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Das rheinische Civilrecht in seiner heutigen Geltung / dargest. und erl. von Cretschmar
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662
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662 XXXIX. Vertheilungsgeſetz.

§ 22

Der Widerſpruch des Schuldners oder des letzten Eigenthümers des Grundſtücks gegen eine vollſtreckbare Forderung wird nach Vorſchrift der §8§ 686, 688, 689 der Civilproceß⸗ ordnung erledigt.

Hat ein anderweiter Widerſpruch gegen den Plan im Termine ſeine Erledigung nicht gefunden, ſo muß derjenige, welcher den Widerſpruch erhoben hat, binnen einer Friſt von einem Monate, welche mit dem Terminstage beginnt, dem Amtsgerichte nachweiſen, daß er gegen die Betheiligten Klage erhoben hat; nach fruchtloſem Ablaufe dieſer Friſt wird der Plan ohne Rückſicht auf den Widerſpruch abgeſchloſſen und ausgeführt.

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Die Vorſchriften der §8 765 bis 768 der Civilproceßordnung finden auf Vertheilungs⸗ ſtreitigkeiten auch in denjenigen Fällen entſprechende Anwendung, in welchen das Verthei⸗ lungsverfahren nicht infolge einer Zwangsvollſtreckung ſtattfindet.

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Im Falle eines Widerſpruchs gegen den Plan laufen die Zinſen einer erſt nach Erledigung des Widerſpruchs anzuweiſenden Forderung bis zu dem Tage, an welchem nach Feſtſtellung des Anſpruchs und der vorgehenden Anſprüche die endgültige Zahlungsanweiſung beanſprucht werden kann.

Derjenige, welcher in dem Rechtsſtreit über den Widerſpruch unterlegen iſt oder den Widerſpruch durch Klage nicht verfolgt hat, haftet dem Gläubiger, zu deſſen Befriedigung die Gelder nicht hinreichen, wegen des infolge des Weiterlaufes der Zinſen entſtandenen Ausfalles.

§ 25.

Nach Eröffnung des Vertheilungsverfahrens kann der Erwerber, ſofern die Verkaufs⸗ bedingungen nicht entgegenſtehen, den Kaufpreis nebſt Zinſen ohne vorheriges Anbieten hinterlegen, wenn nicht der Vertheilungsplan bereits abgeſchloſſen iſt.

Er iſt verpflichtet, die erfolgte Hinterlegung zu den Gerichtsakten nachzuweiſen.

Der Erwerber iſt auf Verlangen eines jeden Betheiligten zur Hinterlegung des fälligen Kaufpreiſes verpflichtet und kann dazu von demſelben durch Klage angehalten werden, falls Widerſpruch gegen den Plan erhoben iſt.

Durch die Hinterlegung wird der Erwerber von ſeiner Zahlungsverpflichtung befreit und berechtigt, die Löſchung der eingetragenen Hypotheken zu verlangen. Auf Antrag ver⸗ ordnet das Amtsgericht die Löſchung der Hypotheken.

§ 22. Dieſer Paragraph lehnt ſich an die CPO. direct an. Einwendungen, welche den durch den abgeſchloſſenen Plan feſtgeſtellten Anſpruch betreffen, ſind im Wege der Klage bei dem Proceßgerichte, nicht dem Vertheilungsgerichte zur Geltung zu bringen, und fſind nur inſoweit zuläſſig, als die Gründe, auf denen ſie beruhen, erſt nach dem Schluſſe des letzten Verhandlungstermins, in welchem ſie ſpäteſtens hätten geltend gemacht werden müſſen, entſtanden ſind. Das Proceßgericht, event. auch das Amtsgericht als Vollſtreckungsgericht, kann die vorläufige Einſtellung der Zwangsvollſtreckung anordnen. CPO. 88 686, 688, 689.

Unerledigte Widerſprüche müſſen im gewöhnlichen Proceßwege ausgetragen werden, und die Erhebung der Klage muß wie in § 764 CPO. binnen Monatsfriſt vom Termintage ab nachgewieſen werden, widrigenfalls der Plan ohne Rückſicht auf den unerledigten Wider⸗ ſpruch nach Maßgabe der urſprünglichen Aufſtellung bezw. der etwa in dem Termine geſchehenen Abänderungen zur Ausführung zu bringen iſt. Fanden mehrere Termine ſtatt, ſo läuft die Friſt von dem letzten Termine an.

§ 23 beſtimmt als das für die Austragung der Widerſpruchsklagen zuſtändige Gericht das Vertheilungsgericht, ſofern der Streit ſeinem Gegenſtande nach zur Competenz der Amts⸗ gerichte gehört. In anderen, und das ſind die meiſten Fälle, iſt das Landgericht zuſtändig; cfr. 757 CPO. Für die Fälle der Zwangsvollſtreckung iſt damit keine Neuerung eingeführt; ofr. § 25 des Geſetzes vom 4. März 1879 (XXXVI).

§ 24. Wer die Verzögerung herbeiführt, muß auch für die Nachtheile, die Anderen daraus erwachſen, billigerweiſe aufkommen.

§ 25. Die Hinterlegungsbefugniß des Anſteigerers war für das Uebergebotsverfahren bereits durch Art. 2186 C. C. gegeben. Sie kann durch die Kaufbedingungen ausdrücklich ausgeſchloſſen werden; für alle Fälle die Hinterlegung anzuordnen, konnte bei der dadurch verurſachten niedrigen Verzinſung des Geldes nicht als angemeſſen erachtet werden. Ob der Anſteigerer auch ſchon vorher berechtigt iſt, den Steigpreis zu hinterlegen, darüber zu beſtimmen iſt nicht Gegenſtand dieſes Geſetzes; vgl. z. B. § 750 CPO. vgl. Hinter⸗ legungsordnung vom 14. März 1879 (GSS. 249).

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