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1 (1897)
Entstehung
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Eine umfassende Neugestaltung zunächst des niederen und des Mittelschulwesens sollte durch eine, Ende 1770 eingesetzte, staatliche Commission aus 2 geistlichen und 3 weltlichen Mitgliedern durchgeführt werden. Der thatsächliche Leiter dieser Commission war v. Bentzel; als päda- gogischer Berater aber diente ihr der Kurf. Hofgerichtsrat Johann Joseph Friedrich Steigen- tesch. Dieser hatte seit 1765 in Mainz eine Zeitschrift(der Bürger) herausgegeben, in der er sich hauptsächlich mit allgemein ethischen, wirthschaftlichen und Erziehungsfragen beschäftigt hatte. Das mochte auch der Grund sein, warum er zum Direktor der am 2 ten April 1771 eröffnetenSchullehrerakademie bestellt wurde und auch vorher schon den Auftrag erhielt, einen Plan für die Schulreform zu entwerfen. Dieser Plan liegt vor in unsererAbhandlung, die hier zum erstenmal veröffentlicht wird. Die Commission hat ihn ihren Malsnahmen auch thatsächlich zu Grunde gelegt. Von der Wirksamkeit der Commission selbst habe ich an der Hand der noch vorhandenen Akten eine Darstellung gegeben in meiner Schrift:Die Reform des Schulwesens im Kurfürstentum Mainz unter Emmerich Joseph. ¹⁰)

SteigenteschsAbhandlung aber hat auch jenseits der Grenzen des Kurfürstentums, und zwar in Bayern, Einfluſs geübt. A. Kluckhohn¹¹) hat darauf aufmerksam gemacht, dass im

¹0) Mainz(Kirchheims Verlag) 1897. Daselbst auch nähere Nachrichten über Steigentesch S. 42 f. 169 ff; der Nachweis, dass dieAbh. von ihm herrührt S. 21. A. 2. Von den Aulsätzen desBürgers kommt hier besonders in Betracht eine auslührliche Beantwortung der bpreisfrage:Welche die beste Einrichtung der untern oder Trivialschulen sey, um darinne die Jugend teils zu Erlernung der Wissen- schaften in höheren Schulen, teils zu den Handwerken, und dem bürgerlichen Leben vorzubereiten. ( Jahrg. 1765. S. 257 304). Ferner ist zu beachten ein Aufsatz Karl Th. v. Dalbergs, des späteren Fürstprimas,(seit 1772 Statthalter in Erfurt):Von Bildung des Moralischen Charakters in Schulen in Wielands Teutschem Merkur, V B. 2. Stück v. Febr. 1774. S. 222 36.(Es ist dazu ausdrücklich bemerkt: Ist bey Gelegenheit der vortreflichen Churmainzischen neuen Schulanstalten entstanden., Betr. der Autor- schaft Dalbergs vgl. die Biogr. D's von K. v. Beaulieu-Marconnay(Weimar 1879) II S. 301, wo aber die Citate aus den T. Merkur unrichtig sind). Von der Schulkommission wurde dieAbhandl. im April 1771 durch- beraten und mit ganz geringfügigen Aenderungen gebilligt. Es wurde dabei beschlossen die§§ 55 75 und 78 108 der abzufassenden Instruktion für die Lehrer einzuverleiben. Thatsächlich aber ist die im Okt. 1773 herausgeg.Allg. Inst. f. d. öff. Lehrer(82 S. in 80) dem inzwischen(1772) erschienen Buche Felbigers Eigenschaften, Wissenschaften und Bezeigen rechtschaffener Schulleute meist wörtlich entnommen; dasselbe bot mehr unmittelbar verwertbare Ratschläge. Die gleichfalls gedruckten, aber jetzt wohl sehr selten gewor- denenEntwürle, nach w. d. Trivial- und Realschulen und nach w. d. Mittelschulen eingerichtet werden sollten, sind auf Grundlage derAbh. jedenfalls von Steigentesch selbst ausgearbeitet Da sie für das Publi- kum bestimmt waren, so ist darin natürlich manches, was für uns von JInteresse ist, weggeblieben, anderes ist sehr verkürzt, wieder anderes weiter ausgeführt; auch zeigen sich darin Abweichungen von dem ursprüng- lichen Plane. Die gen. Entwürfe, zusammen mit Nachrichten über öffll. Prüfgen. u. a. erschienen nochmals bei Goebhardt in Bamberg und in einem Nachdruck in Stockholm 1776 unter d. Titel:Sammlung aller Schr. d. verbess. öff. Schulen in d. K. M. Landen(468 S. in 8⁰), wonach ich citiere. Diese Publikationen erregten damals nicht geringes Auflehen und fanden vielen Beifall. Vgl. z. B. die Besprechungen in Nicolais Allg. d. Bibl. XXIV. 2.(1775) S. 531 ff. und in d. Allg. Bibl. f. d. Schul- und Erz.-wesen(Nördlingen 1773 ff. S. Register 2. Bd. I-lIII und V). ¹u) Der Freiherr v. Jckstatt u. d. Unterrichtswes. in Bayern unt. d. Churf. Max Joseph(München, 1869) S. 43. Der um das bayerische Schulwesen so verdiente Joh. Ad. Jckstatt stammte übrigens aus dem kurmainzischen Dorfe Vockenhausen bei Eppstein, er besuchte auch das Mainzer Gymnasium und erwarb an der dortigen Universität den juristischen Doktorgrad. Die Benutzung derAbh. zeigt sich in seinerAkad. Rede v. d. Stufenmäſs. Einricht. d. nied. und höh. Landschul. in Rücks. auf d. churbaier. Lande(Ingolst. 1774). Er nimmt darin auch(S. 34 b) ausdrücklich Bezug auf den Entwurf Steigenteschs übrigens ein weiterer Beweis, dass dieAbh. von diesem verfafst ist. Ein interressantes Gegenstück endlich zu derAbh. bietet die Schrift:Gedanken über d. Erziehung u. d. öff. Unterr. im Triv.-Real.- und lat. Schulen(Ulm 1774) von dem Benediktiner H. Braun, der gleichfalls an der bayerischen Schulreform hervorragend beteiligt war(S. Paulsen, a. a. O. II 114). In den überaus reichen Litteraturangaben ist auch auf die Mainzer Schulschriften hingewiesen.