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Eine Tabakspffanzung in Virginien.
Eine Tabaksplantage nimmt einen Raum von 500 bis 2000 Acres ein. Sie meiſten betragen über 500 und unter 1000 Acres, und die Zahl der darauf gehaltenen Sklaven hält die Mitte zwiſchen fünfzig und V hundert.
Die Art und Weiſe, wie eine Tabaksplantage be⸗ trieben wird, iſt überall die gleiche, und eine kurze Schilderung wird den Leſern einen Begriff davon geben. V
Zu allererſt muß ein Tabaksbeet für die Sa⸗ menpflanzen hergerichtet werden. Zu dieſem Ende V nimmt man am beſten ein Stück„unkultivirtes“ Feld von vier bis fünf Acres und klärt es. Es gibt näm-⸗ lich im ganzen Süden keine Gegend, wo nicht noch des V unbebauten Landes ein gut Theil zu haben wäre; die⸗ ſes aber hat den beſten und fruchtbarſten Boden, weil V es noch durch keine Pflanzung ausgeſogen iſt. Das V Klären aber beſteht nicht blos darin, daß man die Bäume und das Geſträuch umhaut, wie man es zum Ackerbau thut, ſondern es müſſen auch die Wurzeln ausgegraben und das Land überhaupt ſo hergerichtet werden, als wenn man den feinſten Garten anlegen wollte. Iſt man nun im Februar mit dieſer Klärung fertig geworden, ſo pflügt man das Land, zündet dann das gehauene Holz mitſammt den ausgegrabenen Wur⸗ zeln an und verbrennt Alles total zu Aſche. Dieſe zerſtreut man über das ganze Feld, ſo daß die Ge⸗ ſammtfläche mit einer dicken Lege Aſche bedeckt iſt. Nun pflügt man das Land abermals und entfernt jeden Knollen und jede Unebenheit. Anfangs März ſäet man die vier oder fünf Acres mit Tabakſamen ein, und zwar ziemlich dicht. Ende März oder Anfangs April keimen die Pflänzchen. Dann bedeckt man Alles mit einer dichten Lege von Cedern⸗ oder Fichten⸗Rei⸗ ſach, um die zarten Pflanzen gegen einen etwaigen Froſt zu ſchützen. An warmen Tagen deckt man die Pflanzung auf und jätet alles Gras und Unkraut ſorg⸗ fältig aus; Nachts aber wird die ſchützende Decke wie⸗ der darüber gebreitet, denn die Pflanzen ſind außer⸗ ordentlich empfindlich. Ende April oder Anfangs Mai ſind ſie jedoch bereits ſtark genug, um in's große
Tabaksfeld verſetzt oder verpflanzt zu werden.
Das Tabaksfeld beträgt von vierhundert bis achthundert Morgen, und befindet ſich an einem un⸗ unterbrochenen Stücke. Gepflügt wird es im März, und dann noch einmal im April, um den Boden ſo locker als möglich zu machen. Ende April theilt man das ganze ungeheure Feld in kleine Vierecke, um welche tiefe Furchen gezogen werden, ſo daß die„viereckigen Würfel“ gleichſam erhöht liegen. Jedes Viereck iſt etwa vier Fuß von dem andern entfernt. Ende April oder Anfangs Mai treten in Virginien(dem Haupt⸗ tabakslande) und Maryland gewöhnlich warme Regen ein, und nun eilt Alles, was Hände hat, d. h. die alten und jungen, die weiblichen und männlichen Skla⸗ ven, um Pflanzen aus dem Tabaksbeete zu holen und in's Tabaksfeld zu verſetzen. Natürlich geſchieht dies in einer angemeſſenen Ordnung. Der Oberaufſeher theilt die Sklaven in Rotten ein, und über jede Rotte wird ein bewährter, älterer Leibeigener als„Vormann“ geſetzt. Jeder Rotte wird auch ein beſtimmtes Quan⸗
