Teil eines Werkes 
Band 1
Seite
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ſtiſchen Wundarzt ſtets hören:

ja, wenn ich die Gelegenheit ſelbſt machen könnte, ſo würde Alles gut gehen, und mein Ziel wäre erreicht. Er war ſehr vertraut mit mir, und ich wußte mehr von ihm, als irgend eine andere Per⸗ ſon; doch konnte ich mir nicht denken, was er unter dem Selbſtmachen einer Gelegenheit verſtand, die ihm zur Auszeichnung verhelfen ſollte. Bei ihm ſelbſt konnte, bis ſich der ſchreckliche Anlaß dazu ergab, der Gedanke nur eine nebelige Hoffnung, die Ausgeburt ſeines gährenden Gehirns geweſen ſein. Er war eine herzliche, edle Natur, und ſein einziger Fehler der Ehr⸗ geiz, dieſe Leidenſchaft, welche ſelbſt Engel zum Fall brachte.

Faulkners Praxis legte nicht zu, obſchon die Jah⸗ reszeit ungeſund und das Wetter, namentlich gegen die Hundstage hin, ungewöhnlich heiß war. Seine Lage wurde verzweifelt und mit den Verhältniſſen er ſelbſt deſparat. Das Benehmen der Fräulein Julie gewann dadurch nicht an Leutſeligkeit, geſchweige an Zärtlich⸗ keit, denn die holde Dame mochte, wie mir vorkam, obſchon ich ſeit einiger Zeit nicht mehr viel von ihr zu ſehen kriegte, die Ueberzeugung gewonnen haben, ſie

Wenn ſich mir nur einmal eine Gelegenheit böte, mich auszuzeichnen

verurtheile ſich ſelbſt zu ewigem Cölibat, wenn ſie ſo lang auf einen Mann warten wollte, bis Herr Faulk⸗

ner es zu der Auszeichnung der Ritterwürde und einer Equipage gebracht hatte. Sie brach indeß nicht mit ihm und machte eines Tages ſogar eine von ihm ver⸗ anſtaltete Picnic⸗Parthie nach der Hampſteader Haide mit, an welcher ſich ihre Schweſter Laura, Richard Bellingham und Herr Fordyce, der natürlich als ge⸗ meinſamer Verſorger nicht fehlen durfte, betheiligten.

Der Tag entſchwand ſehr heiter, bis das Vergnü⸗ gen durch einen ſchrecklichen Vorfall unterbrochen wurde. Ein großer Hund hatte ſeine Kette abgeriſſen, ſtürzte ſich wüthend auf die Geſellſchaft, zerfleiſchte Richard Bellington jämmerlich den Arm und wollte ſich dann üher Julie Morris hermachen. Faulkner, ein behender, kräftiger Mann, gewann kaum noch Zeit, ſich zwiſchen ſie und die tolle Beſtie zu werfen, die er mit einem gewaltigen Rippenſtoße hilflos in's Gras niederſtreckte, doch erſt, nachdem ſie ihn ſelbſt in die bloße Hand gebiſſen hatte. Niemand zweifelte daran, daß der Hund

toll ſei; man bemächtigte ſich ſeiner, und einige Mi⸗ der Waſſerſcheu Einhalt zu thun und ſie gründlich zu

nuten nachher wurde er von dem Eigenthümer des Hofs, von dem er losgebrochen, erſchoſſen. 4

Herr Fordyce und die Frauenzimmer beeilten ſich, in einer angerufenen Kutſche wieder nach Hauſe zu kommen, und Bellingham, welcher in heller Todesangſt lebte, wollte ihnen nach, wurde aber von Faulkner zurückgehalten.

Kommen Sie mit mir, Bellingham, ſagte der junge Doctor.Es iſt da kein Augenblick zu verlie⸗ ren. Die Wunde muß ſogleich cauteriſirt werden ein Schüreiſen thut's, und wir haben ein Haus in der Nähe. Kommen Sie; ein bischen Entſchloſſenheit, und Alles wird gut ablaufen.

Bellingham folgte Faulkner mechaniſch. Er war nicht der Mann des Muths und der Entſchloſſenheit, und der Gedanke an das Cauteriſiren, das heißt, an's

Brennen der von dem wüthenden Thier beigebrachten

Wunden vermittelſt eines rothglühenden Eiſens, erſchien ihm faſt ebenſo ſchrecklich, als ein mögliches Sterben aan der Waſſerſcheu.

