Teil eines Werkes 
Band 2
Seite
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Die Inſel Borneo ſteht in demſelben Verhältniß zu Oſtindien, wie der Kontinent von Amerika zu Europa ſie iſt nämlich ein Land, wohin jene aus wandern, die Schutz gegen religiöſe Verfolgung ſuchen, oder die durch Uebervölkerung ſich genöthigt ſehen, eine andere Heimath zu wählen. Die Küſten der Inſel ſind demnach von vielen mit einander in durchaus kei ner Verbindung ſtehenden Nationen bewohnt, die nach ihren eigenen Geſetzen, Sitten und Gebräuchen leben. Die Weſtküſte wird von Malayen und Chineſen, die Nordweſtküſte von den halbblütigen Abkömmlingen der Moslems des weſtlichen Indiens, die nördliche von Cochinchineſen, die nordöſtliche von den Sulus und die öſtliche und ſüdliche Küſte von den Bugis⸗ ſtämmen aus Celebes bewohnt. Außer dieſen gibt es noch drei verſchiedene Stämme, die in Prans (Booten) leben, und die Küſten des Landes umfahren; dieſe ſind: die Lanuas von Magindano, und die Orang⸗Badſcha und die Orang⸗Tidang, deren Urſprung unbekannt iſt. Einige Stellen an der Nord⸗ weſtküſte ausgenommen, wo man die Daiaks in der Nähe des Meeres findet, haben ſich die Urbewohner der Inſel ſämmtlich in das Innere derſelben zurück gezogen.

Wenn man von der Ertragsfähigkeit des weſtlichen Theils dieſer Inſel einen Schluß auf die noch unbe⸗ kannten Gegenden machen darf, ſo könnte ſich in dieſer

Die Bewohner von Borneo.

nen, wo die gegenſeitige Verbindung ſchwieriger iſt,

ihnen zu Sambas und in allen Städten und Dör⸗ fern an der Küſte. 3 Ehe noch die Holländer die weſtliche Küſte von Borneo in Beſitz nahmen, wanderten jährlich unge⸗ fähr 3000 Chineſen ein, um ſich anzuſiedeln, was jedoch ſeitdem faſt ganz aufgehört hat. Eine Zählung iſt auf dem Gebiete der Holländer und Chineſen nicht vorgenommen worden, doch wird die nachſtehende un⸗ gefähre Schätzung ſo ziemlich genau ſein:

Chineſen..... 150,000 Malayen 50,000 Bugis........... 10,000 Araber........... 400 Javaneſiſche und Amboineſiſche Soldaten 150 Holländer.. 80

Die Zahl der im Bereich der Anſiedelungen woh⸗ nenden Daiaks wird auf 250,000 angeſchlagen. Die⸗ jenigen von ihnen, welche Orang⸗Benuas oder Urbe⸗ wohner von Borneo ſind, bilden den bei weitem in⸗ tereſſanteſten Theil der Bevölkerung. Sie ſind in kleinen Stämmen über die Inſel zerſtreut, und jene, welche an den Ufern der großen Flüſſe wohnen, ſtehen meiſt unter der Herrſchaft eines der mächtigeren dieſer Stämme. Jene Horden aber, die im Innern der Wälder woh⸗

ſind meiſt bedeutend von einander verſchieden, und dieſe

inſicht kein Land in der Welt mit ihr meſſen; denn ſich

die von den Holländern und Chineſen bewohnten Diſtrikte haben außer einem Boden, der an Frucht⸗ barkeit den jeder andern Inſel des Archipels überbietet,

auch noch unerſchöpfliche Gold⸗ und Diamantgruben,

die ſo leicht auszubeuten ſind, daß die Einwohner ſich mit den unvollkommenſten Inſtrumenten bedeutende Quantitäten von dieſen beiden koſtbaren Gegenſtänden verſchaffen können. Der Mineralreichthum reizte wahr⸗ ſcheinlich die Habſucht der Malayen zu der Zeit, wo Kolonien von Menangkabu, in Sumatra, ſich über den

weſtlichen Theil des Archipels verbreiteten. Sie müſſen

zur Zeit der erſten Emigration der Chineſen bereits feſten Fuß auf der Inſel gefaßt haben, da dieſe letz⸗ teren anerkennen, daß das Land, welches ſie bewohnen, den malayiſchen Häuptlingen von Sambu und Pon⸗ tiana rechtlich angehöre. fahrendes Volk, beſchäftigten ſich nicht viel mit Aus beuten der Minen, ſondern begnügten ſich, da ſie ſich an den Mündungen der großen Flüſſe Pontiana, Sambas und Succadan angeſiedelt hatten und als Piraten gegen die betriebſamen Bewohner des Archipels kreuzten, mit dem Gold und den Diamanten, die ſie von den Eingeborenen der Inſel eintauſchten. Die Chineſen dagegen ſetzten ſich, als gute Bergleute, da feſt, wo Goldſtaub und Diamanten zu finden waren. Jetzt ſind ſie hauptſächlich in dem Diſtrikt von Mon⸗ tradok verſammelt; doch befinden ſich auch viele von

Die Malayen, als ein ſee⸗

Leute würden kaum wiſſen, daß es außer ihnen noch

menſchliche Weſen gibt, würden nicht Einzelne zuwei⸗

len von den plündernden Kriegern eines mächtigen Stammes geraubt.

Die verſchiedenen Stämme im Innern des Lan⸗ des ſtehen in gar keinem geſelligen Verkehr mit ein⸗ ander, und ſprechen daher auch Mundarten, die oft der zunächſt wohnende Stamm nicht verſteht. Unter ſolchen Umſtänden iſt eine Verbeſſerung der gefelligen Lage dieſer Leute kaum denkbar; ſehr wahrſcheinlich leben ſie ſeit undenklichen Zeiten ſchon in dieſen Ver⸗ hältniſſen, und werden auch, von allen Verbindungen nach außen abgeſchnitten, noch lange, vielleicht für im⸗ mer, in ihrer Abgeſchloſſenheit verharren. Die ver⸗ ſchiedenen Stämme ſollen ſich bedeutend von einander unterſcheiden, was ich nicht beſtreiten will, obſchon ich Daiaks von mehreren Stämmen geſehen habe, die, mit Ausnahme des Unterſchiedes in der Sprache, die ge meinſame Abſtammuug nicht verleugnen konnten. Die Daiaks ſelbſt ſagen, daß an einigen Stellen tief im Innern ein wollhaariges Volk lebe; da ſie aber auch

behaupten, es gebe Menſchen mit Schweifen, gleich den

Affen, die auf Bäumen wohnen, ſo dürfte die Rich⸗ tigkeit ihrer Angaben zu bezweifeln ſein. Ich ſelbſt habe keinen geſprochen, der einen wollhaarigen Men⸗ ſchen geſehen hätte; da es indeß im Innern der malayi⸗ ſchen Halbinſel ſolche Leute gibt, ſo ſcheint es nicht unwahrſcheinlich, daß deren auch auf Borneo ſich auf⸗ halten. 4 1 P.