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ſchaft verſammelt, unter welcher van Hagen einige Freunde fand. Er ſtellte die ſchöne Wittwe und ſeine Reiſegefährten vor, und bei dem gemeinſchaftlichen Genuſſe ländlicher Vergnügungen war bald Bekannt⸗ ſchaft geſtiftet. Einige muntere Mädchen ſchlugen einen Tanz im Grünen vor. Man wählte einen glatten Raſenplatz, von ſchattigen Bäumen eingeſchloſſen, und auch Henriette nahm mit ihren Begleitern Antheil an der luſtigen Unterhaltung. Als Velthuſen den letzten Tanz mit ihr geendigt hatte, führte er ſie, während van Hagen und Lamotte ſich mit ihren Tänzerinnen wieder in die Reihe ſtellten, abſichtlich durch einen ein⸗ ſamen Schattengang auf die Laube zu, wo ſie bei ihrer Ankunft ausgeruht hatten.
„Ich muß dieſen Augenblick benützen,“ ſprach er, „ich muß Sie, gegen Ihr Verbot, an die Angelegen⸗ heit erinnern, welche Sie bekümmert. Halten Sie mich des Vertrauens werth, ſo reiſe ich ſogleich nach Jamaika, um Ihre Angelegenheiten zu ordnen.“
„Nein, ich habe mich in Ihnen nicht geirrt, Velt⸗ huſen,“ antwortete Henriette freudig bewegt;„ich durfte dieſes Anerbieten von Ihnen erwarten. Aber bedenken Sie Ihre Lage,“ ſetzte ſie ernſt hinzu,„die Ihnen vielleicht ſo großmüthige Aufopferungen verbietet, oder erſchwert, bedenken Sie, daß meine Lage—“
„O ich bedenke nichts, theure Henriette, als daß ich Ihnen hierdurch noch nicht genug beweiſen kann, welcher Aufopferungen ich für Sie fähig bin; ich denke an nichts, als an den Schmerz der neuen Trennung, in dem Augenblicke, von welchem ich wieder ein neues Leben beginne. Ich reiſe morgen, wenn Sie wollen, aber—. Ach, wenn ich bei dieſem Abſchiede die be⸗ glückenden Hoffnungen mitnehmen dürfte, mit welchen ich mich einſt von Ihnen trennte! Vielleicht würden jetzt— Henriette,“ fuhr er fort, und nahm von ſei⸗ nem Herzen ein Papier, worin verdorrte Blumen lagen:„dieſes Andenken Ihrer Liebe, dieſes Andenken unſeres kurzen Glückes, hat mich durch alle Gefahren begleitet, und ein Blick auf dieſe welken Blumen oft den bittern Schmerz in Wehmuth aufgelöst. Ach, dieſes grüne Blatt iſt ſchon lange in Staub zerfallen, aber ſelbſt meine heißen Thränen haben die Farbe der Blumen nicht ausgelöſcht. Keine Hoffnung mehr! rief ich oft in bangen Stunden mir zu: aber Liebe und Treue auf ewig!“
Bei dieſen Worten hatte Velthuſen Henrietten um⸗ faßt. Von ihren Empfindungen überwältigt ſank ſie an die Bruſt des Glücklichen.
