Teil eines Werkes 
Band 2
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einwilligen werde, ſich von ihr zu trennen. Sie er⸗ zählte mir dies, als ich ihr einen Vorwurf machte über ihre Traurigkeit in einem Augenblicke, wo ich das ſel⸗ tene Glück genoß, ſie allein zu ſehen. ‚Ach Henriette, rief ich wonnetrunken, ‚ſo lange dieſes Herz ſchlägt, deſſen Empfindungen Ihnen geweiht ſind, erhebt mich die Hoffnung, jede Schwierigkeit zu beſiegen. Kein Opfer iſt zu groß, das ich nicht gerne brächte, um Sie zu gewinnen; Freunde, Vaterland, Alles will ich verlaſſen. Laſſen Sie uns morgen, fuhr ich fort, llaſſen Sie uns heute noch mit Ihrem Vater reden.:

Henriette antwortete mir, ſie hätte ihr Herz ihrer Mutter geöffnet, auf deren Wohlwollen und Theil⸗ nahme wir rechnen durften. Sie wird meinen Vater vorbereiten, ſetzte ſie hinzu, dann wird er vielleicht

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günſtiger auf unſere Verbindung ſehen. Ach, ich kann eine bange Ahnung nicht unterdrücken, wenn ich an die Zukunft denke, fuhr ſie fort.

Als ſie dieſe Worte geſprochen hatte, ſchallte die fröhliche Muſik aus dem Saale, für uns ein Zeichen, daß ſich die Geſellſchaft wieder vereint hatte. Wir mußten fürchten, vermißt zu werden; meine Geliebte brach in Thränen aus, und wir wollten den ein⸗ ſamen Platz verlaſſen. Da ſahen wir eine männ⸗ liche Geſtalt unter den erleuchteten Bäumen herankom⸗ men. Ich erkannte den Vater Henriettens.(Siehe Bild S. 208.) Es war unmöglich, uns zu verber⸗ gen oder zu fliehen. Er blieb einige Augenblicke ſtehen, indem er uns erkannte, als ob er bei der Ueberraſchung, die ihn ergriff, ſeinen Augen nicht getraut hätte. Wir

(Siehe S. 202.)

eilten ihm entgegen, und von ſeinem ernſten Blicke empfangen faßten wir, von einer Empfindung bewegt, ſeine Hände, die wir an unſer Herz drückten.

Herr Velthuſen, hob Waddiſon nach einer Pauſe an, ‚Sie fühlen, daß ich Urſache habe, durch ihr Be⸗ tragen überraſcht zu ſein. Er ſprach dieſe Worte ſehr ernſt, aber nicht mit dem zurückſchreckenden Unwillen, den ich gefürchtet hatte. Das gab mir Muth, und ich zeigte ihm mein ganzes Herz, meine Wünſche, meine Entſchlüſſe, ich erwartete von ſeinem Ausſpruche die Entſcheidung über das Glück meines Lebens. Henriette ſprach eben ſo warm zu dem Herzen des Vaters. Der Ernſt ſeines Auges ward milder. noch nein, hob er endlich an, ‚wir wollen das Feſt in heiterer Stimmung beſchließen, und Sie, Herr Velthuſen, wünſche ich morgen nach dem Frühſtücke in meinem Zimmer zu ſehen.

Von Hoffnung erfüllt, welche dieſe Worte erweck⸗

ten, konnte ich mit unbefangener Heiterkeit an dem Feſte Theil nehmen. Als Waddiſon am folgenden

Heute weder ja

Morgen vom Frühſtücke aufſtand, gab er mir einen Wink, der mich an unſere Verabredung mahnen ſollte. Ich folgte ihm. Er machte mir einen ſanften Vor⸗ wurf über meinen Mangel an Vertrauen, aber je mil⸗ der er mich daran erinnerte, daß ich die Pflichten der Gaſtfreundſchaft nicht heilig geachtet hatte, deſto ſchmerz⸗ licher empfand ich's. Was ich ſagte, ſchien ihn zu verſöhnen, und ich wiederholte nun Alles, was ich ſchon am vorigen Abende ihm entdeckt hatte. Ich eröffnete ihm den Entſchluß, mein Vermögen aus Euroya zu ziehen, und mich in Indien niederzulaſſen, wend ich nur um dieſen Preis die Hand ſeiner Tochter erba könnte.

Lieber Velthuſen, antwortete Waddiſon⸗ Sie wiſſen, ich habe Achtung und Zutrauen gegen Sie, wie gegen wenige Menſchen. Aber ich berge es Ihnen nicht, da ich entſchloſſen bin, mein Leben hier zu be⸗ ſchließen, ſo werde ich meine Tochter nie einem Manne

geben, der ſie mir entführen müßte; ſie und ihre Kin⸗ der ſollen einſt die letzte Freude meines Alters ſein gen

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