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übrigens daran Vieles oder nur Weniges wahr ſein, ſo galt es jedenfalls als eine ausgemachte Thatſache, daß er auf der andern Seite des Miſſiſſippi eine über— aus große Bande von Kriegern aus den verſchiedenen Stämmen der Wyandots, der Miamies, der Pottowa⸗ tomies und der Shawanies unter ſeinem Commando vereinigt habe, und daß nunmehr kein einziger der übrigen Indianerhäuptlinge ihm an Macht gleichkomme.
Was Wunder alſo, wenn John bei Nennung dieſes
Namens nicht wenig zuſammen fuhr, und wenn die alte Indianerin für die Zukunft ſowohl von ihm, als auch von ſeinem Vater, dem er natürlich von der Sache Mittheilung machte, unbeläſtigt blieb? Man war ja in Kentucky äußerſt froh, wenn das tapfere Weißauge über dem Miſſiſſippi drüben blieb, und wollte ihm auch nicht den geringſten Anlaß geben, auf
die linke Seite des Stromes zu den weißen Anſiedlern
herüberzukommen!
Auf dieſe Art und Weiſe verlebte man auf Eſtills Station die Jahre vom Sommer 1778 bis zum Som⸗ mer 1781, allein nun ſollte es plötzlich anders wer⸗ den.
und der bekanntlich damit endigte, daß die Unabhängig⸗ keit der„Vereinigten Staaten“ anerkannt werden mußte, hatte bis jetzt Kentucky wenig oder gar nicht berührt.
Spielte er ja doch hauptſächlich in den Staaten und
Gegenden, welche dem atlantiſchen Ocean entlang lagen, während das weniger bevölkerte Innere des Landes von Freund und Feind faſt ganz unbeläſtigt blieb! Deß— wegen aber ergriffen die Bewohner dieſes Innern den⸗ noch ebenfalls ſämmtlich ohne Unterſchied Parthei und hielten es entweder mit den Engländern, als den recht⸗ mäßigen Herren und Gebietern, oder aber mit den empörten Coloniſten, die das drückende Joch abwerfen wollten, ſo daß auch hier überall, ſowohl auf dem Lande als in den Städten, wenn gleich kein offener
ſo doch Haß und Zwietracht herrſchten. Das Traurigſte übrigens bei all' dieſen Händeln war die Art und Weiſe, wie man ſich gegenſeitig befehdete, denn man ging einander keineswegs mit blos ehrlichen Mitteln, ſo wie mit denjenigen Waffen, welche in civiliſirten Ländern zu Hauſe ſind, auf den Leib, ſon⸗ dern man ſchreckte vielmehr vor gar nichts zurück, das möglicherweiſe zum Ziele führte. Insbeſondere beſtrebte man ſich auf beiden Seiten, auf der revolutionären wie auf der engliſchen, die wilden Indianer für ſich zu gewinnen, und durch dieſelben Mord und Brand, wenn nicht gar etwas noch Schlimmeres in die Woh⸗ nungen der Gegner tragen zu laſſen. Ja man brachte es, ſei's durch Geſchenke, ſei's durch Ueberredung, ſei's durch andere Mittel, auch wirklich ſo weit, daß dieſe armen Menſchen, die doch gewiß kein Intereſſe dabei hatten, ob die empörten Coloniſten oder die Engländer Herr würden, ſondern in deren Vortheil es vielmehr gelegen geweſen wäre, die ſtreitenden Parthien ſich ge⸗ genſeitig aufreiben zu laſſen, damit das ganze Land wieder an die Ureinwohner zurückfalle,— daß, ſagen wir, faſt ſämmtliche Rothhäute thatſächliche Parthie ergriffen, und ſich, mochten ſie auf dieſer oder auf jener Seite ſtehen, mit einer Wuth und Grauſamkeit in den Kampf ſtürzten, als ob es ſich nur allein um ihr eigenes Wohl und Wehe handle! Dieſe Parthei⸗ ergreifung der Indianer, oder vielmehr ihre Anwer⸗ bung ſei's in engliſchen, ſei's in amerikaniſchen Dienſt,
Der lange Krieg nämlich, welcher in jener Zeit zwiſchen Nordamerika und Großbritannien geführt wurde
