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die Mitte des 15. Jahrhunderts lebte. Der herrſch⸗ ſüchtige Prinz hatte ſeinen Vater, den greiſen Herzog Arnold bei nächtlicher Weile überfallen und in einem feſten Thurme des Schloſſes Baern gefangen geſetzt, um ihn hiedurch zur Abdankung zu zwingen. Der Alte öffnet, auf das Toben des unbändigen Prinzen, den
Kerkerladen, vor welchem dieſer in prächtiger Fürſten⸗
kleidung ſteht, deren Schleppe von einigen Mohrenkna⸗
chen vermocht;„es iſt,“ ſagt er,„von einer Gewalt
Rembrandt.
tafeln zerſchmetternd.
ben gehalten wird. Der Prinz ballt mit verderben⸗ ſprühenden Blicken die Fauſt gegen den Vater, wie eine Pferdemähne umwogt das volle Simſonshaar ſein Haupt. Mit Grauen liest der mißhandelte Fürſt in dieſen grimmigen Zügen, daß Adolph vor keinem Mittel zurückſchrecken wird, ſeinen Zweck zu erreichen. Kug⸗ ler bewundert die tragiſche Größe dieſes Bildes, die nur etwa Shakeſpeare in ſeinem Richard III. zu errei⸗
Schmerz und Zorn entſtellen
in der Färbung und in den Würfen des Lichtes, die
in ähnlicher Art ſchwerlich auf einem anderen Bilde
zu finden ſein möchte.“ Das andere oben berührte Bild des Berliner Mu⸗ ſeums ſtellt den zürnenden Moſes dar, die Geſetzes⸗
auf ſchreckliche Weiſe das Antlitz des großen Propheten. Nach der Sage ſoll dieſes mehr als kühne Bild nicht mit dem Pinſel, ſondern mit dem Finger gemalt wor⸗ den ſein, was jedenfalls für Rembrandts ſpätere derbe Manier bezeichnend iſt. C. K.


