Teil eines Werkes 
Band 1
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Krankheit ergriffen zu Wette⸗ und konnte unmöglich h dem Bette und beugte ſich über die Dulderin.

weiter transportirt erden hatte ſie das Elend i

Drei lange Jahre hindurch hrer Ehe getragen, und acrend

dieſen drei langen Jahren fraß der Tod langſam an

ihrem Herzen, bis eudlich das Mark ihrer Kräfte total aufgezehrt war. Da lag ſie nun, blaß wie eine weiße Roſe, ein Bild des Schmerzens und des Jammers, ihrer Auflöſung ſtündlich entgegen harrend! ihrem Bette jedoch ſtand kein liebender Anverwandter, der ſie getröſtet und ihrer gewartet hätte, beiden Männer, welchen dieſe Verpflictung obgelegen wäre, ihr Gatte und Schwiegervater, gingen zornig fluchend ab und zu und überließen ihre Verpflegung einer alten, halbtauben, ſchwarzen Sklavin, die kaum fähig war, für ſich ſelbſt, viel weniger für einen hülf⸗ loſen Kranken zu ſorgen. Die ſämmtlichen übrigen Diener hatten alle Hände voll zu thun, um wenigſtens das Werthvollſte nach Fort Bryant zu ſchaffen, denn ſtündlich kam die Gefahr der heranrückenden Indianer näher, und Männern, wie den beiden Eſtill, lag na⸗ türlich ihr Eigenthum mehr am Herzen, als die ſter⸗ bende Gattin und Schwiegertochter. Endlich war das Hauptſächlichſte gethan und nun handelte es ſich darum, was mit Mary begonnen werden ſolle.

Erhebe dich, Mary, ſagte der alte Eſtill in ſei ner gewöhnlichen kalten Weiſe,erhebe dich augenblick⸗ lich, denn wir dürfen keinen Augenblich mehr zaudern, wenn wir Fort Bryant noch erreichen wolln, ehe die Indianer anrücken.

Ich kann nicht, erwiederte Mary. mit kaum ver⸗ nehmlicher Stimme.Geht und überlaßt mich meinem Schickſale.

Das werden wir auch thun, rief der wilde John, wenn du dich noch länger zögerſt. Bei der Hölle, ſetzte er ſofort mit einem grimmigen Blick hinzu,ich glaube nicht, daß du auch nur die Hälffte ſo krank biſt, als du dich anſtellſt. Alſo auf und zu Roſſe oder bleib und ſtirb!

Ja, ſterben will ich, es, der Tod iſt nahe Erdenqual erlöst ſein..

Und wir von dir, du ewiger Thränenquell, höhnte John.Doch, was ſoll das dumme Geplapper? Komm Vater und laſſen wir ſie, wo ſie iſt. Denen, die nach ihr fragen, können wir ja ſagen, daß ſie bereits den letzten Athemzug gethan, ehe wir von hier fortgeritten ſeien!

Er drehte ſich auf dem Abſatze um und verließ das Zimmer, ohne nur noch einen Blick nach ihr, ſeiner Gattin, zu werfen. Gleich hinter ihm drein ſchritt der alte Eſtill, und einen Augenbl ick ſpäter hörte man den Galopp ihrer Pferde, wie ſie über die Ebene hinſpreng⸗ ten; unn aber überzeugte ſich hievon die alte halbtaube Niggerin, als ſie ebenfalls das Zimmer verließ und nach Zuſammenraffung ihrer wenigen Habſeligkeiten ſo eilig als möglich davon floh. So blieb die ſterbende Mary ganz allein, elenallein im Hauſe zu⸗ rück, denn Alles, Alles hatte ſie verlaſſen. Ein un⸗ endlich wehmüthiges Löächeln zog über ihre ſchmalen, blutloſen Lippen, dann legte ſie die faſt durchſichtigen Hände zuſammen und betete leiſe, aber inbrünſtig.

hauchte Mary;ich fühl' und bald werde ich von dieſer

Und wie ſie nun ſo da lag, eine wahre Braut des

Himmels, da öffnete ſich mit einem Male die Thüre und herein trat die alte Indianerin, von der wir wei⸗

Neben

ſondern die

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ter oben geſprochen. Leichten Schrittes näherte ſie ſich

Erſchrick nicht, weiße Roſe, flüſterte ſie ihr zu, denn es iſt deine Freundin, das rothe Weib, welches kommt, dich zu beſuchen, und bei dir zu wachen, weil die feigen Bleichgeſichter dich verlaſſen haben.

