Druckschrift 
1 (1897)
Entstehung
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21 § 61. Der 5te Grundsatz einer mit Nutzen zu unternehmenden Schullehre bestehet darinne, dass diese ordentlich, abwechselnd, angenehm undanhaltendsey. Ordentlich muss sie seyn, weil die Seele viele Dinge, ohne Ordnung, entweder gar nicht fassen und übersehen, oder in ihrer Erinnerungskraft nicht behalten, und, bei künftigen Anläfsen, nicht wieder zum Gebrauche finden kann. Daher wird die tabellarische Methode so vortheilhaft befunden.

§ 62. Die Schullehre muss abwechselnd seyn, weil die Seele, zumal bei Kindern, einer langen und ununterbrochenen Aufmerksamkeit auf den nemlichen Gegenstand nicht fühig ist. Die Verschiedenheit der Organisation giebt dieser Fähigkeit nur mehr oder weniger Grade. Im Grunde aber wird von jedem Menschen durch eine überspannte Aufmerksamkeit auf einerlei Gegenstand mehr verlohren als gewoynen. Die Seele gleichet hier dem Sinne des Gesichtes, welches, wenn es allzu anhaltend auf etwas geheftet wird, ermattet oder sich durch den Schein einer, in demselben vorgegangenen, Veränderung getäuschet findet.

§ 63. Angenehm muss der Unterricht aus der entscheidenden Ursache sein, weil wir nichts rechtthun, waswir mit Verdruss thun. Zur Annehmlichkeit des Unterrichtes tragen zwar Ordnung und Abwechslung schon sehr vieles bei. Aber eine glückliche Gabe des Vortrages, eine, das Herz und die Sinne zugleich felselnde Lebhaftigkeit des Lehrers, dessen Gegenwart Freude erwecket, wenn er auch ernsthaft ist, und dessen Gründlichkeit die Ver- nunft der Schüler überzeuget. wenn er auch scherzt, die Geschicklichkeit eines solchen, von Natur philosophischen, Lehrers(denn aus bloſsem Bücherschweisse entstehen keine solche Geschöpfe) der ein Mann ohne Affektation und pedantische Geschäftigkeit ist. wird erst das rechte Triebwerk seyn, die Grundsätze des Unterrichtes jugendlichen Selen, zu ihrem Vergnügen einzudrucken. Nur kömmt es noch eigentlich darauf an, dass der Lehrer die Lernbegierde, bei seinen Untergebenen, zur Leidenschaft zu machen wisse; denn die Be- friedigung einer Leidenschaft ist unfehlbar angenehm.

§ 64. Endlich soll der Schulunterricht anhaltend seyn, und diess ist also zu verstehen, dass man sich so lange bei einer Sache aufhalte, bis sie die Schüler vollkommen gefalst haben. Soll daher das Gelernte nicht unter allerlei Ausschweifungen verfliegen, und soll der Lehrling die Aussetzung der Schullehre nicht für Glückseligkeit halten: so müssen die sogenannten Spieltage dunrchaus eingestellt, und der Unterricht einen Tag wie den andern(die Gott gewidmeten Sonntage und die nicht verlegten Feiertage ausgenommen) wenigstens also fortgesetzt werden, dass die Schule niemal einen ganzen Tag hindurch unbesuchet pleibe. Dem un- schuldigen Triebe der Natur, welcher in Kinderjahren meistens auf solche Spiele leitet, die mit vieler Bewegung und Leibes-Uebung verbunden sind, gedenket man eben keinen allzu herben Einhalt zu thun. Ohne das Schulgeschäft zu unterbrechen kann der Lehrer einige Male in der Woche unterrichtende Spaziergänge, und, bei solcher Gelegenheit, sehr angenehme und nützliche Uebungen auf dem Felde unternehmen.

§ 65. Um von der guten Mitwirkung eines, nach diesen Grundsätzen ertheilten, Unter- richtes versichert zu seyn, ist wesentlich nöthig, und zu Bewirkung der Memoria localis er- foderlich, von Zeit zu Zeit Wiederholungen anaustellen, bei welchen die vorkommenden Fragen nach ächten Vernunftschlüssen einzurichten sind. Es wird also dienlich seyn, wenn

bei dem Anfange einer Schulstunde die Aufgabe der vorigen, und an deren Ende die tägliche Lektion, am Schlusse der Woche aber die ganze Wochenlehre wiederholet wird. Dahin gehören

ferner die öffentlichen Prüfungen, welche, sonderbar in den Städten, alle Monathe vorzunehmen

und bald über diesen, bald über jenen Gegenstand der Lehre, in Gegenwart einer zum Vorsitze zu

bestimmenden obrigkeitlichen Person, zu halten sind. Die Fragenden haben den Bedacht zu: