Elend ſeinen Höhepunkt noch nicht erreicht, denn es gibt noch eine Menge von Plantagen, die zwar für jetzt nicht aufgehört haben, zu beſtehen, aber früher oder ſpäter ebenfalls dem Untergange geweiht ſind. Ihre Beſitzer ſind zu unerfahren in der Landwirthſchaft, um auf einmal den althergebrachten Schlendrian mit der Sklavenbewirthſchaftung„als große Plantage“ über den Haufen zu werfen; ſie ſind auch zu ſtolz, um das Leben ihrer Großeltern aufzugeben, und ſo gleichen ſie in ihren zerfallenden Herrenhäuſern und mit ihren nack⸗ ten, ausgehungerten, ſchwarzen Leibeigenen den armen Rittern Deutſchlands, die auf ihren geborſtenen Bur⸗ gen lange forthausten, Nachteulen ähnlich, die in Rui⸗ nen horſten, und einen äußeren Glanz erheuchelnd, der über ein Bettlergewand geworfen war!
Die Arbeit auf„ertragsfähigen“ Tabakspflanzun⸗ gen iſt nicht ſehr hart. Allerdings gibt es vom Mai bis Ende September ſehr viel zu thun; allein wenn der Tabak einmal eingeheimst iſt, ſo tritt eine Zeit der verhältnißmäßigen Ruhe ein. Es gibt den Win⸗ ter über nur wenig zu thun, als Holz zu fällen, die Einfriedigungen(Fenzen) zu verbeſſern, Land zu klä⸗
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ren und das Feld zu pflügen, aber— Alles mit Muße
und Bequemlichkeeit. Die Sklaven auf Tabakspflan⸗ zungen ſind daher verhältnißmäßig ſehr gut daran, beſonders wenn die Pflanzung noch in gutem Stande iſt, denn dann wird immer ein guter Theil des Lan⸗ des zum Maisanpflanzen verwandt, und die Neger haben alſo im Vollauf zu eſſen, weil man das Welſchkorn, die Hauptſpeiſe der Schwarzen, ſelbſt erzeugt.
Im Allgemeinen kann man ſagen, daß die In⸗ haber der Tabaksplantagen unter diejenigen gehören, welche am meiſten auf Bildung Anſpruch machen kön⸗ nen. Sie behandeln daher ihre„Unterthanen“ auch meiſt gut. Nur verſchwindet ihr Reichthum immer mehr, und das Tabakbauen flüchtet ſich von Jahr zu Jahr weiter nördlich in die Gegenden, wo der Weiße das Feld bebaut und durch ſeine Sorgfalt und ſeinen Fleiß den Abgang des milderen Klima's und der wär⸗ mer glühenden Sonne erſetzt. In einigen Jahrzehn⸗ ten vielleicht wird auch in Virginien das Land von „Weißen“ bebaut und die Strecken, welche jetzt als Wildniß der rothen Ceder überlaſſen ſind, werden von Neuem kultivirt, aber dann auch durch richtige Bewirth⸗ ſchaftung der Kultur erhalten werden.
Dr. Gr.
Cluſe in
Das kleine gewerbfleißige Städtchen Cluſe an der Arve, in einer reizenden Gegend, ziemlich genau in der Mitte zwiſchen Genf und dem Montblanc, zwiſchen Annecy und St. Maurice am Rhonefluß gelegen, bildet eine der angenehmſten Mittelpunkte für Touriſten', zu Ausflügen nach allen Theilen des nördlichen Savoyens, und iſt in dieſer Beziehung allen denen als Stations⸗ oder Ausgangsort anzuempfehlen, die für längere Zeit ihren Aufenthalt in Chablais, Faucigny oder Genevais zu nehmen gedenken und die an maleriſchen Landſchafts⸗ bildern ſo reichen neuen Provinzen Frankreichs kennen lernen wollen.— Obwohl nur klein und nicht ganz 3000 Einwohner zählend, welche größtentheils Uhr⸗ macherei betreiben, die früher durch Errichtung einer königl. Uhrmacherſchule weſentlich unterſtützt wurde, bietet Cluſe für längeren Aufenthalt hinlängliche und billige Unterkunft, und die nächſte Umgebung des, trotz der Nähe des Montblanc, nur in 1512 Fuß Höhe liegenden Städtchens eine Menge ſehenswerther Punkte, die nicht nur für Maler und Zeichner Gele⸗ genheit zu intereſſanten Studien liefern, ſondern auch als Naturmerkwürdigkeiten die Aufmerkſamkeit forſchen⸗ der Mineralogen auf ſich zu ziehen wiſſen. Wir nen⸗ nen unter dieſen die bewundernswürdige Grotte von Balme(Grotta di Balme), unweit des Städtchens, die innen ganz mit Stalaktiten bedeckt und 1600 Fuß lang iſt. Im 15. Jahrhundert war ſie in Ruf wegen der angeblichen Zaubereien, die dort einige Schwindler ausübten, denen ſie längere Zeit zum Aufenthalte diente; dann den reizenden Spaziergang nach dem Städtchen Sallanches, im Thale von Manglan, in deſſen Nähe gegen Norden, unfern der Arve, der ſchöne Waſſerfall Nant d'Arpenay über eine Höhe von
Saboyen.
* 800 Fuß herabſtürzt, und im Oſten von dieſem, auf der einen Seite, der berühmte Waſſerfall von Chede, deſſen Schönheit übrigens viel zu ſehr übertrieben wurde, und das durch ſeine Eiſenwerkſtätten wichtige Dorf
Servoz, auf der andern Seite das Dorf San Ger⸗
vaſio, welches durch ſeine Bäder immer mehr in Aufnahme kommt, und durch ſeine Lage in romanti⸗ ſcher Gegend, durch die Wirkſamkeit ſeiner Mineral⸗ waſſer und die Nachbarſchaft des Chamounythales jähr⸗ lich zahlreiche Geſellſchaften von Heilungſuchenden und Touriſten herbeizieht.— Reizend, wenn auch beſchwer⸗ lich, iſt eine Wanderung von Cluſe die Arve aufwärts nach dem Dorfe Chamouny, das in Mitten des be⸗ rühmten Thales, in 3144 Fuß Höhe gelegen, in ſei⸗ nen ſchönen und großen Gaſthöfen alle Bequemlichkei⸗ ten und erprobte Wegweiſer zur Beſteigung des Mont⸗ blanc und zum Beſuche der merkwürdigſten Lokalitäten des Thales bietet.— Mit Unrecht wird von faſt allen Geographen den Engländern Pocoke und Windham die Ehre zugeſchrieben, das Chamounythal entdeckt zu haben, während die beiden gelehrten Reiſenden in Wahr⸗ heit nur die erſten Touriſten waren, welche in das Thal gelangten, und gleichſam die Straße eröffneten, durch welche ihre Nachfolger von da an aus allen Gegenden der civiliſirten Welt herbeiſtrömten, um einen
Winkel des Erdballs zu bewundern, in welchem die
Natur in ihrer ganzen Größe die erhabenſten Scenen der Alpenregionen zu zeigen ſich bemühte. Lange
vor den beiden Reiſenden war das Chamounythal be⸗
kannt, und um mehr als ein Jahrhundert früher be⸗ reits war es der Schauplatz der philantropiſchen und religiöſen Thätigkeit des nach ſeinem Tode heilig ge⸗ ſprochenen Grafen Franz von Sales, des edelſten,
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