Druckschrift 
1 (1897)
Entstehung
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übertritt) begonnen und der Unterricht im Griechischen auf das letzte Gymnasialjahr ein- geschränkt werden. Gerade dadurch unterscheidet sich aber St. von den Nneuhumanisten wie Gesner und Heyne, mit denen er sonst vielfach übereinstimmt(wie denn überhaupt damals die Gegensätze des Neuhumanismus und Philanthropismus sich noch nicht scharf herausgebildet hatten). Ein solcher Berührungspunkt liegt vor allem in der entschiedenen Abweisung des alt- humanistischen Imitationsbetriebs und des Uebermaſses grammatischen Stoffs, anderseits in dem Streben nach Verwertung des Inhalts der Klassiker).

Zur Verwirklichung der Schulreform schlägt St. den einzig richtigen Weg ein: die Lehrer sollen besser vorgebildet und besser besoldet, ihr Stand in der socialen Schätzung möglichst gehoben werden. Er teilt nicht jene Ueberschätzung der Lehrbücher, in die die meisten pädagogischen Reformer, von Ratke und Comenius an bis La Chalotais und Basedow, verfallen waren. Aber er ist auch weit entfernt, von der Bildung der Lehrer nun- mehr alles zu erwarten. Er weils, dass der gute Lehrer geboren werden muss(§ 69). Er erklärt an anderer Stelle, die Candidaten mülsten zur Erreichung des Endzweckspraktische Philosophen werden.Auch der strengeste Fleifs und das stärkste Gedächtnis sind unver- mögend, dass zu bewirken. Vielmehr sind Fleils und Gedächtnis ohne Genie, Vater und Mutter wahrer Pedanten ²⁵). Endlich erkennt er aber auch, wie notwendig es ist, dass die Wirksamkeit des Lehrers und der Schule vorbereitet und stätig unterstützt werde durch eine geordnete häusliche Erziehung.

St. hat also zur Verwirklichung seines Reformplanes zutreffende Vorschläge gemacht, den Plan selbst hat er entworfen in steter Berücksichtigung seiner Ausführbarkeit und in lebendigster Fühlung mit den Bedürfnissen seiner Zeit. Da diese Zeit aber durch so innige Beziehungen mit der unsern verknüpft ist, so ermöglicht dieAbhandlung einen unmittel- baren und klaren Einblick in das Werden unserer bestehenden Schulgestaltungen. St. selbst aber, dessen Name so gut wie verschollen ist, dürfte wohl in der Geschichte der Pädagogik einen Platz verdienen.

mit St. überein. Er fügt noch hinzu:Einleitung in die Numismatik, in die Diplomatik und Unterricht von den gegenwärtigen Zeitläuften aus den verschiedenen Journalen etc., ferner:kurze Erklirung der Vernunftlehre, und Vorlesungen von dem Wesen und den Eigenschaften der Dinge überhaupt: St. dagegen lehnt mit sehr beachtenswerten Gründen(§ 194 217) die Aufnahme eines eigentlichen philosophischen Unterrichts in das Gymnasium ab, er fordert dagegen für die oberste Stufe eine Behandlung der Lektüre, die möglichst philo- sopbische Gesichtspunkte zur Geltung bringt. Braun will mit Rücksicht auf die erziehliche Aulgabe des Gymnasiums lieberdie Bildung des Herzens, und den Unterricht des Verstandes beysammen, und der Hand eines geschickten Lehrers überlassen, als mehreren anvertrauen. Er bemerkt ferner:Je zusammen- hängender die Gegenstände sind, die man auf einmal und zu gleicher Zeit lehret, desto gründlicher wird der Lehrer, desto fixierter wird der Schüler seyn.(A. a. 0. 181). Um diese(oncentration in der Person des Lehrers wie im Lehrstoff, für das Gymnasium wenigstens, zu wahren, hält er von diesem alle Dis- ciplinen der mathemathisch-naturwissenschaftlichen Gruppe fern und weistwas davon bürgerlich nöthig ist den Realschulen, das übrige dem phiilosophischen Cursus der Hochschule zu. Das Schulsystem Jekstatts und Brauns stimmt im wesentlichen mit dem St.'s überein(vgl. auch den Schulplan, den Graf pergen 1770 Maria Theresia vorlegte. A. Stöckl. Lehrb. d. Päd.(1876) S. 350.); beide beschränken aber den Gymnasialkurs auf 5 Jahre; auch in Mainz wurden thatsächlich statt der vorgeschlagenen 12 nur 8 Klassen(mit halbjährigem Cursus) errichtet.(Samml. 213). St. strebt durch die halbjährigen Curse eine Art Vereinigung des Fach- und Klassensystems an(§ 114. 161). Jekstatt und Braun sind ihm darin nicht gefolgt. Letzerer empſiehlt zwar für die Realschule das reine Fachsystem(A. a. O. 133). Für das Gymnasium weist er, mit Rücksicht auf seine erziehliche Aufgabe, nicht nur dieses, sondern auch die halbjährigen Curse ausdrücklich ab. (A. a. 0. 301). ²⁴) Für diesen Zusammenhang ist es von Bedeutung, dass St., wie sich durch Vergleichung einzelner Stellen nachweisen lälst, Claude Fleury's Traité du choix et de la méthode des études(Bruxelles 1706) gekannt und benutzt hat. ²⁵) Vgl. Reform d. Schulwes. S. 36.