolge der Inselverstecke für geheime Beratungen sicher und geeignet ist. Indem dort alle Grolsen und, wenn ich so sagen soll, das Mark und der Kern des Reichs sich versammelten, schlugen sie hier an beiden Seiten des Rheines ihr Lager auf(4. Sept. 1024). Da dieser Gallien von Deutschland trennt, kamen von deutscher Seite die Sachsen mit den ihnen anwohnenden Slaven, die Ostfranken, die Noriker und die Alemannen zusammen. Von Gallien her aber vereinigten sich die am Rheine wohnenden Franken, die Ripuarier und die Lothringer. Es handelt sich um das Höchste, man schwankt bei der Unsicherheit der Wahl, zwischen Hoffnung und Furcht schwebend fragten Verwandte sich einander nach den verschiedenen Wünschen, und Freunde lange Zeit sich gegenseitig aus. Galt ja doch die Beratung nicht einer Sache von gewöhnlicher Bedeutung, sondern einer solchen, die da, wenn sie nicht mit warmem Herzen in grölstem Eifer geschmiedet wurde, den ganzen Reichskörper ins Verderben zog.— Da solcher Malsen lange gestritten wurde, wer König sein sollte, und da dem einen ein bald noch zu unreifes, bald ein zu hohes Alter, dem andern sein noch nicht genügend erprobter Charakter, manchem ein offenkundiger Uebermut hindernd im Wege stand, so wurden unter den vielen wenige gewählt, und aus den wenigen nur zwei ausgesondert, bei denen nun die schlieſsliche Entscheidung, nachdem sie von den bedeutendsten Männern mit der gröfsten Sorgfalt lange beraten war, endlich in einheitlicher Wahl zur Ruhe gelangte. Es waren zwei Kuncne, von denen der eine, weil älter an Jahren, der ältere Kuno genannt wurde, der andere aber der jüngere Kuno hielfs, beide in Deutschfranken durch sehr vornehme Herkunft hervorragend, zwei Brüdern entstammend, von denen der eine Hezel, der andere Kuno hiels.— Zwischen diesen beiden, d. h. zwischen dem älteren und dem jüngeren Kuno, schwankte lange der übrige Adel; und obgleich fast alle im geheimen und mit besonderer Vorliebe wegen seiner Mannhaftigkeit und Biederkeit auf den älteren Kuno ihr Augenmerk richteten, so hielt doch ein jeder wegen der Macht des jüngeren, damit nicht bei dem Streben nach Ehre Zwietracht unter ihnen entstünde, wohlweislich mit seiner Meinung zurück. Schlielslich aber geschah es durch die göttliche Fürsorge, dals sie selbst sich in einem bei einer so schwie- rigen Sache wohl angebrachten Vergleiche einigten, dals nämlich, wenn die Mehrzahl des Volkes einen von ihnen ausrufe, der andere ihm unverzüglich weichen sollte.— Dadurch ihrer Eintracht gewils, setzten sich die Fürsten zusammen und das Volk stand in Masse dabei:. Da nun freute sich jeder, dafs jetzt die Zeit es erlaubte, Offen zu sagen und laut, was lange im Herzen verborgen.
Der Mainzer Erzbischof, dessen Stimme den Vorrang vor allen übrigen hatte, rief, vom Volke um seine Meinung gefragt, mit überschwellendem Herzen und freudiger Stimme, und wählte den älteren Kuno zu seinem Herrn und König, zum Lenker und Beschützer des Vaterlandes. Diesem Vorschlage schlossen sich die anderen Erzbischöfo und die übrigen Männer des geistlichen Standes ohne Bedenken an. Der jüngere Kuno verhandelte cin wenig mit den Lothringern, dann kam er sofort zurück und wählte mit grofsem Eifer jenen zum Herrn und König; worauf der König ihm die Hand reichte und ihn neben sich Platz nehmen liets. Dann wieder- holten alle von den einzelnen Teilen des Reiches immer von neuem denselben Wahlspruch: die Menge ruft Beifall, alle waren in der Wahl des Königs mit den Fürsten eines Sinnes, alle verlangten den älteren Kuno; bei ihm verharrten sie, ihn zogen sie ohne Bedenken allen Machthabern vor, und ihn hielten sie für den der Königsgewalt würdigsten, und verlangten, dals ohne Verzug die Weihe desselben stattfinde. Die Kaiserin Kunigunde brachte freudig die königlichen Insignien dar, welche ihr Kaiser Heinrich hinterlassen hatte, und bestätigte ihm die Herrschaft, so weit ihr Geschlecht es vermag. Ich glaube nun, daſs dieser Wahl des Himmels Gunst nicht fehlte, da unter so vielen Männern von vorzüglicher Macht, so vielen Herzögen und Markgrafen neidlos und streitlos derjenige gewählt wurde, welcher an Herkunft und Tüchtigkeit und eignem Besitze niemandem nachstand, vom Reiche aber im Vergleich mit solchen Männern nur wenig Lehen und Amtsgewalt hatte. Der Kölner Erzbischof freilich und der Herzog Friedrich mit einigen anderen Lothringern, zogen des jüngeren Kuno wegen, wie das Gerücht ging, vielmehr aber vom Teufel, dem Störenfried, aufge- stachelt, unversöhnt von dannen; doch wandten sie sich bald zur Huld des Königs zurück, diejenigen ausge- nommen, welche das uns gemeinsame Loos des Todes vorher hinwegraffte, und nahmen seine Befehle bereit- willig entgegen; und der Erzbischof Piligrim bat, wie um die frühere Schuld zu sühnen, den König um die Erlaubnis, in der Kirche zu Köln die Königin weihen zu dürfen. Da ich aber später von ihr reden werde,


