I. Einführungs⸗Edikt. 7
Unterhalt derſelben zu thun, bei allen ſpäter geborenen unehelichen Kindern wegfällt, und ſolche Koſten, ſo weit ſie nicht von Stiftungen, oder dann von Gemeinden nach dem Geſetze zu tragen ſind, als allgemeine Staats⸗ laſt, gleich den anderen Armenunterhaltungen, beſorgt werden muß.
XI. Bei dem II. Tit. des III. Buchs wegen der letzten Willens⸗ verfügungen folgt aus der mit der Verkündigung dieſes eintretenden Wirkſamkeit dieſes Landrechts,
1) daß, obwohl Niemand vor dem erſten Juli d. J. ſchuldig iſt, ſeine Teſtamente und Codicille nach den jetzigen Formen einzurichten, dennoch Jeder, wenn er wilk, ſich gleichbalden nach ſolchen einrichten kann, und ſolche vor dem erſten Juli ſchon nach dem gegenwärtig aus⸗ gekündeten Landrecht gefertigten letzten Willensverfügungen gleiche Gültig⸗ keit haben als die, welche erſt nach dem erſten Juli in ſolcher Form er— richtet werden, und als diejenigen, die in jener früheren Zeit noch nach den altgeſetzlichen Formen errichtet ſind; deßhalb
2) ſind indeſſen bei jenen Formen, welche Staatsſchreiber erfordern, außer den ſchon vorhandenen Staatsſchreibern oder Notarien auch alle angeſtellten Theilungsreviſoren, Stadt⸗ und Amtsſchreiber, auch Theilungs⸗ commiſſarien derſelben, als deßfalls Staatsſchreibereirecht habend anzu⸗ ſehen; hiernächſt
3) ſollen auch jene Teſtamente, die vorhin, es ſei erſt kurz oder ſchon länger her, errichtet worden ſind, und nach dem gedachten erſten Juli durch den Tod des Erblaſſers zur Wirkſamkeit kommen, für kräftig erachtet werden, nicht nur wenn ſie den altgeſetzlichen Formen gemäß ſind, ſondern auch alsdann, wenn ſie nach ſolchen zwar einen Mangel hätten, der aber nach dieſem Landrecht aufhört, ein Mangel zu ſein; da der Geſetzgeber wie der Richter mit Recht vorausſetzt, daß der Erblaſſer gewollt habe, daß ſein Wille in jeder Form, in der es geſetzlich möglich iſt, erhalten werde, wohingegen
4) was den innern Gehalt ſolcher letzten Willen betrifft, derſelbe nach obiger Zeitfriſt des erſten Juli 1809 nur ſo zum Vollzug kommen kann, wie er mit den jetzigen Geſetzen beſteht, als unter deren Herrſchaft er durch den Tod erſt zu Kräften gelangt, und daß mithin dasjenige darin für nicht geſchrieben zu achten iſt, was mit dieſen gar nicht beſteht, dasjenige aber, was, wiewohl mit einigen Veränderungen, beſtehen kann, nur in dieſer geänderten Maße zum Vollzug kommen kann und demnach
XI. Anfangstermin: 1. Januar 1810. 3) Giltigkeit der vor Einführung E. E 86 12 des neuen Landrechts errichteten letzten
2„Staatsſchreiber“—: II. E. Willen: R. Bel. vom 6. Juli 1811, R. E.§ 7. B. Nr. 20.


