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empfindlich,„wenn mir's gelingt, die Farbe ſo aufzu⸗ tragen, wie es mir vorſchwebt, ſo will ich die gemalte Mühle ſo theuer verkaufen, als Ihr für die wirkliche
ſammt allen Euren Eſeln erhalten würdet.“
Mit neuem Muthe griff der junge Maler wieder
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zum Pinſel, wobei ihm als Modell jedes lebende We⸗
ſen willkommen war; das Verlangen des Vaters, ſich nun auch in einer größeren Stadt Geld und Ruhm zu erwerben, wies er ab: dieſe Zeit werde wohl kom⸗
men, wenn er ſich ſelbſt werde genug gethan haben.
Im Jahre 1630, alſo in ſeinem vierundzwanzigſten Jahre, ſchlug er endlich in Amſterdam ſeine Wohn⸗ ſtätte auf, und ſiehe da! ſeine fertigen Bilder fanden ſogleich Liebhaber zu guten Preiſen, und er erhielt ſo viele Beſtellungen, daß er Gehülfen einſtellen mußte. Sein Ruf verbreitete ſich bald, er wurde Mode, wenn dieſer Ausdruck eines wahren Künſtlers würdig wäre, und Jeder glaubte etwas von ihm haben zu müſſen. Im Jahre 1634 heirathete er ein junges, artiges Bauernmädchen aus einer frieſiſchen Familie von Leeuen⸗ warden, Saskia Vilenburg, und begann nun, ſeine Kunſt als einträgliche Erwerbsquelle auszubeuten. Er miethete ein geräumiges Lokal, nahm gegen bedeuten⸗ des Lehrgeld viele Schüler an, richtete jedem derſelben eine abgeſchloſſene Zelle ein, um ihn, wie er ſagte, gegen Zerſtreuung zu ſchützen, und verkaufte die von ihm retouchirten Arbeiten derſelben als Originale ſo theuer als ſeine eigenen.
Rembrandt liebte das Abenteuerliche und Seltſame und blieb bei ſeinen Darſtellungen, alle höheren An⸗ forderungen abweiſend, bei dem ſtehen, was ihm ſeine plebejiſche Umgebung bot. Aus dieſer nahm er, nicht ohne bewußte Ironie, ſogar die Modelle zu ſeinen bib⸗ liſchen und hiſtoriſchen Stücken. Für das Coſtume glaubte er ſchon viel gethan zu haben, wenn er einige Geräthe ſeines wie zufällig zuſammen gewürfelten Vor⸗ rathes hiezu verwendete. Die bemerkenswertheſten In⸗ ventarſtücke ſeines Ateliers waren hauptſächlich das ab⸗ geblaßte, oft benützte Habit eines Türken und das eines polniſchen Juden, was Rembrandt ſeine Antiken nannte, ein verroſteter Panzer, die Kleider eines Indianers, und einige indiſche Waffen und Geräthſchaften. Er beſaß indeſſen auch einige Abgüſſe, eine Madonna von Raphael, Kupferſtiche und Coſtumbücher. Seine Frau und die Magd waren faſt ſeine einzigen Modelle.
Bei allem dieſem fehlte es Rembrandt keineswegs an wahrer und tiefer Empfindung und feinem Sinn für das Arrangement. Das Helldunkel und das Co⸗ lorit ſeiner Bilder ſind von wunderbarer Wirkung. Ein berufener Kenner nannte ihn in dieſer Hinſicht den holländiſchen Correggio, nur mit dem Unterſchiede, daß wie bei dieſem dus Licht und eine allgemeine Hellig⸗ keit, bei Rembrandt der Schatten und allgemeine Dun⸗ kelheit vorwaltet, aus welcher ſich nur einzelne ſtark beleuchtete Gegenſtände hervorheben. Um die Darſtel⸗ lung edler Charaktere und jener erhabenen Ruhe, welche das Anſchauen vollendeter Schönheit gewährt, war es Rembrandt wenig zu thun. Er führte, beſonders in ſeiner ſpäteren Zeit, einen ſtarken, gewaltſamen Pinſel, weßhalb auch ſeine Bilder aus einer gewiſſen Entfer⸗ nung“ zu betrachten ſind.„Ein Gemälde,“ pflegte Rembrandt zu ſagen,„iſt nicht gemacht, daran zu riechen; zudem iſt die Farbe auch ungeſund.“ Indeſſen ſind viele ſeiner Werke mit dem feinſten, edelſten, oft ächt bibliſchen Gefühle gemalt, und das auf ſo vielen
Bildern überraſchend und betäubend hereinbrechende Licht iſt auf andern in ein ſtilles, geheimnißvolles Spielen des Helldunkels gemildert, das die lieblichſten Träume⸗ reien zu erwecken vermag.
