Art, 457.
380 Erſtes Buch. Zehnter Titel.
wortlichkeit, daß er den Umſtand dem Familienrathe anzeigt, und deſſen Ver⸗ fuͤgung etwartet.“ Fuͤr Weſtphalen wird ein ſolcher Fall nicht eintreten; denn hier ſind die Vormuͤnder verpflichtet, in der Regel alle anzulegenden Pupillen⸗ gelder an die Amortiſationscaſſe zu ſchicken, welche ſie mit 3 Procent“ verzinſt. Jedoch ſollen dieſelben, in ſo fern ſie Gelegenheit finden, mit Zuſtimmung des Familienraths, innerhalb drey Monaten die ihren Muͤndeln gehoͤrigen Capita⸗ lien mit gleicher Sicherheit, und gegen hoͤhere Zinſen anzulegen, zu deren Ablleferung an die Amortiſationscaſſe nicht verpflichtet ſeyn. Geſetz vom
14. Jul. 1808. Art. 13.(Geſetzbuͤlletin des Koͤnigreichs Weſtpha⸗
len 1808. Nr. 48. S. 261 ff.)
3) Zu bemerken iſt noch: I. Die ſechs Monate, binnen welchen die von dem Familienrathe feſtgeſetzte Summe anzulegen iſt, fangen von dem Zeitpuncte an, wo ſich die ganze Summe in der Caſſe des Vormundes befindet. BovsQR
Erplication ad art. 438. II. Die ſechs Monate, binnen welchen der Ueber⸗
ſchuß anzulegen iſt, muͤſſen von der Zeit angerechnet werden, wo ſich uͤber⸗ ſehen laͤßt, daß wirklich ein Ueberſchuß da iſt. ZacRaRrAx Handbuch. Th. I. S. 69. 1II. Der Art. 435— 456. iſt auch auf eingehende Capitalien anwendbar. MaAPvIILILE Analyſe ad h. l. IV. Eine Summe anlegen, heißt entweder die Schulden des Muͤndels bezahlen, oder das Geld zinsbar auslethen. MarB- vILILE ebendaſ. V. Auf die Eltern ſind dieſe Artikel nicht anwendbar, in ſo fern erſtere den Nießbrauch an dem Vermoͤgen der Kinder haben.
Fortſetzung.
II. Jeder Vormund, ſogar der natuͤrliche, kann ohne Genehmigung des Familienrathes weder fuͤr den Minderjaͤhrigen ein Anlehn aufnehmen, noch deſſen unbewegliches Vermoͤgen veraͤnßern ¹), oder mit einer Hy⸗ pothek beſchweren. Dieſe Genehmigung kann nur geſchehen: 1) wenn eine abſolute Nothwendigkeit vorhanden iſt, z. B. Alimente des Pupillen zu beſtreiten; 2) wenn der Rutzen davon evident iſt. Sollte eine abſo⸗ lute Nothwendigkeit vorhanden ſeyn, ſo kann der Familienrath erſt dann ſeine Genehmigung ertheilen, wenn zuvor der Vormund eine kurzgefaßte Ueberſicht der Verhaͤltniſſe, aus welcher die Unzulaͤnglichkeit der Baar⸗ ſchaft, des beweglichen Vermoͤgens und der Einkuͤnfte des Minderjaͤhri⸗ gen erhellt, eingereicht bat*). In Hinſicht des Verkaufs unbeweglicher Guͤter des Pupillen, denn die Beweglichen muß der Vormund in der Regel bey Antritt der Vormundſchaft veraäußern, iſt zu bemerken; 1) Der Familienrath muß die unbeweglichen Sachen, welche zuerſt verkauft werden ſollen, nahmhaft machen, und die zweckdienlichen Bedingungen,
Art, 458. unter denen der Verkanf geſchehen ſoll, angeben. 2) Der Familienraths⸗
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