Teil eines Werkes 
Band 2
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Das Stachelberger Bad und der Brummbach.

Su ImGlarnerland, jener wildromantiſchen, 8 bis 9 Stunden langen, in der ſüdlichen Hälfte gegabelten ch Thalſchlucht, die überall, bis auf eine kleine Ecke im Vl Norden, von gewaltigen, meiſt furchtbar ſteil abfallen⸗ den Hochgebirgen eingefaßt wird, die auf der Grenze gegen Uri und Graubündten in der Tödikette kulmini⸗ ren, liegt 4 Stunden von Glarus entfernt, das neu, dem Phönix gleich aus Schutt und Aſche entſtand, nur eine kleine Viertelſtunde vom Pfarrdorfe Linththal, am Fuße des Braunwaldberges, das neue, gut eingerichtete und wohl bediente Stachelberger⸗ oder Seggen⸗ bad, deſſen Waſſer gegen Hautkrankheiten und rheu⸗ matiſche Leiden vielfach und mit Erfolg gebraucht und ſtark verſendet wird, jährlich immer mehr Heilung 0 Suchende an ſich zieht, und durch ſeine freundliche Um⸗ w gebung, die herrlichen Ausſichten, die es gewährt, und die genußreichen Exkurſionen, die es in die nahe gele⸗ gene Alpenwelt geſtattet, als lieblicher, genußreicher nir Aufenthalt allen denen empfohlen werden kann, die in einen ſtiller Einſamkeit, in einer herrlich reichen, wilden Na⸗ veſche un und ganz in der Nähe eiſiger Schneeberge, im Som⸗ holung und Kräftigung von den Mühen des ſuchen.

reundliche Stachelberger Badehaus befindet ſich am fer der Linth, da wo aus waldigem Tobel der aldbach in dieſe einmündet, in 2050 Fuß Mee⸗ und ſteht durch eine hölzerne Brücke mit dem des Flüßchens gelegenen Wirthshauſe im Secken in Verbindung. Die Ausſicht vom Altan oder dem Pavillonhügel, namentlich am frühen wo man Gelegenheit hat, das allmählig fort⸗ Phänomen der Dämmerung und des Son⸗ gs an den Spitzen des Tödi und des Selb⸗ veobachten, iſt reizend, ja großartig majeſtä⸗ unvergeßlich wird jedem Beſchauer das Bild ſalen Felspyramide bleiben, an deren Wänden Bifertengletſcher mit dem unvergleichlichen ner Gewölbe herunterſchmiegt, und die blendend Firne der Tödikuppen, die 1837 von drei Wild⸗ und Gemſenjägern zum erſten Male unter vie len Gefahren erſtiegen, zu einer Höhe von 11,115 Fuß

rich aufſtreben.. 1 Die Schwefelquelle, die das Stachelberger Waſſer liefert, eine der ſtärkſten, die man kennt, liegt eine halbe Stunde vom Bade entfernt höher am Berge. Man gelangt zu ihr, indem man in der nordweſtlich gelegenen, engen, romantiſchen Schlucht des ſchäumend in's Thal herabſtürzenden Brummbaches hinaufſteigt. Zuerſt führt der Weg über ſanft ſich hebende, mit Steinblöcken beſäete Weiden; dann tritt man in die mit Tannen und Gebüſch bewachſene Region, links von welcher, wie unſere Abbildung zeigt, der Brumm⸗ bach daher tost. Der Weg iſt nichts weniger als an⸗ genehm, für des Steigens Ungeübte beſchwerlich, ja ſtellenweiſe ſogar gefahrvoll, denn oft führt er quer über ſteile Abhänge hinweg, die hie und da mit herunter geſtürzten, haushohen Felsblöcken beſäet ſind. Endlich gelangt man an eine faſt ſenkrechte, gegen 100 Fuß hohe Felſenwand, von der ſich nach links zu ein koloſ⸗ ſales Stück losgeriſſen zu haben ſcheint, das als Aus⸗

