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ganzen Jahres!— Allein was hülfe aller Fleiß der Neger, was all' ihre Behendigkeit und ihr Unbeküm⸗ mertſein gegen den Eckel, wenn der Feind einmal über⸗ hand genommen hat? Sie könnten unmöglich Herr über ihn werden, wenn ſie nicht„Verbündete“ anhielten, die beſſer im Feld und tapferer in der Vertilgung ſind, als Menſchenhände. Dieſe Verbündeten ſind— Enten und Truthühner. Die Enten ſind von Natur be— ſondere Liebhaber des Tabakwurmes; ſie verzehren ihn als einen Leckerbiſſen; aber leider kann man dieſer „Schwimmvögel“ nur da viele halten, wo Waſſer— ein Fluß oder ein See— in der nächſten Nähe iſt. Ueberdies verzehren ſie nur»con amore« und laſſen ſich nicht zu„weiterem Verſpeiſen“ bringen, als der Appetit verlangt. Somit iſt es nicht möglich, durch ſie allein des Wurmes Herr zu werden, ſondern ſie können nur mithelfen. Etwas ganz Anderes iſt es mit den Turkeys oder Truthühnern, denn von dieſen frißt ein Einziger täglich ſo viel, als fünf Männer mit allem Fleiße vertilgen können. Nur, leider, lieben die Truthühner die Heuſchrecken weit mehr und haben eine Art Horror vor dem eckelhaften Tabakswurm, ſo daß ſie nur„gezwungen“ an die Arbeit gehen. Man weiß aber, wie man ſie zwingen kann. Zu dieſem Behufe ſperrt man ſie bei Nacht in einen großen Hühnerſtall, wo ihrer zweihundert und mehr Platz haben. Im Stall müſſen Stangen errichtet werden, damit die Hühner bequem aufſitzen und ruhen können, denn wenn dies nicht geſchieht, ſo ſind ſie den andern Tag zu aller „Arbeit“ untauglich. Morgens in aller Frühe treibt man dieſelben nüchtern in’s Tabaksfeld, muß aber große Acht haben, daß ſie nicht ausbrechen und dem Walde oder Maisfelde zueilen. Sind ſie aber einmal im Tabaksfeld(wo ſie ebenfalls bewacht und vor dem Ausbrechen gehütet werden müſſen), ſo treibt ſie der Heißhunger zur Jagd auf die Würmer. Würde man ihnen auch nur ein Körnchen Mais vorher zulaſſen, ſo würden ſie nicht anbeißen, aber nunmehr— hat man wahrhaftig gar keinen Begriff davon, welche Ver⸗ wüſtung dieſe Thiere unter den Würmern anrichten! Sie freſſen und freſſen, bis ſie nicht mehr können; ja bis oben hinauf iſt ihr Schlund mit Würmern ange⸗ füllt! Man ſtaunt, welch' Ungeheures eine Heerde von zweihundert Hühnern ausrichten kann! Nun, wenn ſie voll ſind, treibt man ſie in's Hühnerhaus zurück und verſieht ſie zur Genüge mit Waſſer und Mais. Wäre man mit letzterem zu geizig, ſo würden die Turkeys bald matt und elend, ſie würden kränklich und ſchwind⸗ ſüchtig dahin ſiechen, denn die Würmer allein ſind nicht nahrhaft genug; im Gegentheil, ſie führen ab und ſchwächen den Körper; der Mais aber, mit vielem Waſſer verbunden, ſtärkt den Magen wieder, daß die Thiere den andern Tag, wenn ſie die Nacht durch gut geſchlafen haben und der Hunger von Neuem erwacht iſt, mit voller Kraft wieder an die„Arbeit“ gehen können. So fährt man oft vierzehn Tage und länger fort, bis die Würmer alle vertilgt ſind, und man hält deßwegen auf jeder Tabakspflanzung eine große Heerde Truthühner. Die Neger haben dann nichts zu thun, als nachzuhelfen, und die Würmer noch zu vertilgen, welche die zweibeinigen Genoſſen in der Eile übergan⸗ gen haben.
