Teil eines Werkes 
Band 2
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und ähnlichen Gedanken bewegt, folgte er ſeinen Reiſe gefährten in's Wohnzimmer, und zum erſten Male ver⸗ rieth ſich in ſeinem Betragen gegen ſie Zwang und Zurückhaltung, die erſten Aeußerungen des Argwohns und der Eiferſucht.

Am andern Morgen, als ſeine Freunde noch in tiefem Schlafe lagen, ſtand Velthuſen ſchon am Fen⸗ ſter, in den Garten hinabſchauend, der von der heiter⸗ ſten Morgenröthe beleuchtet war, und friſche Blumen⸗ düfte zu ihm hinauf ſandte. Es lockte ihn hinunter. Eine Viertelſtunde war er in einem ſchattigen Gange auf- und niedergegangen, und zerriß eben gedankenvoll eine Blume, die er gepflückt hatte, als er, umkehrend, Henrietten gegenüber ſtand. Beide ſchwiegen überraſcht und verlegen.Ein ſchöner Morgen! hob endlich Henriette an, und ſuchte ſich zu ſammeln.

Henriette! ſprach Velthuſen,Sie haben einen ſchöneren Morgen vergeſſen. Ein ſchmerzlicher Augen⸗ blick war's, und dennoch der letzte glückliche Augenblick meines Lebens. Ich habe Ihnen geſtern erzählt, wie grauſam das Schickſal mit mir umgegangen iſt; aber was ich empfunden habe, als ich meine ſeligſten Hoff⸗ nungen vernichtet ſah, das mußte ich verſchweigen. Verzeihen Sie es mir, ſetzte er kälter hinzu,daß ich Sie daran zu erinnern wage.

Velthuſen, wären Sie ungerecht gegen mich? antwortete Henriette.Glauben Sie mir, nach unſe rer Trennung zählte ich nur unglückliche Tage, und das Opfer, welches mein Vater von mir forderte, und ich nach langem Kampfe bringen mußte, wurde noch durch den Gedanken verbittert, daß Sie Ihren Schwü⸗ ren untreun geworden wären. Das Schickſal hat Sie

(Siehe S.

ſehr hart getroffen, aber warum verloren Sie das Vertrauen auf meine Standhaftigkeit? Velthuſen, wenn Sie auch Alles verloren hatten, warum kehrten Sie nicht zurück mit Hoffnung, mit dem Muthe der Liebe?

Zurückkehren? ſprach Velthuſen ſchmerzlich.Ich hatte Ihrem Vater verſprochen, mein Vermögen mit⸗ zubringen, und arm, elend, kaum dem ſchrecklichen Schiffbruche entronnen, ein Bettler ſollte ich vor ihm erſcheinen?

Henriette ſchien ſich Gewalt anzuthun, ihre Be⸗ wegung zu verbergen.

Und würde denn auch ich den Unglücklichen, den Vertriebenen verſtoßen haben? ſprach ſie.Hätte es mir nicht gelingen können, das Wohlwollen meines Vaters gegen Sie in eine zärtliche Theilnahme zu ver⸗ wandeln? Ach, ein edler Freund, dem er vertrauen konnte, eine kräftige Stütze ſeines leidenvollen Alters, war dem Gebeugten ſo ſehr Bedürfniß. Ja, Velthuſen, Ihr Stolz war mächtiger als Ihre Liebe.

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Henriette brach das Geſpräch ab, indem ſie ſchnell hinzuſetzte:Kommen Sie, ich habe ſoeben auch Ihre Freunde zum Frühſtücke bitten laſſen, man wird mich erwarten.

Sie ging mit dieſen Worten und ſchweigend folgte ihr Velthuſen in das Haus.

Er fand ſeine Reiſegefährten bereit, Henriettens Einladung zu folgen. Während des Frühſtuͤcks unter⸗ hielten Lamotte und van Hagen beinahe allein das Geſpräch, und Beide ſuchten ſich in dem beſten Lichte vor der ſchönen Wittwe zu zeigen.

Velthuſen bemühte ſich, ruhig und unbefangen zu erſcheinen, aber immer fiel er wieder in ſtilles Nach⸗ denken, wenn er zuweilen an dem Geſpräche Theil genommen hatte.

Das Schickſal hat auch Ihnen hart mitgeſpielt, wandte ſich Henriette endlich zu Lamotte,aber Sie ſcheinen doch nicht ganz unglücklich zu ſein, da Sie gerettet haben, was viel erſetzen kann, ein heiteres

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