Die Nachrichten von den ſpäteren Schickſalen Rem⸗ brandts widerſprechen ſich und ſind meiſt unerquicklicher Art. Seine Frau ſtarb 1642 und hinterließ ihm ein einjähriges Söhnlein. Als Wittwer geriethen ſeine ökonomiſchen Verhältniſſe in Unordnung. Wie das bei der ſparſamen Lebensweiſe und den bedeutenden Ein⸗ nahmen des Künſtlers geſchehen konnte, vermögen wir nicht zu ſagen. Als Rembrandt 1656 zu einer zwei⸗ ten Ehe ſchritt, forderte der Vormund ſeines Sohnes das mütterliche Vermögen des letzteren; da nun dieſes die Kräfte Rembrandts überſtieg, wurde er für inſol⸗ vent erklärt, und ſein ganzes Beſitzthum, bis auf die Leibwäſche, unter den Hammer gebracht, der ſchlechten Zeiten wegen aber nur 4960 Gulden, und aus ſeinem Hauſe 11,218 Gulden erlöst, womit nicht alle Gläu⸗ biger befriedigt werden konnten. Die Angabe mehre⸗ rer Schriftſteller, daß ſich Rembrandt von ſeiner Frau bereden laſſen, einen Bankerott zu fingiren, Amſterdam heimlich zu verlaſſen und das Gerücht von ſeinem Tode zu verbreiten, um den Preis ſeiner Bilder in die Höhe zu treiben, iſt unerwieſen, und mag auf Verleumdung beruhen. Rembrandt ſcheint ſeit dieſer unglücklichen Epoche in großer Zurückgezogenheit gelebt zu haben; nicht einmal das Jahr ſeines Todes iſt ſicher. Sein letztes Bild malte er 1664.
Die Werke Rembrandts als Maler und Kupfer⸗ ſtecher ſind ſo zahlreich, daß die Verzeichniſſe ganze Bogen füllen. Dieſelben ſind Bildniſſe, unter welchen ſein eigenes, oft gemaltes Bild an dem runden vollen Geſichte, der ziemlich großen, breiten Naſe und dem krauſen, oft ſtruppigen Haare kennbar iſt, bibliſche, mythologiſche und hiſtoriſche Gegenſtände, Genre⸗ oder Converſationsgemälde, und einige Landſchaften und Stillleben. Als eines der bekannteſten Bilder dieſes Meiſters iſt die Anatomie in der Gallerie im Haag anzuführen, welches den berühmten Arzt Nikolaus Tulp mit ſeinen Schülern bei einer Leichenöffnung darſtellt. Dieſes 1632 für das anatomiſche Theater in Amſter⸗ dam gemalte Bild, welches wegen ſeiner vollkommenen und gründlichen Auffaſſung, Modellirung und Porträt⸗ wahrheit hoch geſchätzt wird, wurde 1828 von dem Könige für 32,000 holländ. Gulden erworben. Rem⸗ brandts„Nachtwache“ hat koloſſale Dimenſionen und ſtellt ein luſtiges Gedränge bewaffneter, ladender, trom⸗ melnder Perſonen vor. Dieſes Gemälde iſt aus ſpã⸗ terer Zeit(1642). Der pikante Contraſt des ſchroff gegen einander ſtehenden Lichts und Schattens macht den Effekt einer nächtlichen Beleuchtung, obwohl nir⸗ gends eine Fackel bemerklich iſt. Unter Rembrandts bibliſchen Stücken ſind die Anbetung der Könige, die der Hirten und die das Jeſuskind ſtillende Maria die ausgezeichnetſten.
Am vollendetſten ſind diejenigen Werke dieſes Mei⸗ ſters, deren Sujet am meiſten mit ſeiner düſter gewal⸗ tigen Stimmung harmonirt. Nach Kugler gehören hieher beſonders zwei im Berliner Muſeum befindliche Gemälde. Von dem einen derſelben, welches geradezu als Rembrandts Meiſterſtück bezeichnet wird, legen wir dieſen Blättern eine gelungene Nachbildung bei. Daſ⸗ ſelbe zeigt uns die kräftige, männlich ſchöne Geſtalt des grauſamen Prinzen Adolph von Geldern, der um


