Teil eines Werkes 
Band 1
Seite
62
Einzelbild herunterladen

Nähe befindlichen Felsparthien, durch ſeine eigene rei⸗ zende Lage, und die nicht weit davon entfernte Ruine Falkenſtein, einen der intereſſanteſten Punkte für Touriſten, die von Tuttlingen, Mößkirch oder Sig⸗ maringen aus die im Seekreis gelegenen Fürſtlich Für⸗ ſtenbergiſchen Beſitzungen beſuchen. Nach den Wild von Wildenſtein kam die Bergfeſte ſchon in früher Zeit an die Herren von Gundelfingen, von dieſen an

Der Rönig

Im Herbſt des Jahres 1818 war in Aachen einer der Congreſſe verſammelt, mit denen die Staatsmänner der Reſtauration ebenſo freigebig waren, als die heu⸗ tigen Staatsmänner mit ihnen kargen. In den Muße⸗ ſtunden, die den in Aachen berathenden Monarchen trotz aller Conferenzen blieben, vergnügten ſie ſich da mit, einem berühmten franzöſiſchen Seiltänzer zuzu⸗ ſehen. Der Mann galt für den beſten ſeines Fachs, doch glaubte der König Friedrich Wilhelm III. ſich zu erinnern, daß er von einem Deutſchen noch vorzüglichere Leiſtungen geſehen habe. Kolter(er war es, wenn wir nicht irren) wurde nach Aachen berufen und verſprach, wenn man ſeine Anweſenheit verſchweige, eine überra⸗ ſchendeArbeit. Am nächſten Tage ſteigt der Fran⸗ zoſe auf dem Seil zu einem hohen Thurm empor. Er hat die Hälfte des Wegs zurückgelegt, da ſieht er zu ſeinem Todesſchrecken, daß aus der Thurmluke ein zweiter Seiltänzer herausſteigt und ihm entgegengeht. Bald ſtehen ſich beide hundert Fuß über der Erde auf dem ſchwankenden Seil gegenüber. Die Tauſende von Zuſchauern unten fragen ſich in athemloſer Spannung, wie dieſe Begegnung enden wird. Inzwiſchen hat oben eein kurzes Geſpräch ſtattgefunden. Der Franzoſe hat ſeinem Gegenüber die bitterſten Vorwürfe gemacht und gleich den Zuſchauern unten gefragt, wie das enden werde. Darauf hat der Deutſche blos geantwortet: Bücken Sie ſich! Der Franzoſe gehorcht mechaniſch, und im nächſten Augenblicke ſetzt der Andere mit einem mächtigen Sprunge über ihn weg und tanzt das Seil hinunter, während ſein zitternder Gegner der Thurm⸗

wieder aufzutreten.

DieſeArbeit Kolters galt bisher für die beſte und gefährlichſte. Jetzt aber hat ein Franzoſe die Aachener Niederlage ſeines Landsmannes gerächt. Mon⸗ ſieur Blondin iſt derKönig des Seils, der Held bei⸗ der Hemiſphären, die Großmacht der Balancirſtange. Es iſt in der Ordnung, daß ein ſolcher Mann einen Biographen gefunden hat. C. Linnäus Banks ver⸗ öffentlichte: Blondin, his life and performances.

Blondin wurde am 24. Februar 1824 geboren. Sein Geburtsort St. Omer war ſeiner in jeder Be⸗

. ziehung würdig, denn die Stadt zeichnet ſich in dop pelter Beziehung aus, erſtens durch ihre berühmten

*) Wir entnehmen dieſen Artikel dem in Leipzig erſcheinenden Journal: Europa, Chronik der gebildeten Welt, und be⸗ nützen die Gelegenheit, dieſe vortreffliche Zeitſchrift, die wir für die beſte und gediegenſte ihrer Art halten, unſern Leſern freund⸗ ichſt zu empfehlen. Die Redaction.

