Teil eines Werkes 
Band 2
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war, näherten ſich ebenfalls. Die Fremde ward höf⸗ lich empfangen, und mein Verwandter bat ſo freund⸗

5 lich, daß ſie ſeine Einladung zu einem Frühſtücke an-

nahm. Als wir ſie in's Haus führten, erzählte ſie 4 uns, ſie käme aus Oſtindien, das ſie nach dem Tode 4* ihres Mannes verlaſſen habe, um nach England, dem Lande ihrer Väter zu reiſen.

Allein alſo haben Sie dieſe lange, gefahrvolle

1 Reiſe unternommen?' fragte mein Vetter. Seit einigen Monaten bin ich mit meinen Be⸗ gleiterinnen auf der See, antwortete ſie. ‚Kaum haben wir die Hälfte des Weges zurückgelegt, ſogar einen heftigen Sturm beſtanden, und doch ſehe ich ohne Furcht den langen Weg, der noch vor uns liegt. Aber Sie müſſen wiſſen, Glück zur See iſt ein Erbtheil meines Hauſes; mein Großvater, ſowie mein Vater

ſind auf dem feſten Lande geſtorben, und doch haben

einem lebenden Gegenſtande in Verbindung zu brin⸗

gen. Die Fremde war ſchön, verſtändig, und nach

dem Anſehen zu urtheilen brachte ſie einen hübſchen Antheil von Indiens Reichthümern nach Europa. Was konnte ich mehr wünſchen. Ich ſah ſie noch einige Male in dem Weinberge meines Vetters und in der Kapſtadt. Mein Vetter und ich begleiteten ſie, als ſie

die merkwürdigſten Gegenden der Anſiedelung beſah,

wir beſtiegen mit ihr den Tafelberg, um uns an der

Seite in den Gebirgen von Afrika verliert, auf der aaandern über das Weltmeer nach den Eisbergen des Südpols hin unermeßlich ſich ausdehnt.

¹Die ſchöne Wittwe war freundlich gegen mich und lich ſchmeichelte mir, daß ihr Wohlwollen mehr, als * bloße Dankbarkeit gegen die gaſtfreundliche Gefälligkeit 1 war, die mein Vetter und ich ihr erwieſen hatten. Ihr Aufenthalt in der Kapſtadt ſchien noch lange dauern un müſſen, da ihr Schiff, das vor Anker lag, vieler Ausbeſſerungen bedurfte, ehe es die Reiſe nach England I Feierſtunden.- 186 1

herrlichen Ausſicht zu ergötzen, die ſich auf der einen

ſie einen großen Theil ihres Lebens auf dieſen Meeren zugebracht, ohne je einer Gefahr zu unterliegen, und es fehlte wenig, ſo wäre ſogar das indiſche Meer meine Geburtsſtätte geworden.

Wir brachten einen frohen Tag in dem Landhauſe zu, wo die Fremde, von meinem gaſtfreundlichen Vet⸗ ter zurückgehalten, bis gegen Abend verweilte. Ihre geiſtreiche Heiterkeit, ihr warmes und zartes Gefühl, ihre edlen Geſinnungen, Alles feſſelte mich an ſie. Ich merkte bald, daß ihr Anzug mehr als ihre Seele um den verlorenen Gatten trauerte, und ich hoffte, wenigſtens keine geliebten Erinnerungen beſiegen zu müſſen. Ja, meine Freunde, ich hatte wirklich Freier⸗ abſichten. Schon vor meiner Abreiſe in die Heimath, und wieder während meines Aufenthaltes in Batavia, war's mir eingefallen, daß man im dreißigſten Jahre wohl anfangen möchte, den Gedanken an Liebe mit

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fortſetzen konnte. Recht glücklich für deine Bewerbun⸗ gen! dachte ich. Du haſt Zeit und Gelegenheit, ihr Herz zu gewinnen, und ihr zu zeigen, daß ſie auch mit dir nicht ganz übel fahren möchte. Vielleicht ſegelſt du mit ihr nach Europa, und wenn du dann den geraden Weg zu dem Glücke deines Lebens gefunden haſt, wird dieſes Vorgebirge auch für dich das Land der guten Hoffnung geweſen ſein.

Eines Tages, als ſie mit einigen andern Gäſten aus der Kapſtadt auf dem Weinberge meines Vetters war, ging ich allein mit ihr, von der übrigen Geſell⸗ ſchaft entfernt, unter den Reben auf und nieder. Nach einer langen Pauſe faßte ich Muth und ſagte ihr auf⸗ richtig und warm, wie's mir um das Herz war. Sie ſah mich einige Augenblicke ſchweigend an. Lieber van 4 Hagen, antwortete ſie endlich,Ihr An⸗feerunneiſcht, mich ebenſo ſehp, als ich mich iermngn Das Vertrauen, das Sie zu mir, beftnigt, daß er ſie ſen, rührt mich tief. Aber, 4 ttin Naen und nie drückte ſanft meinen Arm, der⸗ur ainng

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