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Einleitung.
§ 1 Bei den fast allgemeinen Klagen über den betrübten Zustand der Schulen unserer Zeit, wäre es eine ganze überflüssige Sache, derselben Beschaffenheit hier zu beschreiben, wenn nicht die Gebrechen selbst die Mittel zu ihrer Heilung öfter näher entdeckten.
Ohne sich einem gegründeten Vorwurfe der Partheilichkeit auszusetzen, kann wohl mit Wahrheit gesagt werden, dass die itzigen Schulen überhaupt, sowohl auf dem Lande als in den Städten, die schlechtesten auf unserm Erdboden sind.
§ 2. Die Ursachen dieser traurigen Wahrheit sind manigfaltig. Die Schuleinrichtungen wie sie bisher bestanden, sind noch Ueberbleibsel jener Barbarey, worinn Deutschland, mit dem grössten Theile von Europa, vom 9ten Jahrhundert n. Chr. geb. bis in das 16te gelegen. Weder die Landesherrschaften noch die Schullehrer selbst haben sich um deren Verbesserung wirksam bekümmert. Jene dachten nicht darauf, den Schuldienst als den mühsamsten unter allen, durch einiges Ansehen und hinreichende Besoldungen zu belohnen; und daher blieb dieses Amt immer mit Leuten besetzt, welche meistens nur die Noth, oder die Verzweifelung dazu bewog. Es ist eigentlich zum Grundsatze worden: wer auch nichts gelernt hat, kann doch noch immer ein Schulmeister werden; und also blieb auch von Seiten eines solchen, alle Verbesserung unüberdacht, und überhaupt das ganze Schulweesen, gleichsam als ein Gegenstand, der keine Aufsicht verdiente, schlechterdings dem Schicksale und der Willkür unterworfen. Wenn gleich andere Provinzen Deutschlands in den Wissenschaften zunahmen, und den Unter- richt der Jugend auf besseren Fuss setzten: so blieben doch die hieländischen Schulen bei ihren alten Gewohnheiten, ohne sich das Beispiel anderer und deren Entdeckungen, zu Nutze zu machen. Die wenigsten Theile der Wissenschaften wurden darinne behandelt, und auch diese nur auf eine seichte und unnütze Art. Alle Kenntnisse schienen beinebens also in die engen Schranken der sogenannten vier Fakultäten gebannt zu seyn, als wenn ausser diesen nichts einen ordentlichen Begriff und eine zusammenhängende Lehre vonnõthen hätte. Das Gedächtnis war der einzige Gegenstand aller Schulübungen, und die lateinische Sprache das einzige Ziel einer vieljärigen Arbeit; nicht anders, als wenn jenes die Vollkommenheit eines Menschen, und diese dessen Tüchtigkeit zum gesellschaftlichen Dienste nur allein ausmachte.
§ 3. Aus dem Erkenntnisse dieses unglücklichen Zustandes folget die dringende Noth- wendigkeit einer ernstlichen Verbesserung von selbsten. Andere katholische Staaten sind hierinne mit dem lobwürdigen Beispiele schon vorgegangen. Von den schlesischen katholischen Schul- einrichtungen, und den fruchtbaren Bemühungen des Abtn von Sagan liegen schon mehrere Jahre gedruckte Nachrichten vor Augen. Auch zu Wien ist dieses Fach, dem Vernehmen nach schon bearbeitet worden, und von Würzburg aus sind unlängst gleiche Nachrichten einer, mit dem Jahre 1771 eintrettenden neuen Ordnung der lateinischen Schulen eingegangen. Dass die protestantischen Schulen überhaupt jene der Katholischen ohnehin weit übertreffen, ist, unter Kennern, schon längstens kein Zweifel mehr.
§ 4. Der Entwurt einer allgemeinen Verbesserung des Land- und Stadtschulwesens muss in folgenden Abtheilungen bestehen, um den grossen Umfang des Gegenstandes schicklich be- greifen zu können:
I. Abschnitt. Von dem Unterrichte und den Schulen überhaupt. II. Abschnitt. Von den Dorfschulen und den Leseschulen in den Städten. III. Abschnitt. Von den Realschulen. IV. Abschnitt. Von den Mittelschulen in den Städten. V. Abschnitt. Von den Erfodernissen zu der künftigen Einrichtung. Schluss.