Vom Auguſt gejätet zu werden,
an braucht kein Unkraut mehr aus⸗ denn die Pflanzen ſind dann ſo weit
erſtarkt, daß ſie alle anderen Gewächſe abtreiben und
tödten. Alles Gras erſtirbt rings herum, denn der Tabak dehnt ſich ſo aus und die Blätter werden ſo breit, daß ſie keinem anderen Kraute Licht und Wärme zukommen laſſen. Man bricht nun die Spitzen ab, damit ſich keine Samenkapſeln bilden, ſondern alle Kraft ſich den Blättern mittheilt, und gleich darauf geht es an die Tabaksernte. Im Auguſt nämlich fängt der Tabak zu reifen an, aber ganz ungleich. Etliche Blätter ſind ſchon Anfangs Auguſt zu brauchen, die meiſten aber erſt Mitte September. Je nachdem ſie zeitigen, ſchneidet man ſie ab, läßt ſie aber eine Zeit lang am Boden liegen, daß ſie dörren. Dann nimmt man jedes einzelne Blatt und ſchlitzt die Stengel auf, um das Trocknen der Blätter noch mehr zu erleichtern. Zuletzt bringt man ſie in's ſogenannte Trockenhaus und hängt ſie daſelbſt auf, um ihnen Gelegenheit zum förmlichen Austrocknen zu geben. Den Schluß der Arbeit bildet das Zuſammenbinden in Ballen oder Bündel, in welcher Geſtalt ſie zum Verkaufe kommen. Die letzten Blätter werden längſtens Anfangs Novem⸗ ber eingeheimst, denn die Nachtthaue oder gar vollends frühe Fröſte ſchaden ihnen ungemein. Im Dezember, längſtens im Januar wird der Tabak an die Conſu⸗ menten verſandt und dem Verkauf übergeben.
Der Tabaksbau mergelt den Boden ungemein aus. Dieſer beſteht in Virginien(wie auch in Maryland und Kentucky) aus einem röthlichen, mit Sand ver⸗ miſchten Lehm und war anfangs ſehr fruchtbar. Allein ſeit mehr als faſt einem Jahrhundert wurden ihm Jahr aus Jahr ein dieſelben Laſten zugemuthet; ſeit mehr als fünfzig Jahren wurde auf dieſem Boden nichts als Tabak gepflanzt, ohne daß je auch nur eine Fuhre Dünger auf ihn geworfen worden wäre, ohne daß man ihm auch nur ein Jahr lang Ruhe gegönnt hätte! So kam es denn ganz natürlich, daß in manchen Gegenden die Ertragsfähigkeit des Landes endlich aufhörte. Die Erde wurde magerer und mage⸗ rer und erzeugte endlich faſt lediglich nichts mehr; ſie wurde ſomit da und dort des Anbaues immer weniger werth, denn alle Kraft war erſchöpft. Natürlich konn⸗ ten am Ende ſolche Gegenden nicht mehr bebaut wer⸗ den, man mußte ſie verlaſſen! Sobald man aber den— Boden ſich ſelbſt überließ(weil das Riedgras, das ſich auf allem erſchöpften Lande in Maſſe einſtellt, nicht mehr zu bewältigen war), ſo bedeckte er ſich in einer unglaublich kurzen Zeit mit einem ungeheuren Dickicht von jungen Rothcedern, welche ihn bald in eine totale Wildniß umwandelten. Oft und viel findet man da⸗ her derlei Cedern⸗Dickichte in Virginien, die ſich auf drei bis vier Meilen weit erſtrecken, und inmitten der⸗ ſelben liegen vielleicht die Ruinen verlaſſener Herren⸗ häuſer, die dem langſamen Verfall und Untergang ge⸗ weiht ſind.„Ohne Fenſter und Thüren“ erinnern ſie nur noch durch ihre Schornſteine an das ehemalige Leben, das darin herrſchte! Wären ihre Eigenthümer Bauern— ſtatt Plantagenbeſitzer— geweſen, die mit einigen Knechten das Land ſelbſt kultivirt hätten, ſtatt eine Horde Sklaven und einen Ovaſur zu halten; hätten ſie das Land in kleine Parzellen eingetheilt ge⸗ habt, und nebenbei Viehzucht getrieben, wodurch eine ordentliche Düngung möglich geworden wäre, der Bo⸗ den wäre ohne Zweifel jetzt noch ſo ertragsfähig, als im Anfang. So ſtraft ſich das Unrecht immer von ſelbſt und noch mehr der Unverſtand!— Allein mit den„bereits eingegangenen“ Tabaksplantagen hat das
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