„Velthuſen,“ ſprach ſie mit einem Blicke, worin ihr Herz lag:„Ja, Hoffnung, glückliche Hoffnung! und Liebe und Treue auf ewig! Nicht wahr, Tren⸗ nungen ſind gefährlich für uns? ⸗Was in Jamaika auszugleichen ſein möchte, wird ſich auf andere Weiſe abmachen laſſen. Nein, wir ſcheiden nicht mehr!“
Velthuſen ſchloß ſie entzückt in ſeine Arme.„Hen⸗ riette,“ rief er jubelnd,„du mein? Darf ich's aus⸗ ſprechen— du mein?“
„Kannſt du mir verzeihen, daß ich dich einer Prü⸗ fung unterworfen habe!“ hob ſie wieder an.„Ich ahnte, daß du ſie beſtehen würdeſt, und wollte mich in dem
ſüßen Gefühle berauſchen, daß ich von dir über Alles geliebt werde. Jetzt keine Täuſchung mehr! Ja, es iſt wahr, ein Verwandter meiner Tante in Jamaika macht Anſpruch auf einen Theil der Erbſchaft. Aber der Brief iſt ſchon geſchrieben, der ihm mehr gewährt, als er verlangt.“
„Geliebte Henriette, ich denke nicht an Erbſchaft, nicht an Reichthümer!“ ſprach Velthuſen freudig bewegt. „Der arme Verbannte iſt jetzt reicher, als ein König, und wieder voll Muth und Kraft, wenn er dich ſein nennen darf.“
„Ich bin auch nach dieſem unbedeutenden Verluſte noch reich genug für uns Beide,“ erwiederte lächelnd Henriette,„aber auch wenn ich dieſe Gunſt des Glückes entbehrte, würde ich gerne mit dir an die einſamen Ufer des Ohio ziehen, und dir Arbeit, Sorgen und Noth durch Liebe verſüßen, der mein Herz in keiner Lage meines Lebens untreu geworden iſt.
Sie ſanken ſich in die Arme. Dann nach einem Augenblicke ſüßen Schweigens gingen ſie zu der Laube, wo van Hagen und Lamotte ſie erwarteten. Beide kamen ihnen entgegen, und waren ſcharfſinnig genug, zu bemerken, daß die Glücklichen einig waren für das ganze Leben. Velthuſen umarmte ſeine Freunde, und beſtätigte, wie er mit Henrietten verabredet hatte, ihre Vermuthung.„Ich habe euch erzählt,“ ſprach er,„wie das Schickſal meine Liebe verfolgt hat, und Ihr ſeid die Erſten, deren theilnehmendes Herz meines Glückes ſich gewiß freuen wird.“
Beide Freunde waren zu wenig leidenſchaftlich ge⸗ ſtimmt und zu bieder, um das Glück zu beneiden, worauf ſie ihrem Freunde die gerechteſten Anſprüche zuerkannt hatten. Alle fuhren bald nach der Stadt zurück, und brachten den Abend fröhlich mit einan⸗ der zu.
Velthuſen und Henriette feierten noch vor der Ab⸗ reiſe nach England, wo ſie künftig leben wollten, ihre Verbindung. An dem Hochzeittage bot Henriette, mit Zuſtimmung ihres Gatten, deſſen beiden Reiſegefährten mit ſo viel Zartgefühl Beiſtand an, daß auch das ſtolzeſte Gemüth die freundlich helfende Hand nicht hätte zurückweiſen können. Lamotte empfing einen Vorſchuß,
welcher ihn in den Stand ſetzte, ſich in einer angeneh⸗
men und ſehr fruchtbaren Gegend von Amerika vor⸗
theilhaft anzuſiedeln, und eine bedeutende Summe, die
van Hagen erhielt, um ſie auf gemeinſchaftlichen Ge⸗ winn im Handel anzulegen, gab ihm ein Mittel, den Verluſt reichlich zu erſetzen, den er beklagte. So knüpf⸗ ten ſich an dieſem Tage für alle drei Freunde die glücklichſten Erinnerungen.
„Laſſen Sie uns, lieber Velthuſen,“ ſprach Lamotte, „auch wenn wir einſt durch Meere getrennt ſind, die⸗ ſer Seereiſe mit Freuden gedenken. In den ſichern Hafen ſind Sie glücklich eingelaufen, und mich haben die Wellen auf ein freundliches Ufer getragen; noch weiß ich nicht, ob's Eiland iſt, oder feſtes Land, aber ich ſehe fruchtreiche Baumzweige, ich ſehe blühende Ge⸗ filde, und in dem Herzen des armen Schiffbrüchigen erwacht mit friſcher Hoffnung neuer Muth zum Leben.“
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