Teil eines Werkes 
Band 2
Seite
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Gift. m 2 gen färbten ſich, die erſchlafften

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wieder, und nur mit einander ſah man Apollonia und Thereſe zu Berg ſteigen.(Siehe Bild S. 357.) Die Burſche, die die Freundinnen verſpottet hatten, wurden bitter von ihnen täglich verhöhnt, und Alle zogen ſich von den Gefürchteten zurück, deun das Gerücht ging rings um den See, ſie ſeien ſelbſt Unholden, und die Vertrauten der Ettaler Männlein.

So war der Frühling wiedergekehrt, ohne daß etwas Beſonderes bei den Bekannten vorgefallen war. Hatten

ver zu nehmen, verbracht, ſo waren die daran Gewöhn⸗

Bald war das Fieber verſchwunden, ihre Wan⸗- Glieder rundeten ſich

ſie eine Zeit lang, ohne das weiße Pul⸗

ten freilich müde und ſchlaff, doch nur etwa auf einige

Wochen, dann empfanden ſie auch dieſe Unbequemlich⸗ keit nicht mehr, bis ſie eine größere Anſtrengung ihren Gliedern zumutheten, und dann ſich gezwungen fühlten, wieder eine Portion zu nehmen, welche ſie dann wie⸗ der leicht oder, wie ſie ſagten, lüftig: machte. Da hauchte, nur leiſe zuerſt, doch ſtets kräftiger, der Föhn über die Berge, daß jeder erfahrene Senn ſein Vieh. zuſammentrieb und es gegen das nahende Unwetter zu ſchirmen ſuchte. So hatte auch die Apollonia gethan, und, um dem lähmenden Wind widerſtehen zu können, eine tüchtige Portion von ihrem Pulver genommen. Da, hinter einem Fels zuſammen geſunken, fand ſie einen jungen Mann, der vom Föhn gelähmt nicht wei⸗

ter zu gehen vermochte. Sie reichte ihm die kleine

Korbflaſche mit belebenden Enzian, und bald vermochte der Fremde ihr bis in die Sennhütte zu folgen, wo

ſie ihm einen Schmarrn bot. Der Sturm brach bald los;

rieſen unten am Bergeshang ächzten und krachten, die

s ſei gar ein böſes, tückiſches Verkauf in ſeinem Vaterlande deſſen Beſitz im Nordlande

dächtig zu machen. Gift, ſagte er, deſſen ſchwer verboten ſei, ja, beſtraft werde.

Das Alles iſt auch ihm das Mädchen, ‚und

bei uns der Fall, verſicherte der Beſitz im Hauſe, noch mehr aber der Gebrauch, werden ſtreng geheim gehal⸗ ten. Freilich nicht, meinte ſie, ‚wegen des Giftes, welches dabei ſein ſoll, ſondern wegen der Geiſter, die dadurch erzürnt werden. Ich weiß, daß ihr da drau⸗ ßen daran nicht glaubt, das kömmt aber daher, weil ihr nicht den rechten Glauben in eurem Lande habt.

Der Fremde ſchwieg, weil er ſah, daß Alles, was er ſagte, in den Wind geredet war. Noch einmal, ehe er am Morgen von ihr ſchied, ermahnte er ſie, den entſetzlichen Gebrauch des Giftes zu laſſen; ſie ward aber nur zornig über ſeine Warnung. Ihr könnt es freilich nicht nehmen,' ſchalt ſie, zweil ihr keinen Schutz von den Heiligen habt, denen ihr euch nicht gläubig nahet, und ſo müßt ihr auch die kräftigſten Mittel, die ſie geben, entbehren.:

Von der Zeit an bemerkten Alle in unſerer Fa⸗ milie, daß in der Bruſt des ſtarken Mädchens ein wil⸗ der Trotz walte, der ſie antrieb, mehr und mehr das unheimliche Mittel anzuwenden, und auch die Thereſe anzutreiben, es ihr nachzuthun. Daß ihr Mittel, wel⸗ ches die Drei anwendeten, wirklich ein ſtarkes und all⸗

