Nach der Bombay⸗Zeitung drang vor einiger Zeit Morgens ein Tiger von mittlerer Größe in die Stadt Surat ein, und ſetzte das ganze dicht bevölkerte, Quar— tier der Stadt, wo er erſchien, in großen Schrecken. Wie das Thier hieher kam, iſt noch ungewiß; ohne Zweifel ſchwamm es über den Fluß herüber und legte ſich dort in Hinterhalt. Zuerſt entdeckte man es von der Wohnung eines Parſen aus; Schüſſe und Lärm trieben es von da auf, und es warf ſich in einen an— ſtoßenden Schuppen. Allmählig hatte ſich viel Volk
auf daſſelbe machen, konnte aber über eine dazwiſchen befindliche Bambuswand nicht hinwegſetzen; endlich drang er durch ein Loch hindurch und zog ſich in einen ſchma⸗ len Feldweg zurück. Inzwiſchen hatten die europäiſchen Einwohner der Stadt davon Kunde erhalten, und einige derſelben machten nun Jagd auf den Tiger. Mehrere Schüſſe wurden abgefeuert, thaten aber nur wenig Schaden; vielmehr machte er einen verzweifelten An⸗
In den Zeiten des Alterthums war Griechenland die Heimath der Improviſatoren, und die Geſchichte erzählt uns von vielen helleniſchen Gelegenheitsdichtern, V die vor keiner Aufgabe zurückſchreckten. Später wan⸗ derte die beſagte Kunſt,„aus dem Stegreif über jeden
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„dies iſt Hydrophobie. Bitten Sie Gott um Ver⸗ zeihung, ſo lang Sie noch Zeit dazu haben. Herr Offizier,“ fügte er gegen mich bei,„rufen Sie die Dienſtboten herein, und helfen Sie ihnen, Herrn
geſammelt, und der Tiger wollte jetzt einen Angriff weniger als zwölf Kugeln, darunter eine in den Unter⸗
Faulkner zu Bette zu bringen. Er hat aufgehört, einem menſchlichen Richterſtuhl verantwortlich zu ſein.“ Am andern Morgen waren beide Kranke todt.
Dr. Kolb.
Eine Cigerjagd in Indien.
griff auf Lieutenant Rees, warf ihn zu Boden und packte ihn am Bein. Mr. Stewarts, der ihm am nächſten war, feuerte zwei Schüſſe ab, die ihn in die Bruſt trafen. Der Tiger ließ nun von Rees ab und fiel über ein armes, parſiſches Weib her, die bei dem verzweifelten Verſuche, ſich aus ſeinen Klauen loszu⸗ machen, übel zugerichtet wurde. Mr. Rogers ſtieß dem Thiere endlich einen Dolch durch den Hals, wäh⸗ rend das Feuer von anderer Seite fortgeſetzt wurde. Der Tiger wurde endlich wehrlos, nachdem er nicht
kiefer, die ihn am meiſten zu inkommodiren ſchien, er⸗
halten hatte, und vollends erlegt. Mr. Rees erhielt eine oder zwei ſchwere Wunden, doch war keine ſehr gefährlich; auch die parſiſche Frau wurde gerettet. Ohne die muthige Dazwiſchenkunft der Europäer hätte der Tiger wahrſcheinlich ſchweres Unheil in der Stadt angerichtet.
Dr. B.
Ein italieniſcher Improviſator.
ſchwelgeriſchen Mahle durfte vorübergehen, ohne daß
die Gäſte durch wetteifernde Stegreifdichter erheitert worden wären. uter denſelbe Andrea Marone, welcher von 1474 bis 1527 lebte,
Der berühmteſte unter denſelben war
eobensweiſe, ſowie durch ausgezeichnete Pabſt Leo X., und keines ſeiner vielen
und der fröhliche Pabſt verehrte ihm manch' goldenen Becher für die Siege, die derſelbe ſich durch ſeine Reim⸗ kunſt erwarb. Doch kounte damals das gewöhnliche Volk an dergleichen geiſtigen Freuden nicht Theil neh⸗ men, einfach deßwegen, weil die Improviſatoren in „lateiniſcher“ Sprache zu dichten pflegten. Gleich nach Leo’s Tode aber wurde es üblich, ſich ſtatt des Latei⸗ niſchen der»lingua volgare«, d. i. der gewöhnlichen italieniſchen Volksſprache zu bedienen, und beſonders war es Silvio Antoniano, welcher dieſe Neuerung einführte. Dieſer nämlich, der um's Jahr 1540 zu Rom geboren wurde, hatte die italieniſche Sprache ſo ſehr in der Gewalt, daß ihm gar nie ein Reim ver⸗ ſagte, und man gab ihm deßwegen, als er kaum 30 Jahre alt geworden war, eben wegen ſeines Ta⸗ lents zum Improviſiren, den Beinamen des»Poetino«. Weit berühmter wurde noch der Ritter Perfetti, wel⸗ cher im Jahre 1680 zu Siena geboren wurde und anno 1747 zu Rom ſtarb, und es exiſtiren von ſei⸗ nen Stegreifdichtungen gegenwärtig noch zwei dicke Bände. Doch muß man freilich zugeben, daß dieſe Poeſien, wenn man ſie liest, keineswegs die Bewun⸗
Gegenſtand in wohlgeſetzten Reimen zu ſprechen,“ nach Italien aus, und bis in die neueſte Zeit gibt es keine Nation, welche der italieniſchen dieſe Naturgabe ſtrei⸗ tig gemacht hätte. Schon Petrarea pflegte ſeine Lieder mit der Laute in der Hand zu improviſiren, und manches ſeiner Gedichte, denen wir jetzt noch den Zoll der Bewunderung nicht zu verſagen vermögen, wurde von ihm bei irgend einer fröhlichen Gelegenheit,„ohne daß er vorher Zeit gehabt hätte, darüber nachzudenken,“ gleichſam aus dem Aermel geſchüttelt. Später, als nach dem Falle Conſtantinopels eine Menge der gebil⸗ detſten Griechen nach Italien flüchteten, und daſelbſt mit ihrer Sprache und Literatur auch ihre Gebräuche und Sitten verbreiteten, ward es herkömmlich, daß beſonders begabte Männer bei den Gaſtmählern, welche die Reicheren gaben, als extemporiſirende Poeten auf⸗ traten, um die Freuden der Tafel durch die des Witzes und Geiſtes noch zu erhöhen. Solche Genüſſe liebte beſonders der durch ſeine verſchwenderiſch⸗wollüſtige ſeinen hochgebildeten Geiſt
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