Teil eines Werkes 
Band 1
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Der Rieſendamm.

(Taf. 5.)

Die Grafſchaft Antrim, in der Provinz Ulſter,

der Hauptſchauplatz der oſſianiſchen Helden, iſt bezüglich ihrer Naturſchönheiten eine der intereſſanteſten

des Königreichs Irland, und der von ihrer nördlichen Spitze aus ſich weit in's Meer hinein erſtreckende Rieſendamm, mit ſeinen meiſt ſenkrecht ſtehenden

Baſaltſäulen, deren Länge zwiſchen 15 und 36 Fuß

beträgt, unſtreitig eine der merkwürdigſten Naturerſchei⸗ nungen.

Vom alten Städtchen Glenarm aus, deſſen an der gleichnamigen Bucht gelegene, ziemlich ſtark beſuchte Seebadeanſtalt von einem prächtigen Schloſſe des Lords Antrim überragt wird, führt eine merkwürdige Straße,

eine ungeheure, 1500 Fuß hohe Kalkmaſſe, deren Grundpfeiler auf Baſalt ruhen, und an deren ſchau⸗ rigem Abſturze ſich die Wogen donnernd brechen, nach

dem Vorgebirge Fairhead, der nördlichſten Spitze Irlands. Im Innern des Berges ſind reiche Stein⸗ kohlenlager, zu deren Schachten eine lange, am Mee⸗ resufer beginnende Gallerie führt. Der Beſuch des Rieſendammes, den die Sage für ein Werk Fin⸗ gals und ſeiner Waffengefährten ausgibt, wird meiſt von Buſhmills aus unternommen. Der Weg vom Dorfe zur Küſte iſt mit Baſaltblöcken eingefaßt, zwi⸗ ſchen denen mehrere kleine Buchten oder Höhlen ſich befinden, die mit der Zeit von den andringenden Wo⸗ gen gebildet zu ſein ſcheinen. Die bedeutendſten der⸗ ſelben ſind: die Dunkerry und die Höhle von Port⸗ coon; die erſte iſt tief, aber nur von der Seeſeite zu⸗ gänglich, und, ihre ſchwarzen gewölbten Wände ſind mit Meerespflanzen überdeckt. Zu der zweiten, die an 350 Fuß tief und gegen 30 Fuß breit iſt, kann man während der Ebbe durch eine Felſenſpalte gelangen. Ihr ganzes Innere iſt mit weißem Schaume überdeckt und fortwährend mit einem feuchten Nebel gefüllt. Man vernimmt in ihr beſtändig ein wunderbares, wohl durch den Wellenſchlag hervorgebrachtes Sauſen. In der Nähe der Höhlen bemerkt man vielen Schiefer und Kugelbaſalt, der ſich lagenweiſe abſchälen läßt. Auf dieſe Schieferformation folgen die Baſaltpfeiler, die ſich theils in gerader, theils in ſchiefer und wagrechter Stellung über eine Stunde weit längs der Küſte hin⸗ ziehen; dann erſt beginnt der eigentliche Damm, der uüber 200. Fuß lang und 100 bis 180 Fuß breit all⸗ mählig in das Meer ſich ſenkend ausläuft, und unter dem Waſſer noch weiter bis, wie man glaubt, zur gegenüberliegenden Inſel Staffa ſich hinzieht, ſo daß

man zur Zeit der Ebbe viele unterſeeiſche Baſalt⸗

pfeiler durch die Wellen ſchimmern ſieht. braunen Pfeiler ſtehen ſo dicht aneinander, daß keine Meſſerklinge durchgeſchoben werden kann, und ſind fünf⸗, ſechs⸗, mehrere auch ſieben⸗ bis neuneckig. Viereckige

Die eiſen⸗

ſind ſelten, und mit drei Ecken hat man bis jetzt erſt

einen einzigen gefunden. der Oſtſeite, wo man mehrere von 30 und einen ſo⸗ gar von 40 Gliedern ſieht. Jedes Glied iſt ungefähr 1 Fuß hoch und hat von 8 bis 20 Zoll im Durch⸗

meſſer. Man kann durch einen einzigen Hammerſchlag

Frierſtunden. 1863.

