— 13 bekannten zween Gegenständen, des Körpers nemlich und der Sele(§ 5) der Kinder abgemessen werden. 3
§ 15. Die Sorge für den Körper besteht freilich meistens aus Kleinigkeiten, jedoch aus solchen, von deren Beobachtung die Gesundheit und graden Glieder des Menschen, dessen körperliche Kräfte, das Vermögen, die Beschwehrlichkeit der künftigen Standes-Arbeiten zu ertragen, und also der Dienst des gemeinen Weesens abhängt. Er ist daher nothwendig, dass die Eltern von der Obrigkeit gewarnet und belehret werden, in dieser ersten Erziehungs-Epoche den Anleitungen der Natur selbsten zu folgen, ihre Kinder von den ersten Jahren an, zu gewöhnen, raue Speisen zu genieſsen, keine starke Getränke zu nehmen, auf harten Lagern zu schlafen, sich der vielen Arzneyen eben so sehr, als der sogenannten Hausmittel zu entschlagen sich nicht zu warm zu kleiden, mit unbedecktem Haupte zu gehen. sich täglich zu bewegen und zwar dazu öfters sandige, steinigte und umwegsame Orte auszusuchen, der warmen Zimmer nicht zu sehr zu gewöhnen, sondern Frost und Hitze, Schnee und Regen ertragen zu lernen. die Werkzeuge der Sinne nicht muthwillig zu schwächen, und was dergleichen der Gesundheit nützliche Dinge mehr sind. Ferner sollen die Eltern zugleich erinnert werden, die Erzählungen von Märchen, Gespenstern und Hexereyen zu unterlassen, am wenigsten aber die Kinder durch dergleichen abgeschmackte Erscheinungen und Bedrohungen zu schröcken; hingegen dieselbe mit fürchterlichen Gegenständen(ohne sie zu überreden, dass solche widernatürlich wären) nach Maass ihrer Jahre nach und nach behannt zu machen, und daran mit Gelassenheit zu gewöhnen.
§ 16. Die Seele, als das edelste Wesen des Menschen, erfodert eine noch weit gröſsere und mühsamere Sorge: keiné in das Aug' fallende Reglen oder körperliche Kennzeichen finden hier Statt; es gehöret selbst ein guter Theil Vernunft, philosophisches Kenntnis, und eine forschende Beobachtung dazu, um den Verstand eines andern entwickeln, und in die rechte Form, nach den gesellschaftlichen Bedürfnilsen, drücken zu können. So wenig es nun hier die Meinung hat, den Kopf des Bürgers mit metaphysischen Kunstlehren beladen zu wollen, aus welchen derselbe die beschwerliche Methode ziehen soll, seine Kinder denken zu lehren: so ist dennoch zu rathen, dass aus dem Kenntniſ;e der Sele, und deren Art zu wirken, einige Grundsätze geschöpft werden, nach welchen bey der allgemeinon Erziehung verfahren werden kann.
§ 17. Die Pinaunx der Sele ist zseyfach der Vernunft und des Willens.
§ 18. Die Vernuntft erkennt und urcheilet nach den Begriffen, welche sie durch die
Sinne vempfanwt. Je früher es also ohne künstelnden Zwang(§ 7) gewagt werden kann, den Geist des Kindes mit deutlichen und richigen Begriffen zu bereichern, und es sich fühig erzeigt, mehrere Begriffe gegeneinander zu halten, und daraus Schlüsse zu ziehen, desto trüh- zeitiger wird dasselbe zur Richtigkeit im Denken gelangen.
§ 19. Zur Fassung dieser Begriffe gehöret nun Aufmerksamkeit und Nachforschen. Es ist eine leichte Sache, z. B. von jedem Hausgeräthe, von den Buchstaben, von andern Figuren u. dgl. den Anlas zu nehmen, den Kindern Begriffe einzuflössen, Vergleiche anzustellen, sie auf die Theile jeder Sache aufmerksam zu machen, durch Absonderung des zu bemerkenden Unterschiedes das Nachforschen zu schärfen, und also, ohne selbst Philosoph zu seyn, eine Art kleiner Weltweisen zu bilden.


