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ſeine Höhlen gräbt, und auf unzugänglichem Felſen der Adler und Lämmergeyer horſtet, Alles im Auge gehabt. Seine Freude war es, im Herbſt ſeinen Gems⸗ bock zu erlegen, dem er auf ſchwindelndem Felsgrat lange gefolgt war, aber eben ſo genau wie die Gem⸗ ſen der Firn, hütete er auch die Hirſche des Forſtes und die Rehe ſeines Reviers. Die Gemſen waren frei für jeden beherzten und gewandten Schützen, alſo zuerſt auch für den alten Kranzner und ſeinen kecken Sohn, den Franz; das Thalwild gehörte dem hochwürdigen Abt von Bartholomä, der es den beiden Schützen an⸗ vertraut hatte und gewiß war, daß es von keinen treue⸗ ren Augen gehütet werden konnte. Wie der Franz neun⸗ zehn Jahre alt geweſen iſt, bin ich erſt geboren wor⸗ den, und noch im Wochenbett iſt die Mutter geſtorben.
Der Vater iſt von da an noch finſterer und einſilbiger
geworden; Tage lang ſtrich er in den Bergen umher,
und wo ſonſt kein Schütze vor ihm hingeſtiegen, da
ſah man ihn ſicheren Schrittes dahin gehen, furchtlos, wie auf ebener Bahn. Zu Haus ward er wenig ge⸗ ſehen, und meine ſechzehnjährige Schweſter Thereſe hatte allein den Haushalt zu beſorgen und mich, das arme Waischen, zu pflegen. So waren ſchon einige Jahre vergangen, und der Vater ward ſeinen Kindern und dem ganzen Haushalt ſtets entfremdeter; ſeine Heimath waren die ſteilſten Felshörner, die ſchwin⸗ delndſten Lahnen, wo er ungeſtört ſeinen finſtern Träu⸗ men nachhangen konnte, und dort in der ‚Scharton“ zwiſchen dem großen und kleinen Watzmann, am „Hocheis', am Hahnenlaub', wo der Fels ſenkrecht
in den unergründlich tiefen See wohl tauſend Fuß ab⸗ ſtürzt, da hat man den alten Menſchen hinwandeln ſehen aus der Ferne, daß es ein Graus geweſen iſt, vor dem alle Enziangräber und Waldhäuer ſich entſetzt haben. Nur ſelten einmal hat er einen Bock heimge⸗ bracht, und geſchah's, ſo war's einer, der zu Schaden gekommen war, wie er über die Graten verſprengt worden von einem Adler, dem das ſtarke Thier doch noch entkommen, oder ein Murmelthier, das ſich zu ſorglos vor ſeiner Röhre geſonnt. Und nicht allein die ſchwindelfreie Kühnheit, mit der er über die gefähr⸗ lichſten Stellen ſchritt, erregte die Verwunderung aller Kundigen, ſondern mehr noch, die ausdquernde Kraft, mit der der Siebenzigjährige allen Bergſchützen zuvor eilte und ſie weit zurückließ, wenn es lange Dauer⸗ märſche über Eis⸗ und Schneefelder galt. So war es denn um den ganzen See, bis weit hinaus in's Land allen Bergſchützen bekannt, daß der alte Kranzner es mit den Untersberger Mannilen habe, die ihm zauber⸗ hafte Kräfte gaben, und den Schwindel mit einer ge⸗
heimen Blume von ihn ſcheuchten, daß ſelbſt ſein ein⸗ ziger Sohn, der Franz, nicht mit ihm gehen durfte.
Da erfuhr man, daß der Franz zu einer Senne⸗ rin gehe, die unten am Gmundner See auf einem Hof diente, und gegen alle Burſchen weit herum gar ſtolz und hochmüthig that. Auch für den Franz war ſie lange Zeit ſehr ſpröde geweſen, bis er endlich Hand und Wort von ihr erlangt hatte. Nun war ihre Alm hoch am Berg gelegen, über den ſteilſten Felſen, die dort aus dem tiefen See aufſteigen. Wollte man zu der Sennhütte hinauf, ſo mußte man weit umgehen, hinter einem Bergzahn weg, der ſtolzig in den See vor überhing; der Franz aber kannte dort einen Fiſcher, der ihm am Montag und Freitag Abends ſeinen Kahn an einer verborgenen Stelle anlegte, von wo er den vorragenden Fels umſchiffen konnte, und dann gerade unter der Apollonia ihrer Alm ſtand. Ein lauter Juchſchrei hallte hinauf zu der Dirne, die dann ihm bis zu einem gewiſſen Platz entgegen kam, wo das Pärchen ungeſtört koſen durfte. Wenn dann die Spitze
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