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Meräwürdiges Beiſpief von Hunde⸗Anhänglichkeit.
Bu Portree auf der Inſel Skye verbreitete ſich dieſer Tage das Gerücht, Hunde hätten das Grab eines vor etlichen Wochen verſtorbenen jungen Man— nes aufgewühlt. Darüber entſtand große Aufregung in der Stadt, aber bei genauerer Unterſuchung durch den Sheriff ergab ſich, daß die Sache keineswegs beunruhigender Natur, vielmehr das tiefſte Intereſſe zu erregen geeignet war. Als der junge Mann begraben wurde, folgte ſein Hund der Leiche bis auf den Kirchhof und konnte nur mit Mühe entfernt werden. Er kehrte wieder und wieder an den Ort zurück und wühlte unbeachtet das Grab auf, bis er
zu dem Sarg gelangte. Zu Portree wie in manchen Gegenden der ſchottiſchen Hochlande beerdigt man die Todten auf ſehr oberflächliche Art und macht die Gräber nicht ſo tief wie anderswo. Der Hund hatte bereits den Sarg zernagt, als man der Sache auf die Spur kam, aber der Leichnam ſeines Herrn war unberührt; und ſo fand man das treue Thier, trau⸗ rig in das Grab ſtarrend. Der Fall iſt noch rühren⸗ der, wenn man bedenkt, daß ſeit der Beerdigung vier bis fünf Wochen verfloſſen waren, und der Kirchhof ſechs Meilen von der Behauſung des Verſtorbenen entfernt iſt. Dr. B—e.
Remöbörandt.
Die beiden größten Meiſter der niederländiſchen Malerſchule, welche zugleich die beiden Zweige derſel⸗ ben, die holländiſche uͤnd die flandriſche, repräſentiren, und gewöhnlich in einem Athem genannt werden, Peter Paul Rubens und Paul Rembrandt, ſind gleichwohl in ihrer künſtleriſchen Richtung und ihrem perſönlichen Charakter ſo gründlich verſchieden, daß ſie in einem wahren Widerſpiele zu einander ſtehen. Auch ihre Lebensumſtände und geſellſchaftliche Stellung bieten nur wenige Vergleichungspunkte. Rubens, der Freund vie⸗ ler ausgezeichneter und hochſtehender Männer, zugleich Dichter, Gelehrter und Staatsmann, war auch als Künſtler geiſtvoll, genial überſprudelnd und ſeine für die Ausſchmückung der Kirchen und Paläſte beſtimmten Gemälde hatten einen vornehmen Charakter; Rembrandt aber, der Sohn eines Müllers, kümmerte ſich wenig um vornehme Geſellſchaft, und fühlte ſich in gemeiner Umgebung gerade am behaglichſten.„In meinen Mußeſtunden,“ pflegte der Sonderling zu ſagen,„ſuche ich nicht Zwang bei den Großen, ſondern Ungebunden⸗ heit und Freiheit, wo ich ſie finde.“ Rembrandt ging deßhalb am liebſten mit dem Pöbel um. Ohne einige Kenntniß der Hiſtorie und Mythologie verſchmähte er trotzig im Gefühle ſeiner eigenen Geſtaltungs⸗ kraft, was ſonſt einem gebildeten Künſtler zur Zierde gereicht, und verhielt ſich zum Studium idealer Schön⸗ heit und ernſter Wiſſenſchaft ironiſch, bisweilen ſogar feindſelig. Er erſchien auch in ſeinen Werken, welche ſelten, wie die ſeines großen Vorgängers, bewegte Handlungen in durchgeführter dramatiſcher Entwicke⸗ lung, ſondern zumeiſt die Stille einer im Verborgenen gährenden Leidenſchaft darſtellen, als ein düſterer, trotzi⸗ ger Republikaner. Dennoch bildete ſich Rembrandt, dem ein Talent verliehen war, wie es keine andere Schule aufzuweiſen hat, aus ſich ſelbſt heraus zu zinem der größten Meiſter aus, der das Außerordentliche lei⸗
ſtete und die Blüthezeit der holländiſchen Malerſchule
bezeichnete.„ Rembrandt wurde den 15. Juni 1606 geboren.
Sein Vater beſaß eine Mühle im Rheinkanale zwi—
ſchen Leydendorp und Koukerk bei Leyden. Die große
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„Laßt das gut ſein, Vatzr,“ ſagte Rembrandt etwas
Kundſchaft, deren er ſich erfreute, verſchaffte ihm ein anſehnliches Vermögen, und die Lage ſeiner Mühle den Beinamen van Ryn, der auch von dem Sohne geführt wurde. Dieſer ſollte Humaniora ſtudiren, weil der Vater eine ganz beſondere Begabung zu den Wiſſen⸗ ſchaften an ihm zu verſpüren glaubte. Die Vokabeln⸗ und Phraſenhefte des Sohnes waren jedoch ſehr ſchlecht beſtellt, deſto ausgezeichneter aber die fe und Kar⸗ rikaturen, mit welchen ſie, zum Aerger der Lehrer, ver⸗ ziert wurden. Der junge Rembrandt hatte nur für das Zeichnen und Malen Sinn, und fand ſo wenig an den Wiſſenſchaften, als an dem Gewerbe des Va⸗ ters Geſchmack. Dieſer gab endlich nach und ſagte: „Wenn man nichts Rechtes aus dem Jungen machen kann, ſo mag er denn ein Maler werden.“ Er brachte ihn zu einem Meiſter, der dem Sohne jedoch nur wenig zuſagte. Er blieb bei keinem lange und arbei⸗ tete in einem Zeitraume von drei Jahren in den Werk⸗ ſtätten Georg van Schootens, F. Pinas, Houbrackens, Jakob van Swanenbourgs, und Peter Laſtmanns. Der
letztere, bei dem er ſechs Monate blieb, wirkte vielleicht
auf ihn am entſchiedenſten; indeſſen ſagte keiner dieſer Meiſter ſeiner Eigenthümlichkeit zu. Er verließ end⸗ lich die Stadt, ſchlug ſeine Werkſtätte in des Vaters Mühle auf, und malte unverdroſſen darauf los. Die ſchönſten wie die häßlichſten Objekte, die ihm in den Weg kamen, Alles mußte gemalt werdeu. Es ſammelte ſich eine große Anzahl von Malereien in der Mühle an, von deren bedeutendem Werthe der junge Künſtler nicht die leiſeſte Ahnung hatte, und die lediglich ſeinem Drange zum Schaffen ihre Entſtehung verdankten. Auf den Rath eines Freundes bot er eines ſeiner Bilder einem Kenner im Haag zum Kaufe an, und war nicht wenig erſtaunt, als ihm dieſer 100 Gulden dafür be⸗ zahlte. Rembrandt war außer ſich über ſeinen Reich⸗ thum, und eilte, denſelben in der Mühle zu zeigen. Obſchon ihm dieſer Erfolg zu Hanſe einige Anerken⸗ nung verſchaffte, rechnete ihm dennoch lachend der Va⸗ ter vor, welche Summe er bisher als Müller oder auch nur als Knecht mit dem Eſel verdient haben könnte.
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