Die höchſten Pfeiler ſind auf

ein ſolches Glied von einem Pfeiler ablöſen, wobei die eine Seite konkav, die andere konvex ausſpringt. Die weiter an der Küſte vorkommenden Baſaltpfeiler ſind viel weniger regelmäßig, als die auf dem Damme, und werden, ihrer beſonderen Form und Stellung nach, mit verſchiedenen Namen, wie Schornſtein, Webſtuhl, Orgel ꝛc. belegt. Bei dem„Schornſteine“, welcher aus einem einzigen hohen Pfeiler mit zwei kleineren daneben beſteht, ſieht man viele wagrechte Pfeiler, die von ſenkrechten durchſchnitten ſind. Nahe beim Damme am Ufer quillt der Rieſenbrunnen, ein ſehr klares und friſches Waſſer, zwiſchen Baſaltpfeilern hervor. In Buſhmills wird von einigen Bewohnern ein förm⸗ licher Handel mit den Baſaltpfeilern der Küſte und des Rieſendammes betrieben. Sie löſen viele derſelben ab und verſchicken ſie in Kiſten. Jedes Glied derſelben wiegt ungefähr einen Centner.— Oberhalb des Rieſen⸗ dammes, kaum eine Viertelſtunde von demſelben ent⸗ fernt, ragen auf einem abgeſonderten hohen Meeres⸗ felſen die Ruinen der Burg von Dulume, das Stamm⸗ ſchloß der Familie Macdonnel, empor, zu welchen ein ſchmaler, gefährlicher, durch kein Geländer geſchützter Steg führt, und längs der Küſte liegen mehrere kleine Felſeninſeln(Skerries), deren genügſame Bewohner lediglich vom Ertrag der Fiſcherei, von etwas Gerſte und Seetang leben. Nördlich vom Vorgebirge Fair⸗ head iſt die über 4 Stunden lange und mehr als eine Stunde breite, ebenfalls von Baſaltpfeilern eingeſchloſ⸗ ſene Inſel Rathlin oder Raghlin, deren 1200 Be⸗ wohner die unvermiſchten Nachkommen der alten Iren zu ſein ſcheinen, nur mit deren Sprache bekannt ſind, und durch Geſtalt und Geſichtsbildung ſich weſentlich von den Bewohnern des iriſchen Feſtlandes unter⸗ ſcheiden.—

Ein neuerer Reiſender, der„Erin's grüne Inſel“ beſuchte, gibt uns vom Rieſendamme, zu dem er von der See aus in einem Boote gelangte, folgende intereſſante Schilderung:

„Im äußerſten Theile Irlands, von deſſen Küſten kein Land mehr bis Amerika ſich findet, und an deſſen ſteilen Felſen ſich die Wogen des atlantiſchen Oceans wildſchäumend brechen, erhebt ſich in hoher Pracht und Majeſtät ein Baſaltgebirge, wundervoll und wie von Menſchenhand und dem kühnſten Meiſel gehauen in unvergleichlicher Schönheit, und kaum dürfte die Na⸗ tur in irgend einem Lande ähnliche Wunder aufgehäuft haben. Dies iſt der Giants-Cauſeway, der Rie⸗ ſendamm, der ſich, ein hundertarmiger Briareus, gleich einem aus tauſend und tauſend an einander ge⸗ reihten Säulen zuſammen gebildeten Damme weit in's Meer erſtreckt, und von dem ſich die ſchöne Sage er⸗ hielt, daß Rieſen verſucht hätten, durch ihn Irland und Schottland mit einander zu verbinden, ein alter Volksglaube, der dadurch erklärbar wird, daß dieſelbe Baſaltbildung häufig tief in ſtiller See aufzutauchen ſcheint, und alle dieſe Verzweigungen in der Richtung von der auf ähnliche Art gebildeten Inſel Staffa und der Fingalshöhle ſich ausbreiten. Das Vor⸗

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