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Iſt das Cauteriſiren, wie Sie's nennen, fragte er, als der Doctor ihn mit ſich fortzog,in ſolchen Fällen ein untrügliches Mittel?

Untrüglich? nein. Es gibt bei dem Biß eines tollen Hundes keine untrüglichen Vorbauungsmittel, und alle Bähungen ſind weiter nichts als abergläubiſche Quackſalbereien; doch iſt die alsbaldige Anwendung des activen Cauteriums der wirkſamſte Schutz, den man kennt. Auch müſſen Sie nicht vergeſſen, daß unter zwanzig erwieſenermaßen von tollen Hunden gebiſſenen Perſonen neunzehn ohne Waſſerſcheu davon kommen. Sie haben noch den weiteren Troſt, daß die Zähne des Thiers, ehe ſie mit dem Fleiſch in Berührung kom⸗ men, durch das Tuch Ihres Rockärmels gingen, und

daher das Gift abgeſtreift haben müſſen. Meine Hand

war bloß. Es iſt mir zwar wegen des Ausgangs nicht bange, indeß will ich doch nichts unterlaſſen, was die Regeln der Kunſt vorſchreiben.

Faulkner machte ein Schüreiſen rothglühend und brannte mit Feſtigkeit die Wunde an ſeiner Hand; doch nichts konnte den armen, haſenherzigen Belling⸗ ham bewegen, ſich der gleichen Operation zu unterziehen. Da kein Zuſpruch half, ſo fuhr der junge Doctor mit ſeinem Patienten eiligſt nach der Juddſtraße zurück, äzte die Wunde mit Höllenſtein, verordnete ein beruhi⸗ gendes Mittel, und ſomit war Alles gethan, was un⸗ ter ſolchen Umſtänden die innerliche und äußerliche Heil⸗ kunſt anwenden konnte. Ohne Zweifel war ihm da⸗ mals noch nicht entfernt der Gedanke gekommen, ſelbſt die Gelegenheit zu Emporbringung ſeines Rufes zu ſchaffen und für dieſen Zweck zu den Mitteln zu greifen, die er ſpäter in Anwendung brachte. In dieſer Anſicht ſtimmten nicht viele mit mir überein; aber die ſchnelle Verordnung der geeigneten Medicamente beweist jedenfalls, daß er kein Attentat auf Richard Bellinghams Leben im Schild führen konnte.

Der Vorfall auf der Hamſteader Haide machte Aufſehen und wurde in allen Zeitungen beſprochen. Daraus entſtand eine Controverſe über die Frage, ob es wirklich Specifica gegen die Waſſerſcheu gebe, wenn ſich einmal Symptome dieſer ſchrecklichen Krankheit gezeigt hätten. Alfred Faulkner betheiligte ſich wen Eifer an dieſem Streit, und der Kern der vier von ihm veröffentlichten Abhandlungen 4 hinaus, daß er ein untrügliches Mittel entdeckt habe,

heilen, nachdem ihre Erſcheinungen bereits unverkenn⸗ bar an's Licht getreten ſeien. Man verlachte ihn als einen Marktſchreier. Er antwortete darauf, daß er ſich die Bezeichnung gefallen laſſen wolle, wenn ihm nicht der Beweis gelinge, daß ſein Specificum von unfehl⸗ barer Wirkung ſei. Richard Bellingham lebte fortwährend in einem Zuſtande der ſchrecklichſten Angſt; er wußte, daß wenig⸗ ſtens ſechs Monate darüber hingehen mußten, ehe er nur einigermaßen ſich für geſichert halten konnte; ja, viele erſtreckten den Termin ſogar auf ein ganzes Jahr. Mit Staunen machte ich die Wahrnehmung, daß Faulk⸗ ner die Angſt ſeines Patienten, ſtatt ſie ihm auszu⸗ reden, eher zu nähren ſchien. So erinnere ich mich namentlich, daß er eines Tages an Bellingham, als eben ein beſonders düſterer Ausdruck auf deſſen Geſicht lag, flüſternd die Frage richtete, ob er nicht eine be ſondere Aufregung ſpüre, wenn ſein Blick auf die blanke Fläche des großen Spiegels falle er(der Doctor)

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