Teil eines Werkes 
Band 2
Seite
205
Einzelbild herunterladen

ßen Blumen ſagen.

205

Was Sie mir von Ihrem Entſchluſſe ſagen, beweist mir, daß Ihre Liebe gegen meine Tochter warm und aufrichtig iſt; aber wird es Ihnen auch vergönnt ſein, Ihren Vorſatz auszuführen, da Ihr Vater noch lebt?: Ich antwortete ihm, daß ich dieſen Umſtand am wenigſten fürchte, da ich nicht der einzige Sohn ſei und leicht meines Vaters Einwilligung zu erhalten hoffe, um mein Glück in fernen Gegenden zu ſuchen. Wohlan,Ä ſprach Waddiſon, zich gebe Ihnen gern einen Beweis meines Vertrauens und meiner Liebe. Reiſen Sie in Ihre Heimath, um Ihres Vaters Ein⸗ willigung zu holen. heiten dar, um meine Tochter vortheilhaft zu verhei⸗ rathen, aber ich will anderthalb Jahre auf Sie war⸗ ten. Laſſen Sie ſich mit Ihrem Vermögen hier nieder und ich umarme Sie mit Freuden als meinen Sohn. Bei dieſer Verabredung blieb es. Ich bereitete

(Siehe S. 202.)

welche ſie mir darreichte, an meine Lippen. ‚Mein Herz wird immer glühen, hob ſie wieder an, ‚für dich glühen, wie dieſe Granatblüthen; aber treu wird es bleiben dem erſten Gefühle, das du erweckteſt, rein und aufrichtig, bis es bricht, das ſollen dir dieſe wei⸗ Sieh, fuhr ſie fort, und zeigte mir das grüne Blättchen, welches kaum ſichtbar un⸗ ter den Blumen hervor blickte, die Farbe der Hoffnung wagt es kaum, ſich zu zeigen.

Ach theures Mädchen!' fiel ich bewegt ein, ‚Hoff⸗ nung, glückliche Hoffnung und Muth erheben mein Herz auch in dieſem Augenblicke, ſonſt müßte ich er⸗ liegen.

Nein, antwortete ſie ſanft, ‚dieſes Blättchen wird lange verdorrt ſein, wenn die anderen Blumen, auch verwelkt, noch den Glanz ihrer Farbe nicht verloren haben. Doch mag alle Hoffnung ſchwinden, auf ewig bleihen Liebe und Treuel Es waren ihre letzten Worte. Kaum vermocht⸗e ſie das Lebewohl auszuſprechen; ſie war aus meinen

Blicken entſchwunden, als ich noch, vom Schmerze der

Es bieten ſich mir zwar Gelegen-

mich, um mit dem nächſten Schiffe abzureiſen, vor, und ſah der Zukunft mit frohem Muthe entgegen. Endlich erſchien der Tag der Trennung ach der ewigen Trennung! Ich hatte von Henrietten im Kreiſe der Ihrigen Abſchied genommen, aber als ich raſch unter den hohen Ahornbäumen hinab ging, die zu dem Landhauſe führten, ſah ich ſeitwärts die winkende Ge⸗ liebte. Ich flog ihr entgegen. Sie ſank tief bewegt an mein Herz. ‚Zum letzten Male! ſprach ſie, zach ich fühle es, zum letzten Male! Wir ſehen uns auf Erden nicht wieder. Thränen erſtickten ihre Stimme. Dann nahm ſie aus ihrem Buſen einen Strauß von Granatblüthen, weißen Mongris und duftenden See⸗ roſen, der mit einer Locke von ihrem Haare umwun⸗ den war.Zum Andenken an meine Liebe, zum An⸗ denken an unſer kurzes Glückl! ſprach ſie.

Ich drückte die Blume und die theure Hand,

Trennung ergriffen, meine Arme nach ihr ausbreitete! Ich eilte nach der Stadt, die ich am folgenden Tage verließ. Nach einer glücklichen Fahrt landete ich in England, und bald nachher ſah ich meine Heimath wie⸗ der. Welcher Schmerz aber erwartete mich! Kaum war der Sturm beruhigt, der im Innern meines Va⸗ terlandes getobt hatte, da wälzten ſich die Schreckniſſe des Krieges über unſere Grenzen. Mancher Verluſt hatte meinen unglücklichen Vater ſchon gebeugt, und jetzt fiel der letzte Schlag, der ſein ganzes Vermögen vernichtete und auch mir Alles nahm, was ich ſeit fünf Jahren durch eigenen Fleiß gewonnen. In jeder anderen Lage würde ich dieſen Verluſt gleichgültiger ertragen und Kraft und Muth in mir gefunden haben, durch verdoppelte Anſtrengung wieder zu erwerben, was das Schickſal mir entriſſen hatte; aber es raubte mir mit den Gaben des Glückes und dem Lohne des Fleißes zugleich die ſchönſte Hoffnung meines Lebens, und dies war's, was meinen Muth niederwarf und alle Kraft der Seele unheilbar lähmte. Wie hätte ich nun daran

denken mögen, dahin zurückzukehren, wo die Liehe mich