fiel jedoch nicht gleich in die erſten Jahre des Kriegs, ſondern begann eigentlich erſt in der Mitte deſſelben, denn— natürlich— man ſcheute ſich anfangs, zu einem ſolch' barbariſchen Mittel, das mit nichts ande— rem verglichen werden konnte, als mit dem Loslaſſen eines eingeſperrten Tigers oder Wolfs, zu greifen. Allein wie man den erſten Schritt einmal gethan hatte, ging man mit jedem Jahre weiter, und ſandte Anno 1781 ſogar in die ganz weſtlich am Miſſiſſippi gele⸗ genen Diſtrikte Werber, um die dort hauſenden In⸗ dianer für ſich zu gewinnen. Im Anfang nun hat⸗ ten dieſe Werbungen keinen ganz günſtigen Erfolg, und zwar kam dies hauptſächlich daher, daß die beiden großen Häuptlinge Hengunpuſchies oder die ſtarke Wild⸗ katze, und ſein Tochtermann Wikokalendies oder das Weißauge von einer Betheiligung am Kriege der weißen Männer unter einander keinen Antheil nehmen wollten; allein im Sommer deſſelbigen Jahres kam es vor, daß eine Anzahl Kentuckyiſcher Anſiedler angeblich wegen eines Pferdediebſtahls, der an Einem von ihnen be— gangen worden war, ein friedliches Indianerdörflein, das auf der linken Seite des Miſſiſſippi lag, ſtürm⸗ ten, und nun war es mit der Neutralität der beiden großen Häuptlinge auf einmal vorbei. Die Indianer des geſtürmten Dörfleins nämlich gehörten der Nation der Miamies an, deren Hauptſtamm auf der andern Seite des Stroms ſeine Lagerplätze beſaß, und folglich begehrte jetzt die ganze Nation, zur Rache geführt zu werden. Waren ja doch bei jenem Sturme ſogar Weiber und Kinder, die doch jedenfalls keine Schuld an dem vorgeworfenen Diebſtahl treffen konnte, kalt⸗ blütig maſſacrirt und dem Tode geweiht worden, ſo daß der Ruf nach Rache als ein vollkommen gerecht⸗ fertigter erſchien! Weil nun aber die weißen Anſiedler in Kentucky ſämmtlich zu den empörten Coloniſten hielten, ſo konnte nichts natürlicher ſein, als daß ſich die beiden Häuptlinge der vereinigten Miamies, Wyan⸗ dots, Pottowatomies und Shawannies zur Gegenpar⸗ thie, d. h. zu den Engländern ſchlugen, und in feier⸗ licher Rathsverſammlung den Krieg gegen die rebelli⸗ ſchen Amerikaner erklärten. Die Kunde hievon flog wie ein Lauffeuer durch ganz Kentucky, und es ent⸗ ſtand ſofort die größte Aufregung unter den Männern, während die Frauen und Kinder von einer unſäglichen Angſt ergriffen wurden. Waffenlärm ertönte nun all⸗ überall und allüberall flüchtete man das Werthvollſte, das man beſaß, insbeſondere aber auch die wehrloſen Kinder und Frauen in die wenigen Forts, die im Lande herum zerſtreut lagen und dereinſtens gegen die wilden Indianer zum Schutze der Anſiedler errichtet worden waren; die Vertheidigung dieſer Forts aber, die man ſo ſchnell als möglich verproviantirte, über⸗ nahmen die Plantagenbeſitzer und Farmer, welche den⸗ ſelben zunächſt wohnten.
So ſtand es im Auguſt des Jahres 1781 in Ken⸗ tucky, und daß in Folge deſſen auch auf Eſtills Sta⸗ tion die größte Verwirrung herrſchte, kann man ſich wohl denken. Ja hier war die Verwirrung noch weit größer, als anderswo, denn es trat noch ein beſonde⸗ rer Umſtand hinzu, der mit tiefſtem Gewicht in die Wagſchale fiel. Zwar allerdings befand ſich nur etwa zehn Stunden entfernt ein ſtarkes Fort,„Bryants⸗ Fort“ geheißen, in welches ſich ſofort die ganze Nach⸗ barſchaft flüchtete, allein die arme Mary, die Fran des wilden John, lag um dieſe Zeit von tödtlicher