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läufer einer Klippenzunge das Bett eines kleinen Wald⸗ ſtromes von dem am Fuße der Klippe dahin rauſchen⸗ den Braunwaldbache trennt, mit welchem ſich der un⸗ benannte Waldſtrom vereinigt. An dieſer Felswand führt eine über den Abgrund ſchwebende, von einigen Blöcken und eiſernen Bändern getragene, ſchmale Treppe mit mehr als 45 Grad Steigung hinauf. Oben an⸗ gelangt biegt man rechts um einen Felſenvorſprung, und folgt nun in ſchwindelnder Höhe dem Braunwaldbache, und hört hier nur noch dumpf das Getöſe des jenſeits des großen Felſens herabſtürzenden Brummbaches. Bei Verfolgung des ſchmalen Weges gelangt man bald an eine zweite kleinere Holzſtiege, nach deren Erklimmung feine Geruchsorgane ſchon im Stande ſind, die Nähe der Quelle zu ahnen. Noch eine ſteile, gefährliche und unangenehme, aus rohen Kalkſteinplatten improviſſirte Treppe, hart am tiefen Abgrunde des Braunwaldbaches hin, hat man zu erklettern, und ſieht hier, wie der Bach in einem ausgebreiteten flachen Strahle über die glatte Fläche eines quer im Bette liegenden Felſens hinunterſchießt, und einen ſtäubenden Waſſerfall bildet. Jetzt noch einige mühſame Stufen und im Schweiße ſeines Angeſichts und vom Klettern ermüdet, ſteht man vor dem Eingange der Quelle, einer kleinen natürlichen Grotte, die durch einen überhangenden gewaltigen Fel⸗ ſen, den zwei Felswände tragen, gebildet wird, in 3106 Fuß Höhe. Ein Balkenverſchlag mit verſchließbarer Thüre ſichert die Quelle vor Beſchädigungen. Die Felsgrotte, aus ſchwarzgrauem thonigem Kalke beſtehend, hat eine Höhe von 14 Fuß und eine gleiche Breite; die Tiefe derſelben beträgt unten 8, oben 10 Fuß. Im oberen nordöſtlichen Winkel der Grotte, dicht un⸗ ter dem ſchief aufſtrebenden Felſen rieſelt die Quelle ſpärlich hervor; eine ſchmale, mit dem Spitzhammer in den Felſen gehauene Rinne iſt dazu beſtimmt, das Waſſer zu ſammeln und ohne Verluſt in ein Baſſin von der Größe einer hohlen Hand auf einen Felſen⸗ vorſprung im unteren Theile der Grotte zu führen, von wo es durch eine in den Kalkſtein getriebene höl⸗ zerne Röhre in einen kleinen Holztrog geleitet wird, von welchem aus es in denSammler abfließt, der unter dem ganzen Boden der Grotte angelegt, gegen 3000 Maas Waſſer faſſen ſoll. Von demSamm⸗ ler aus führt eine hölzerne Röhrenleitung das Schwe⸗ felwaſſer über die ſteilen Abhänge hinunter nach dem Bade, wo es in einem zweiten, noch größeren Reſer⸗ voir ſich anſammelt. Die ungemein ſparſam hervor⸗ ſickernde Quelle geſtattet während der Badeſaiſon täg⸗ lich nur 60 bis 120 Flaſchen zu faſſen. Das Füllen geſchieht dabei ſo, daß man die Flaſche unter die oberſte Röhre ſtellt, was beiläufig 1 1 ½ Minuten dauert, darauf wird etwas Waſſer oben herausgeſchleudert, dann ein guter Korkpfropf aufgeſetzt, und dieſer mit einem hölzernen Schlegel eingetrieben. Das überſtehende Ende des Pfropfes wird mit einem ſcharfen Meſſer dem Glasrande gleich weggeſchnitten. Kurz nach dem Bou⸗ chiren der Flaſche tritt eine milchige Opaleszenz des Waſſers ein, die aber nach wenig Minuten wieder ver⸗ ſchwindet. Die Flaſchen werden in einerHutte, einem auf dem Rücken zu tragenden becherförmigen 48*