34 II. Code Civil. I. B. 5. T. Von der Ehe. Art. 192 — 198.
Art. 192. — Wenn der Heirath weder die zwei erforderlichen Aufgebote vorhergegangen, noch deshalb die im Geſetze erlaubten Befreiungen ausgewirkt, oder wenn die vorgeſchriebenen Friſten zwiſchen den Auf⸗ eboten und der Ehe nicht beobachtet worden ſind, ſo ſoll der kaiſerliche Procurator wider den öffentlichen Feumhen auf eine Geldbuße, welche die Summe von dreihundert Franes nicht überſchreiten darf, und wider die Contrahenten oder diejenigen, unter deren Gewalt ſie bei Eingehung der Ehe geſtanden haben, auf eine ihrem Vermögen angemeſſene Geldſtrafe erkennen laſſen.
Art. 193. — Die in dem vorhergehenden Artikel ausgeſprochenen Strafen ſollen auch von den daſelbſt erwähnten Perſonen wegen einer jeden Uebertretung der im Artikel 165 vorgeſchriebenen Regeln verwirkt ſein, ſelbſt wenn dieſe Uebertretungen nicht zureichend befunden würden, um die Ehe für ungültig erklären zu laſſen.
Art. 194. — Niemand kann den Namen eines Ehegatten und die bürgerlichen Wirkungen der Ehe in Anſpruch nehmen, der nicht eine in die Regiſter des Perſonenſtandes eingetragene Heirathsurkunde beizubringen vermag; doch ſind hiervon die im Artikel 46 unter dem Titel: Von den Urkunden des Perſonen⸗
ſtandes, erwähnten Fälle ausgenommen.
Art. 195. — Der Beſitzſtand kann die angeblichen, ſich darauf gegenſeitig beziehenden Eheleute von der Verbindlichkeit nicht befreien, die Urkunde über die vor dem Beamten des Perſonenſtandes abgeſchloſſene
Heirath vorzulegen.
Art. 196. — Lorsqu'il y a possession
d'état, et que l'acte de célébration du mariage devant l'officier de l'état civil est représenté, les 6poux sont respec- tivement nonrecevables à demander la nullité de cet acte.
Art. 197. — Si néanmoins, dans le cas des articles 194 et 195, il existe des enfans issus de deux individus qui ont vécu publiquement comme mari et femme, et qui soient tous deux décédés, la löégitimité des enfans ne peut étre contestée sous le seul prétexte du défaut de représentation de l'acte de célé- bration, toutes les fois que cette légiti- mité est prouvée par une possession d'état qui n'est point contredite par l'acte de naissance.
Art. 198. — Geht der Beweis, daß eine Ehe
Art. 196. — Iſt der Beſitzſtand vorhanden und die Urkunde über die vor dem Beamten des Perſonenſtandes abgeſchloſſene Ehe vor⸗ gelegt worden, ſo ſollen die Ehegatten mit der Klage auf Nichtigkeitserklärung dieſer Urkunde gegeneinander nicht gehört werden.
Art. 197. — Wenn gleichwohl in den Fällen des Artikels 194 und 195 die beiden Perſonen, welche öffentlich als Ehegatten ge⸗ lebt haben und nun beide verſtorben ſind, von ihnen abſtammende Kinder zurücklaſſen, ſo kann die eheliche Geburt dieſer Kinder unter dem Vorwande allein nicht beſtritten werden, daß ſie die Heirathsurkunde ihrer Eltern nicht aufweiſen können, ſofern nur die Rechtmäßig⸗ keit ihrer Geburt durch einen mit der Ge⸗ burtsurkunde nicht im Widerſpruche ſtehenden Beſitzſtand erwieſen iſt. geſetzlich abgeſchloſſen wurde, aus dem Erfolge eines
peinlichen Verfahrens hervor, ſo ſichert die Eintragung des Urtheils in die Regiſter des Perſonenſtandes der Ehe von dem Tage ihrer Abſchließung an alle ihre bürgerlichen Wirkungen ſowohl in Anſehung der Ehe⸗ gatten ſelbſt, als der aus dieſer Ehe abſtammenden Kinder.
Rückſicht auf die Nothwendigkeit des von ihnen im concreten Falle zu ertheilen geweſenen Conſenſes hatten, blos als ſolchen ein Angriffsrecht giebt, wenn auch ihre Mitwirkung als Aſcendenten zur Eheſchließung ihrer Deſcendenz durch das Reichsgeſetz beſeitigt, und ihnen damit jedes lediglich aus dieſer Befugniß geſchöpfte Recht genommen iſt. Die Publicität wird im Reichsgeſetze durch §8 42 — 47, 52 daſ. geregelt. Nicht jeder Verſtoß gegen dieſe §§ ſtellt einen zur Anwendung des Art. 191 hinreichenden Mangel an Publicität dar. Vielmehr iſt es Sache richterlichen Ermeſſens, feſtzuſtellen, ob trotz des Mangels einer oder der andern Maßregel die Oeffentlichkeit der Eheſchließung hinreichend gewahrt iſt.
— Art. 192. Aufg. u. erſ. durch Reichsgeſetz vom 6. Febr. 1875 § 69 (XII); GVG. § 74 Poſ. 4, vergl. StGB. § 271.
— Art. 194. Aufg. durch EG. z. CPO. § 14, CPO. § 259; vergl. § 15 des Reichs⸗ geſetzes vom 6. Febr. 1875 (XII) EG. 3. CPO. § 13. Die Zuläſſigkeit, eine Eheſchließung durch Indicien zu beweiſen, hat neuerdings das Reichsgericht in ſeiner Entſcheidung vom 31. März 1884 — Bd. XI S. 425 — anerkannt.
— Art. 195. Dasſelbe wie ad Art. 194.
— Art. 196. Enthält den Civilrechtsſatz daß eine Anfechtung gegen eine durch Urkunde bewieſene und durch Beſißſtand beſtätigte Eheſchließung nicht möglich iſt; vergl. übrigens Geſ. vom 6. Febr. 1875 § 15 Abſ. 3. Kraft Art. 196 kann auch eine nach Art. 146 materiell nichtige Eheſchließung durch den Beſitzſtand in Verbindung mit dem Vorliegen der Heirathsurkunde validiren.
— Art. 197. Enthält eine durch EG. z. CPO. § 16 Poſ. 1 aufrechterhaltene Ver⸗ muthung der ehelichen Abſtammung. 14 Aufg. durch § 65 des Geſetzes vom 6. Febr. 1875; EG. z. CPO.
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