Teil eines Werkes 
Band 2
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kräftige Männer feſt, damit es ihnen ja nicht ent ſchlüpfe, denn hieran iſt, wie wir gleich ſehen werden, außerordentlich viel gelegen. Noch einige Minuten und das Floß befindet ſich inmitten der Hippopotamusheerde, welche, die Gefahr nicht ahnend, nicht die geringſte Miene zum Entfliehen macht. Nun iſt der kritiſche Moment gekommen. Der Harpunier ſtreckt ſich zur vollſten Höhe empor; er ſchwingt die Harpune, und in der nächſten Sekunde fliegt das todbringende Eiſen mit nie fehlender Genauigkeit dem Flußpferde in die Seite, tief hinein bis in die Mitte des fetten Leibes!

Alſobald, wenn das Thier getroffen iſt, ſchlägt es wie raſend um ſich und taucht dann unter bis auf den Grund. Allein alle ſeine Anſtrengungen, die Harpune wieder los zu werden, ſind vergeblich. Die Waffe iſt allzu tief eingedrungen, und der ſtarke Widerhaken macht es, beſonders wegen der zolldicken Haut des Thieres, rein unmöglich, ſie auszuziehen. Inzwiſchen ſind in demſelben Augenblicke, in welchem die Harpune geworfen wurde, die etlichen kräftigen Männer, welche das Ende des am Harpunenſchafte befeſtigten Seils hielten, in ein zu dieſem Zwecke gleich von Anfang an flott gemachtes Boot geſprungen und in wüthendſter Eile an's Ufer gerudert, um das Seil dort um einen Baum oder irgend einen andern feſten Gegenſtand zu ſchlingen. Gelang ihnen dies noch im rechten Moment,

ehe das Flußpferd wieder auftaucht und ſich zur Flucht

wendet, ſo iſt die Jagd ſo gut als vorüber oder wenigſtens als gelungen zu betrachten, denn die Ge ſammtkraft der Jäger vereinigt ſich dann, um das Seil zu halten, bis das Ungethüm ſich verblutet hat und an's Ufer geſchafft werden kann. Waren jedoch die Ruderer nicht ſchnell genug und kamen zu ſpät an's Ufer, oder gelang es dem Hippopotamus aus einem andern Grunde, den Männern das Seil durch eine ſchnelle Bewegnng aus den Händen zu ſchnellen, dann muß die Erlegung des harpunirten Thieres auf eine andere Art vollendet werden. In dieſem Falle näm⸗ lich läßt man die ſämmtlichen zur Vorſorge mitgenom⸗ menen kleinen Boote ins Waſſer, und es ſpringen ſo viele Männer hinein, als darin Platz haben; Alle aber ſind mit Speeren oder Lanzen bewaffnet, von denen überdies eine große Menge in der Reſerve parat liegt. Nun geht's hinter dem fliehenden Ungethüm drein, und ſowie dieſes, nachdem es untergetaucht, wieder an die Oberfläche des Waſſers kommt, um Athem zu ſchö⸗ pfen, ſo wird es mit einem ganzen Hagel von Wurf⸗ ſpießen begrüßt, die faſt ohne Unterſchied ſeine Haut durchdringen und eine blutige Wunde hinterlaſſen. Na türlich taucht das Flußpferd ſogleich wieder unter, aber

in die Länge iſt es ihm unmöglich, unter dem Waſſer zu bleiben, und ſomit muß es abermals auf⸗ tauchen, aber nur um zum zweiten Male von einer Unmaſſe von Wurfſpießen durchbohrt zu werden. Ebenſo wird es auch nach dem dritten und vierten Untertau⸗ chen gehalten, denn die Bayeye laſſen nicht nach, bis das angebohrte Thier, durch Blutverluſt erſchöpft und mit Wunden überdeckt, vollſtändig in ihre Gewalt ge⸗ kommen iſt.

Freilich ohne Gefahr iſt eine ſolche Jagd nicht; denn nicht ſelten geht das verwundete Flußpferd in voller Wuth auf ſeine Verfolger los, und wenn es ihm gelingt, ihr Boot mit ſeinen enormen Fangzähnen zu

ergreifen oder mit ſeinem furchtbaren Rieſenkopfe einen

Schlag nach ihm zu thun, ſo iſt es um das Boot, wie auch nicht ſelten um die darin Sitzenden, wenn ſie ſich nicht noch vorher in's Waſſer werfen und durch Schwimmen retten, geſchehen; denn ein einziger Biß ſeiner immenſen Kinnbacken und der ſtärkſte Mann iſt in zwei Theile getheilt, ein einziger Schlag ſeines Körpers und der Geſchlagene iſt zu Brei zermalmt! Zum Glück jedoch ſind die Bayeye meiſt allzu geſchickte Ruderer, als daß ſie nicht dem Angriffe des Hippo⸗ potamus faſt immer zu entgehen wüßten, und ſo kom⸗ men verhältnißmäßig nur ſehr wenig Unglücksfälle vor.

Allein wenn es auch drei- und viermal ſo gefähr⸗ lich wäre, die Umwohner des Teogefluſſes würden doch in der Jagd des Flußpferdes nicht nachlaſſen, denn der Körper deſſelben bringt ihnen allzu viel Vor⸗ theile. Nicht blos nämlich iſt ſein Fleiſch die Zunge wird als Delikateſſe betrachtet ſehr gut und eßbar, beſſer und eßbarer als das der meiſten andern jagd⸗ baren Thiere; nicht blos iſt ſein Fett oder vielmehr ſein Speck ſo vortrefflich als der vortrefflichſte Schweine⸗ ſpeck und ähnelt ſogar nicht wenig unſerer Butter; nicht blos iſt ſeine Haut ein ſehr gewinnreicher Han⸗ delsartikel nach dem Cap(der guten Hoffnung), weil man Peitſchen, Leder und dergleichen daraus verfertigt; ſondern erheale noch ſind ſeine Fangzähne, deren es edem Kiefer zwei(und zwar von einer Länge von 1 bis zu 2 Fuß und. verhältnißmäßiger Dicke) beſitzt. Dieſe Zähne nämlich liefern ein Elfen⸗

bein, das dem vom Elephanten gewonnenen bei weitem

vorzuziehen iſt, denn es wird nimmermehr graulich oder gar gelblich, was bei dem letzteren hie und da vor⸗ kommt, ſondern bleibt durchaus ſchneeweiß. Nicht ſel⸗ ten zahlt man daher bei beſonders ſchönen Exemplaren bis zu einer Guinee(11 fl.) für das Pfund, und bei ſolchem Gewinn in Ausſicht ſollte man ein bischen Gefahr ſcheuen?

Der ſteyriſche Hidrach.

Schon oft iſt mit Recht geklagt worden, daß die Eiſenbahnen die Romantik des Reiſens zerſtören, und dieſe Klage iſt allerdings begründet! Wo ein goldgel ber Schwager mit ein paar Braunen oder Füchſen uns oft mühſam weiter förderte, und mit der blechernen Harmonie ſeines Hornes die Ungeduldigen zu erheitern ſtrebte, ächzt und heult jetzt ein dämoniſches Ungethüm,

welches uns mit unheimlicher Schnelle dahinreißt.

Dieſe intereſſante Ruine, jenes merkwürdige Städtchen, ja ein welthiſtoriſches Schlachtfeld, hätten wir ſo gern unſerem Gedächtniſſe ſicher eingeprägt; doch da hallt ſchon das kategoriſche fertig! wild aufheult das Un⸗ ding und verſchwunden iſt Alles, um ganz Or⸗ dinärem unerbittlich Platz zu machen, oder gar

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