Teil eines Werkes 
Band 2
Seite
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irchlein gar hell geſchimmert, und die Wellen des

Bachs haben ſo blank und klar geglänzt, ſo daß ich gar nicht neben den Steg treten gekonnt. Und Alles

nim Gebüſch war hell und ſchien ſo blau und klar, als

wäre jeder Stein ein lichter Leuchtwurm. Vor mir aber ſtand ein halbgroß Männlein, mit einer dunkeln Bergkutten und einer braunen Kaputzen, wie ſie die Bergleute in den Salzwerken tragen, gar bartig und ſtotzig, das hat mich freundlich angeblickt, und rings aus allen Büſcheln haben ſie herausgeſchaut, ſo neu⸗ gierig, als hätten ſie ihr leblang kein ſolch' Diernlein geſehen. Alle Glieder ſind mir wie Blei geworden, und der Athem hat mir gar ſtillſtehen wollen vor pein⸗ licher Angſt. Da grad vor mir hat der Eine ſich auf einen Baumſtamm geſtützt, der nickt mir zu und flüſtert

ihre Geſundheit zerſtört hatte. Alle Zeichen einer raſch

ſich entwickelnden Schwindſucht waren unabweislich und

traten täglich deutlicher hervor, bis die ſcharf umſchrie⸗ benen rothen Flecken auf den Wangen auch jeden Zwei⸗

fel zurückwieſen.

Der hohle Huſten ward täglich quä⸗ lender, und durch den eifrigen Gebrauch des gewaltigen

Mittels immer martender, bis an einem kalten Herbſt⸗ morgen ſie bleich und ſtarr auf ihrem Lager gefunden

Thereſe wollte,

ward. die letzte Ehre erzeigen,

auf der Alm

den See hinunter geſtürzt, entſtellte Leiche an's Ufer ſpülte. liche erklärte ſie für eine

wie ſie ſagte, der Freundin und die Leiche im Sarg noch mit herbſtlichen Aſtern ſchmücken. Sie kehrte nicht zurück; vom ſteilen Felshang war ſie in der am dritten Tage die Der ſtrenge Geiſt⸗ Selbſtmörderin, und verſagte ihr ein ehrliches Begräbniß. Von da an iſt mein

leis, ‚komm, ſprich ein andächtigVaterunſer für

alle verunglückten Bergleut hier im Berg!' Das hab ich gern und herzlich gethan, da iſt wir's wieder leicht und friſch geworden; dicht dabei lag auch mein Lamm, und iſt mir freudig und ohne Mühe gefolgt, bis zu Haus, die Mannlein aber waren verſchwunden, ſammt aller Angſt, die mich gedrückt hat.

Aber was iſt mit den beiden Sennerinnen gewor⸗ den, frug ich weiter,Eurer Schweſter und der ſtol⸗ zen Apollonia?

Die Alte ſchwieg plötzlich, und der Ausdruck tie⸗ fen Schmerzes zog durch die Falten ihres runzligen Geſichtes. Endlich ſchien ſie ſich aufzuraffen.Fran⸗ zens Verlobte, flüſterte ſie,ward eine Zeit lang tief⸗ ſinnig, als ſie ſelbſt bemerken mußte, daß der Hidrach

Bruder Franz tiefſinnig geworden, und iſt es bis zu dieſer Stunde geblieben.

Als ich auf der Rückreiſe wieder durch die Haide reiste, gewann ich ſo viel Zeit, nach dem alten Irren zu ſehen; er war geſtorben. Seine Schweſter empfand die Qual des Alleinſtehens noch weit lebhafter, als zuvor, und noch herber bereute ſie es, ihrem Manne

beim Bau der Eiſenbahn in dieſe Oede gefolgt zu ſein. WVie ihr unſeliger Bruder, hatte ſie ſich gleichfalls an das Fenſter geſetzt, durch welches ſie in die fernen Berge ſehen konnte.

Wem meiner Leſer die Gewohnheit jener Berge, Jahre lang Arſenik zu nehmen, zweifelhaft erſcheint, der wolleBibra, die narkotiſchen Genußmittel und der Menſch, oder Tſchudi's bekanntes Werk nachleſen.

Schmidt.

Feierſtunden. 1863.

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