Du biſt gut, hauchte Mary, der Frau einen freundlichen Blick zuwerfend.

Nicht ich bin gut, erwiederte die Indianerin, ſondern er, der große Häuptling Wikokalendies, der dich in ſeinen beſonderen Schutz genommen hat. So oft ich kam, um nach dir zu ſehen, kam ich auf ſein Geheiß, und auch diesmal iſt er es, der mir befohlen hat, an dein Bett zu treten. Und weißt du, was er mich beauftragte, dir zu ſagen? Daß er ſelbſt kommen will, dich zu ſprechen. Ja er, der tapfere Weißauge, will mit der weißen Roſe ſprechen, ehe ihre Seele dem Orte zufliegt, wo der große Geiſt ſeinen Thron auf⸗ geſchlagen!.

Wikokalendies, der rothe Häuptling? flüſterte Mary.Was kann er mir zu ſagen haben?

In wenigen Stunden wirſt du es fahren,* ent⸗ gegnete die ndirnerin,denn ehe die Sonne ſich ſchla⸗ fen gelegt, iſt er hier. Aber nun werde ich dir einen ſtärkenden Trank boreiten, der dir die Augen auf einige Stunden ſchließt, ſonſt hätteſt du vielleicht nicht die Kraft, ihm Rede zu ſtehen über Alles, was er von dir zu wiſſen begehrt.

So ſprechend zog ſie verſchiedene Kräuter aus der Taſche, welche einen intenſiven Geruch verbreiteten, zerrieb dieſelben auf einem Tiſche, drückte ſie dann in ein kleines Gefäß aus, miſchte etwas Waſſer dazu und gab ſofort der Kranken die Mixtur. Die beabſichtigte Wirkung trat auch ſogleich ein, denn die müden Augen⸗ lider ſchloſſen ſich ſofort, und bald verkündeten regel⸗ mäßige, obwohl leiſe Athemzüge, daß ein wirklicher Schlaf eingetreten ſei.

Lange Zeit freilich dauerte dieſer Schlaf nicht, aben er hatte doch die Folge, daß das tief geſunkene Lebenes organ wieder auf Augenblicke, wenn auch vielleicht nur auf wenige kurze Augenblicke geſtärkt wurde. Doch wie nun Mary ſichtbar erleichtert die Augen aufſchlug, um der Indianerin ihren Dank abz zujatken⸗ da fand ſie zu ihrem Erſtaunen, daß ſtatt ihrer ein Mann neben ihrem Bette ſaß, ein Mann, der offenbar kein anderer ſein konnte, als Witulaigidies, der rothe Häupt⸗ ling. Er trug nämlich alle die kriegeriſchen Auszeich⸗ nungen, an welchen ein indianiſcher Oberanführer alſo⸗ bald erkenntlich iſt, und von ſeinem Haupte herab winkten Adlerfedern, während in ſeinem fein geſtickten Gürtel die Streitaxt neben dem langen Dolchmeſſer blinkte. Im Uebrigen hatte er ſeinen ganzen Ober⸗ körper, welcher von ungewöhnlicher Kraft zeugte, in das Fell einer Tigerkatze gehüllt, und aus ähnlichem Stoffe waren die Beinkleider gefertigt, wie denn auch die ledernen Sandalen oder Moccaſſins, ſowie die goldenen Armringe und Ohrgehänge nicht fehlten. Kurz der Häuptling, der neben dem Bette der todtkranken Marh ſaß, zeigte ganz das Aeußere eines vornehmen Indianers, und doch lag in ſeinem Geſichte, ſowie in ſeiner ganzen Perſon Etwas, das durchaus auf einen andern, als indianiſchen Urſprung hindeutete. Einen ſolch' hohen und ſtattlichen Wuchs, eine ſolch' athleti⸗ ſche Körperausbildung, eine ſolch' breite, Stirne, und insbeſondere, ein ſolch' klares, entſchloſ⸗

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