bekanntes Gift ſei, glaubten weder die Mädchen noch

bereitete und erquickende Milch die alten Wald⸗

Tannen und Eiben ſausten dumpf, die Firnen rollten

in ſchmetterndem Lärmen thalab, und die Waſſerſtürze des Gebirges brüllten, Lahnen Sennerin in und ſie heimlich froh war, daß der Nachtlager im Heuſtadel gebeten hatte. Das Feuer auf dem Herd hatte ſie ausgelöſcht, wie es beim Föhn der Brauch iſt, und hatte ſich beim Kreiſter bang zu⸗ ſammengedrückt. Auch der Fremde, ein Meklen⸗ burger, hatte die Nähe des Herdes geſucht, und ſaß auf dem Melkſchemel. Apollonia betete leiſe alte, all bekannte Verſe, die ſchon von den Großeltern hier in den Bergen beim Sturm gebetet worden waren, und von denen der Fremde nur einzelne abgeriſſene Worte

verſtand, bis doch endlich ein leiſes, banges Geſpräch fallen und im Schnee verloren gegangen. Einige Tage

in abgebrochenen Worten in Gang kam.

Wer dich heute Nachmittag über die Felſen dort oben ſpringen ſah, meinte der Nordländer,der ſollte es nicht glauben, daß der Wind dich ſo müde und kraftlos machen konnte.

Mag ſein, erwiederte das bange Mädchen, aber zuerſt hatte ich Angſt für mein Vieh, und dann hatte ich michlüftig gemacht, und da wird man nicht müd, dauert wohl mit drei Andern aus.

Begreiflich frug dann der Wanderer, was dies ſei, und das erſchrockene Mädchen ſagte ihm Alles, was ſie ſelbſt wußte; daß man ein ganz klein wenig von einem weißen, ſchweren Pulver nehmen müſſe, aber dann auch nicht mehr davon laſſen dürfe; ja, ſie zeigte ihm ihren Vorrath von dem Hexenpulver. Ihr Gaſt erſchrak, und verſuchte der Dirne das Zaubermittel ver⸗

vom ſchmelzenden Schnee der geſchwellt, daß es ſogar der berggewohnten der ſicheren Hütte zu grauſen begann, Fremde ſie um ein

ſeinem Lieblinge, gab

mein unglücklicher Bruder dort, und mit dem Haß, den ſie gegen die Verfolger ihres zauberkräftigen Mit⸗ tels nährten, ſtieg ihre abergläubiſche Achtung davor.

Zu dieſer Zeit kam der Vater krank nach Hauſe. Er hatte ſehr kurzen Athem, ſo daß er nur mit ban⸗ ger Mühe ſein Häuschen erreichte; die Füße bis über die Kniee waren dick geſchwollen, er war bleich, wie eine Leiche, und kalt, wie von Stein gehauen. Wo man ihn anrührte, blieben die Vertiefungen wie in Letten eingedrückt ſtehen, indeß die Augen wie glaſig und abgeſtorben ſich kaum in den Höhlen bewegten. Herr, es war ein ſchauriger Anblick, den ich in mei⸗ nem Leben nicht vergeſſen werde. Wir Kinder fru⸗ gen ihn begreiflich, was mit ihm vorgegangen ſei, daß er in dieſen hilfloſen Zuſtand gerathen ſei, und mir, er endlich Antwort. ‚Ich war, erzählte er, hoch am Semilaun, in einer ein⸗ ſamen, verlaſſenen Sennhütte eingeſchneit. Brod und geräuchertes Fleiſch hatte ich noch auf mehrere Tage, aber mein Hörnchen mit dem Hidrach ſo nennen die damit Bekannten das weiße Pulver war mir ent⸗

ertrug er wohl dieſen Mangel; aber ſchon ſeit Jahren war er gewöhnt, alle drei bis vier Tage eine Erbſe groß zu nehmen, und das plötzliche Entbehren dieſes

Mittels, an das er ſeine Kraft gebunden glaubte,

warf ihn in dieſen Zuſtand von Ohnmacht und Hilf⸗ loſigkeit.

Bald erkannten wir alle drei Kinder, daß der Zuſtand des Vaters ein rettungsloſer ſei. Die Mäd⸗ chen wurden von der Alm heimgerufen, und zuletzt kam auch noch der Franz, etwa eine Stunde vor dem bewußtloſen Hinſcheiden ſeines Vaters. Er klagte nicht, und ohne jeden Laut ertrug er ſeinen Schmerz um den Vater, der ſein tiefſtes Herz, wie wir wohl wußten, erfüllte. Aber auch die Mädchen, Apollonia wie The⸗ reſe, ertrugen den Tod des Vaters lautlos und ohne