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so weit angeeignet sein muss, dafs eine Erzäühlung der im Stück auf einanderfolgenden Ereignisse aus dem Gedächtnis stattfinden kann.
Weiter verlangt Verf. von der vorbereitenden Lektüre zu Hause, daſs jeder wissen soll, welche Personen die Hauptrolle in der Handlung des Stückes spielen, wie ihr Verhalten zu einander im Allgemeinen ist. auf welchen Schauplätzen und in welcher Zeit die Ereignisse stattfinden; endlich muls er die hauptsächlichsten zeitgeschichtlichen Strömungen kennen, unter deren Einflufs sie sich vollziehen.
Das sind Dinge, die weiter nichts als ein verständiges Lesen und Notizen ins Sammelheft vorausselzen und von jedem zu leisten sind. Daneben ist aus dem in der Tertia benutzten Hilfsbuch für den Unterricht in der deutschen Geschichte von Eckertz der Abschnitt über Konrad II. zu repetieren; und endlich wird für Schüler, welche noch Zeit dazu finden, die Lektüre des Volksbuchs»Herzog Ernst von Schwaben« und eine Sammlung der in dem er- wähnten Hilfsbuch für die deutsche Geschichte von S. 23 bis 59, wo die Ereignisse von der Bildung der fränkischen Monarchie durch Chlodwig bis zur Regierung Heinrichs III. dargestellt werden, sich findenden Notizen über Lehnswesen und Entwicklung der herzoglichen Gewalt empfohlen.
Diese Forderungen an die häusliche vorbereitende Thätigkeit erscheinen auf dem Papier gröſser als sie in Wirklichkeit sind; sie bilden die Grundlage, auf die sich die eigentliche Besprechung des Dramas im Unterricht gründen mufs. Dafs ihnen auch wirklich entsprochen wird, ist vor allem ins Auge zu fassen, und nichts ist dafür wirksamer als eine häufige Kontrolle der Sammelhefte.
1. Zur Geschichte der Abfassung. Die Besprechung des Stückes im Unterricht beginnt mit der Anknüpfung an die dem Schüler früher bekannt gewordenen Dichtungen Uhlands. Ohne Mühe kann man die Kenntnis von Gedichten wie»König Karls Meerfahrt«,»Klein Ro- land-,»Roland Schildträger«,»Graf Richard Ohnefurcht«,»Bertran de Borne,»Des Sängers Fluch-,»Der blinde König«,»Schwäbische Kunde«,»Graf Eberhard der Rauschebart« u. A. feststellen. Kurze Fragen über deren Inhalt genügen, um zu zeigen, wie Uhland die Stoffe zu seinen kleinen epischen Dichtungen mit Vorliebe der Geschichte und Sage des deutschen Mittelalters entnommen hat, und damit ist die Brücke geschlagen zu einer Mitteilung über die wichtigste Seite der litterarischen Thätigkeit Uhlands.
Geboren am 26. April 1787 in Tübingen, war er der Enkel väterlicherseits eines hoch- angesehenen Professors der Theologie an der dortigen Universität, wo sein Vater die Stellung eines Universitätssekretärs begleitete. Seine Abstammung und Umgebung, in die er von Jugend auf hineingestellt war, wurde für ihn bestimmend, insofern er von seinen Vor- fahren väterlicherseits die Liebe zur Wissenschaft, die Anhänglichkeit an die altwürttembergischen öffentlichen Verhältnisse ererbte. Er studierte Juris- prudenz, zwar obne besondere Neigung, aber mit energischem Fleifs. In seiner geraden Natur wurde dadurch unbeugsamer Rechtssinn und Unabhängigkeit des Denkens entwickelt. Sehr früh zeigte er Neigung und Begabung für dichterische Thätigkeit. Schon auf der Universität beschäftigte er sich gern mit dem Nibelungenlied, überhaupt mit altdeutscher Litteratur. Unter der Not der Zeit wandten sich damals edle Geister der Betrachtung des deutschen Lebens früherer Zeiten zu, um aus dem Studium deutschen Helden- und Volkstums Mut, Hoffnung und Widerstandskraft für sich selbst zu schöpfen und durch ihre Werke auch den Volksgenossen einzuflſsen(vgl. Uhlands gesammelte Werke in 6 Bänden,