daß man immer, auch
tum Quadrate zugetheilt und der„Rottenmeiſter“ ver⸗
theilt wieder die Quadrate an die Einzelnen.— Läßt
der Regen nach, ſo muß man auch mit dem„Ver⸗ ſetzen“ nachlaſſen, denn bei trockener Witterung wach⸗ ſen die Pflänzchen nicht an, ſondern ſterben ab, ſo bei der größten Sorgfalt, eine Menge Pflanzen nachſetzen muß. Sobald der Himmel ſich wieder umwölkt und abermals Regen in Ausſicht ſteht, geht's ſo ſchnell als möglich wieder an's Ver⸗ ſetzen, denn wenn„friſchgeſetzte“ Pflänzchen beregnet werden, ſo darf man feſt darauf zählen, daß ſie ge⸗ deihen. Am allerſchädlichſten wirkt ein jäher Sonnen⸗ ſchein auf die friſchen Setzlinge ein. Natürlich kann man ſich denken, daß unter dieſen Umſtänden bei Regen⸗ wetter von Morgens in aller Frühe bis ſpät in die Nacht hinein gearbeitet werden muß, denn Gott läßt nicht alle Tage regnen. Auf die Bequemlichkeit der Sklaven kann alſo in dieſer Jahreszeit keine Rückſicht genommen werden. Hier heißt's:„Arbeiten“ und zwar „ununterbrochen fort arbeiten“. Sind ja doch ſo fünf⸗ bis ſechshundert Acres Landes nicht in einem und auch nicht in zwei Tagen mit Pflanzen bedeckt! Dazu braucht's Zeit, Mühe und Sorgfalt.
Doch endlich iſt das ganze Feld beſtellt und ſogar die ausgegangenen Pflänzchen ſind alle nachgeſetzt. Friſch und fröhlich gedeiht der Tabak und ſchießt in die Höhe und Breite; allein nun beginnt erſt das Hauptgeſchäft, denn jetzt handelt es ſich darum, die Pflanzung rein von Unkraut zu erhalten. Von Tag zu Tag werden die„Hände alle“ in's Feld geſandt, um die wuchern⸗ den Gräſer und Schlingpflanzen zu entfernen. Mit Hacke und Hand wird gearbeitet, denn jede Unkraut⸗ pflanze entzieht der Tabakspflanze den nöthigen Saft, das nöthige Licht, die nöthige Wärme. Alllein nicht blos das Unkraut iſt zu fürchten, ſondern ein noch viel mächtigerer Feind erwächst dem Tabak und droht, ihn gänzlich zu vernichten, wenn man ihm nicht kühn und mit Aufwendung aller Kräfte entgentritt. Dieſer neue und größte Feind des Tabaks iſt der Tabaks⸗ wurm, ein grundeckelhaftes Geſchöpf. Dieſer Wurm erreicht, wenn ausgewachſen, die Größe und Dicke eines Mannsdaumens. Er ſieht hellgrün aus, hat aber eine ganze Reihe von dunkeln Ringen oder Kreiſen um den Leib, welche ihm ein ſchlangenhaftes Anſehen geben. Der Wurm pflanzt ſich in unendlicher Progreſſion fort und frißt außerordentlich viel, ſo daß er, einmal in einem Tabaksfelde einheimiſch, eine ganze Pflanzung in wenigen Wochen total vernichten würde, wenn nicht alle Mittel zu ſeiner Vertilgung aufgeboten würden. Oft findet man ihn ſchon im Tabaksbeete, meiſt aber tritt er erſt verheerend auf, wenn die Pflanzen in vol⸗ ler Ueppigkeit erſtarkt dem Blühen nahe ſind. Nun werden natürlich, ſobald man die Gewißheit ſeines Vorhandenſeins entdeckt hat, alle Nigger in's Feld ge⸗ ſandt, um ihn zu tödten. Jede einzelne Pflanze wird einzeln unterſucht, und wo nur unter einem Blatte das widrige Geſchöpf ſich eingeniſtet hat, wird es ergriffen und getödtet. Es iſt ein mühſam Geſchäft und ein mehr als widriges dazu, aber— was ſein muß,
muß ſein, denn es handelt ſich um den Ertrag eines


