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Grundriß des badischen Landrechts : (mit Ausschluß des Obligationenrechts, LRS 1101 ff.) : unter besonderer Berücksichtigung der neueren deutschen Rechtsprechung für Studium und Praxis dargestellt / A. Platenius
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28 Von der Verkündigung, Wirkung u. Anwendung der Geſetze. l§ 61.

ob ein Geſetz zwingender Natur iſt. Wegen des Verhältniſſes zum ausländiſchen Rechte vgl. noch§ 5 zu A. 4.

3. Gewiſſen Grundſätzen der Sittlichkeit legt das Recht endlich eine ſo große Bedeutung bei, daß es ihnen widerſprechende Rechts⸗ geſchäfte ebenfalls für unzuläſſig erklärt. Vgl. LRS 1133, 900, 1131, 1172, 1833. Das richterliche Ermeſſen hat hier naturgemäß einen ſehr weiten Spielraum. Für unzuläſſig werden z. B. erklärt Verträge über Bordelle, ungebührliche Beſchränkung der perſönlichen Freiheit durch Konkurrenzverbote, Ehevermittlung u. dgl.

Die Nichtbeachtung dieſer zwingenden Vorſchriften hat regel⸗ mäßig die Ungültigkeit der betreffenden Rechtshandlung zur Folge. In gewiſſen Fällen ſetzt das Geſetz aber ausnahmsweiſe andere Folgen feſt: So bei Verheimlichung von Gegenſtänden einér Teilungsmaſſe, LRS 792, 801, 1460, 1477, beim vorſichtsweiſen Erbantritt, LRS 803, 806*, bei Unterlaſſung des vorgeſchriebenen Vermögensverzeichniſſes, LRS 1442, 1504. Vgl. auch GewO§ 130 über den Lehrvertrag.

II. Die Ungiltigkeit eines giechtgeſchüfts tritt ein, wenn das Geſetz einem an ſich zuſtande gekommenen Rechtsgeſchäft die rechtliche Wirkſamkeit verſagt, weil durch die Vornahme des Rechts⸗ geſchäfts eine zwingende Vorſchrift verletzt worden iſt.

Von der Ungiltigkeit iſt daher wohl zu unterſcheiden die Wiederauflöſung eines gültigen Rechtsgeſchäfts durch eine ſpäter hinzutretende Thatſache, wie Bedingung, Widerruf u. dergl. Vgl. LRS 1183, 1184, 1722, 953 ff.

Anderſeits kann man, ſtreng genommen, nur dann von Ungültigkeit eines Rechtsgeſchäfts reden, wenn ein Rechtsgeſchäft überhaupt zu⸗ ſtande gekommen iſt. Fehlt es dagegen an einem der weſentlichen Erforderniſſe eines jeden Rechtsgeſchäfts, ſo liegt überhaupt kein Rechtsgeſchäft vor. Im folgenden ſollen nun dieſe weſentlichen Erforderniſſe erörtert werden.

Das Rechtsgeſchäft iſt eine Willenserklärung, die auf Her⸗ ſtellung eines beſtimmten Rechtszuſtandes gerichtet iſt. Es kann bloß einſeitig ſein, wie z. B. ein Teſtament, oder aber zweiſeitig, dann heißt das zuctsgeſe äft Vertrag.

ſ. Beh. I S. 76, 78/79. Stabel, Inſt. S. 21/22. ZDr I§ 36. ZCy T 88 33, 127 N. 9, 10. Scherer, Rh. R. I S. 557. Crome II S. 40 ff. RG v. 27. Mai 1884 S 1 S 191, Puch. 15 S. 596(Wucher). RG v. 25. Jan. 1883, Puch. 15 S. 426(Landes sverrath) Karlsruhe v. 30. Dez. 1880 Bad. Ann. 47 S. 101(Nahrungsmittelgeſetz). Vgl. die Entſch. zu§ 5 A. 4. RG VI. Civ⸗ Sen. v. 21. März 1892 E. 29 S. 106 ff. RG v. 1. Dez. 1891 Puch. 23 S. 39 ff. u. v. 7. Febr. 1893, Puch. 24 S. 441. Bad. Ann. 59 S. 69(Bordellkauf). RG III. CivSen. v. 19. Mai 1893 E. 31 S. 97. RG v. 29. Dez. 1891 Puch. 23 S. 42 u. v. 14. April 1891 Puch. 23 S. 44. Karlsruhe v. 12. Dez. 1893 Bad. Ann. 60 S. 273(Konkurrenzverboth.