- 62

luke zueilt, in der er verſchwindet, um in Aachen nie

die Grafen von Zimmern, dann an die Grafen von Helfenſtein, nach deren Erlöſchen ſie durch Erbſchaft den Fürſtenberg zufiel, von dieſen aber 1733 an Bayern verkauft wurde. Gegenwärtig iſt das Berg⸗ ſchloß wiederum Eigenthum der Fürſten von Fürſten⸗ berg, und durch ſeine Lage eines der intereſſanteſten Schlöſſer. 2.

des Seils*).

geiſtlichen Gelehrten, und zweitens durch ihren ausge⸗ zeichneten Schnupftabk. Der Vater war ein alter napoleoniſcher Veteran und lebte von ſeinen glorreichen Erinnerungen und vom Fiſchfange. In demſelben fünften Jahre, in dem Mozart zu componiren begann, fing Blondin an auf dem Seile zu tanzen. Eine Ge⸗ ſellſchaft von Seiltänzern und Kunſtreitern kam nach St. Omer, unter der ſich ein junger Menſch befand, der einen ſo verführeriſchen himmelblauen Anzug, ſo prachtvolle Schwungfedern und einen ſo blitzenden Schmuck von Zinn und Glas trug, daß er nicht blos den jungen Mädchen, ſondern auch der hoffnungsvollen Jugend der Gaſſen den Kopf verdrehte. Seinen erſten Verſuch machte Blondin auf einer Waſchleiue ſeiner Mutter, die er an zwei Stuhllehnen befeſtigte. Dieſer Verſuch war ein muthiger, aber kein glücklicher. Die beiden Stühle fielen um, als Blondin ſich auf die Waſchleine ſchwang, und er lag auf der Naſe. Von der im Ganzen richtigen Anſicht ausgehend, daß Män⸗ nerſachen beſſer halten als Frauenſachen, entführte Blondin ſeinem Vater deſſen Angelſchnur, um auf die⸗

ſer zu tanzen. In dieſem Falle war ſeine Berechnung

eine unrichtige: die Angelſchnur riß, und er lag zum zweiten Male auf der Naſe. Jetzt verbündete er ſich mit einem alten Matroſen, der im Beſitze eines haltbaren Taues war und es eigenhändig zwiſchen zwei Bäumen ausſpannte. Mit einer zerbrochenen Segelſtange in der Hand betrat Blondin ſein Seil und führte ſeinen erſten Tanz mit dem vollſtändigſten Glück aus. Man brachte ihn nun in eine gymnaſtiſche Anſtalt zu Lyon, und in überraſchend kurzer Zeit war ſeine Ausbildung vollendet. Er trat darauf in die Ge⸗ ſellſchaft der Familie Ravel ein, die in Frankreich be⸗ rühmt war und es in Nordamerica noch mehr wurde. Hauptſächlich im Vertrauen ging die Geſellſchaft 1851 über ihren Schritt nicht zu bereuen. Jahren wurde Blondin, innige Verbindung trat, in allen Städten der Union als der Unvergleichliche und Einzige auspoſaunt. So

hatte er, um von ſeinem Stande ein Bild zu entlehnen, ein Schwungbrett bekommen, von dem er ſich mit ei⸗

das Meer und hatte

nem Rieſenſprunge auf den Gipfel des Ruhms ſchwin⸗ 4

gen konnte.

Im Frühling von Ravel'ſchen Geſellſchaft los und ging an den Niagara. Seine Ankündigung, daß er auf einem Seile über den Fall gehen werde, wurde mit Unglauben und einer Art

zu Blondins Leiſtungen

In den nächſten acht der mit der Preſſe in eine

1859 machte er ſich von der

von Unwillen aufgenommen. Man hielt ihn für einen

Schwin men ſe ein Ei beträgt ds E von eit n do zenden Luft ſe ausgeſe

V foſtge bahn. ggeeri Geſe Gan ſiche Mit der, In Auge wiede Erh Bi Beiff welch

n

Seil auf

fern ſtel