§ 3 Die Rechtsquellen und ihre Auslegung. 13
einer irrtümlich geleiſteten Zahlung(condictio indebiti) den Rechtsweg dann für ausgeſchloſſen erachtet, wenn die Klage auf Leiſtung dieſer Zahlung der Beurteilung des bürgerlichen Richters entzogen geweſen wäre. Vgl. noch CPO§ 139.
VI. Für die Auslegung der Rechtsquellen ſind im franzöſiſchen Rechte im allgemeinen dieſelben Regeln maßgebend, wie im gemeinen Rechte. Der code civil hat dieſe Lehre der Wiſſenſchaft überlaſſen. Im badiſchen Landrechte finden ſich mehrere Zuſätze, die allgemein an⸗ erkannte Auslegungsregeln zum Ausdruck bringen ſollen. So verweiſt LRS 4* den Richter zunächſt auf die grammatiſche, dann auf die logiſche Interpretation, dann auf die Analogie und endlich auf das „natürliche Recht“, wobei nach LRS 4 das römiſche Recht in ver⸗ gleichende Rückſicht gezogen werden kann. Vgl. die LRS 64, 6e, 61.
Die logiſche Interpretation hat nicht nur einzutreten, wenn die grammatiſche Interpretation ein ungewiſſes Ergebnis hat(deklaratoriſche Interpretation), ſondern auch dann, wenn das Ergebnis der grammati⸗ ſchen Auslegung an ſich deutlich iſt, aber eine Vorſchrift ergibt, die der Abſicht des Geſetzgebers nicht entſprechen kann. Hier iſt das Ergebnis der logiſchen Auslegung maßgebend(ausdehnende— beſchränkende Interpretation).
Für die Auslegung des badiſchen Landrechts im beſonderen iſt wichtig ſein Verhältnis zum Urtexte des code civil. Hier iſt wohl zu beachten, daß die Ueberſetzung Geſetz iſt und nicht der Urtert. 1. EinfEd.§ 1, 2. EinfEd. 8 1.
Es iſt zu unterſcheiden:
Iſt die Ueberſetzung undeutlich, ſo darf zu ihrer Auslegung der Urtext mitbenutzt werden, er wird ſogar dann regelmäßig das vor⸗ nehmſte Auslegungsmittel ſein. So ergiebt eine Vergleichung des LRS 1438 mit dem Urtexte, daß dieſer Satz von der gemeinſchaft⸗ lichen Ausſtattung eines Kindes handelt, während der badiſche Text von der Ausſtattung eines gemeinſchaftlichen Kindes ſpricht. Vgl. auch LRS 1409 Ziff. 3, 1122.
Gibt dagegen die Ueberſetzung einen deutlichen Sinn, der aber
7. RG v. 20. Jan. 1890 E. 25 S. 302, RG v. 18. Juni 1891 E. 28 S. 12. Vgl. auch RG v. 15. März 1894 E. 33 S. 34. Die badiſchen Verwaltungsgeſetze finden ſich im BB I S. 283 ff., die Verſicherungsgeſetze ebenda II S. 413 ff. und Nachtrag II S. 920 ff. Vgl. insbeſondere KrankenverſG§ 57—58, UnfallverſG §8 46 ff., 88, Bad. AusführungsG v. 7. Juli 1892 Art. 3, Inval.⸗ u. AltersverſG SS 122 ff. Ausführliche Darſtellung bei Betzinger, Anhang zu Gaupps Commentar zur CPO S. 4— 17, vgl. S. 34. Seuffert, CPO N. 2 zu§ 139. Wilm.⸗Levy N. 2 zu§ 139 CPO. Crome I S. 367.
8. Beh. I§ 18. Stabel, Vortr. 88 23, 24. Mayer, Vortr.§8 28, 29, 31. Crome I§ 8 S. 39 ff. ZDr I 88 38—40. ZCr I 8§5 34— 36. Wind⸗ ſcheid I 88 21—24. Dernburg I 8§8 34—38.


