Teil eines Werkes 
Band 1
Seite
55
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ſenes Auge traf man ſonſt nicht unter den Eingebore⸗ nen Amerikas! Der Eindruck, welchen der in ſeinem kriegeriſchen Schmuck prangende Fremdling auf die arme

als ob es erſt geſtern geweſen wäre,

Leidende machte, war daher ein keineswegs erſchrecken-

der, ſondern im Gegentheil kam ein eigenes Gefühl des Zutrauens und der Sicherheit über ſie, je auf⸗ merkſamer ſie auf ihn hinblickte, und je länger ſie ſein Auge auf ſich georähle ſah.

lard⸗ unterbrach endlich der rothe Krieger das Stillſchweigen in gutem gewähltem Engliſch, aber in enen Tone, der den melancholiſchen Ernſt des In⸗ dianers nicht verleugnen konnte;Mary, kennſt du mich nicht mehr?

Erſtaunt, verwirrt, erſchreckt fuhr die Kranke zu

ſammen, als ſie den Laut dieſer Stimme hörte; aber ſie war nicht im Stande, etwas zu erwiedern, ſondern

hielt nur ihre Augen feſt auf ihn gerichtet, als wollte ſie ſein Innerſtes durchdringen.

Mary, wiederholte der Fremdling mit demſelben Ausdruck in der Stimme, wie zuvor;Mary, ſoll⸗ teſt du wirklich den Simon Girty ganz vergeſſen haben?

Simon Girty? ſchrie die Kranke in ſchrillem Tone, ſich trotz ihrer furchtbaren Schwäche in ihrem Bette halb aufricgtend.Du, du wäreſt Simon Girty?

Sie ſtarrte ihn an, wie ein Weſen aus der ande⸗ ren Welt, und Minuten vergingen, bis ihr endlich das richtige Verſtändniß kam. Dann aber verklärte ſich ihr ganzes Geſicht zu einem unendlich ſeligen Lächeln, und die mageren Hände faltend ſank ſie auf ihr Lager zurück, leiſe Worte des Dankes hauchend.

Es dauerte eine geraume Zeit, bis ſie ſich wieder in Etwas erholte; dann aber reichte ſie ihm beide Hände und ſchaute ihm ſo herzlich liebevoll in's Antlitz, daß ihm faſt die Thränen in die Augen kamen. Ja, lächelte ſie,ja, du biſt Simon Girty, und trotz der Verkleidung, die du wählteſt, erkenne ich dich ſwieder. Nun, o Vater im Himmel, ſterbe ich gerne, denn mein megeg. ſchweres Leiden hat nun doch we⸗ nigſtens Eine Frucht getragen, das Leben deſſen, den ich auf Erden allein geliebt habe. Aber Simon Girty, theurer, theurer Freund, fuhr ſie nach einer aberma⸗ ligen Pauſe fort,warum haſt du in dieſen langen Jahren nicht ein einziges Wort von dir verlauten laſſen?

Durfte ich mich denn dir nahen, erwiederte er leiſe,dir, dem Weibe eines Andern? Aber jetzt, fuhr er in lautem entſchloſſenem Tone fort,jetzt, wo er, dein Gatte, dem du hätteſt theurer ſein ſollen, als das Leben, jetzt, wo er ſelbſt dich verlaſſen hat, jetzt will ich und darf ich ſprechen. bereit, mich anzuhören?

Jch bins, entgegnete ſie,und Gott wird mich noch ſo lange am Leben erhalten, bis du mit deiner Erzählung zu Ende gekommen.

Höre und dann richte, ſprach er.Du weißt, daß ich abweſend war, als deine Mutter ſtarb. So wie ich aber nach der Heimath zurückgekommen erfuhr, was ſich zugetragen, entſchloß ich mich ſchnell und reiste dir nach in deine neue Heimathe nach Kentucky. Dort traf ich dich im Hauſe deines Oheims, und er ſowie

wältigte mich beinahe

Vpon da an verlor ich das Bewußt

mit welch' beſeli⸗ gendem Gefühle ich nach der Hütte zurückritt, die ich mir einſtweilen errichtet hatte, und dort entſchlief ich in der Gewißheit, nach wenigen Wochen, wenn ich meine Angelegenheiten in Charlottepoint geordnet, als dein Gatte mich in der Nähe von Eſtills Station nie⸗ derzulaſſen. Da plötzlich in der Nacht erwachte ich an einem lauten Geräuſch, und wie ich mich erheben wollte, um darnach zu ſehen, erhielt ich einen Schlag über den Kopf, der mich wieder auf mein Lager zu⸗ rückwarf. Es gelang mir jedoch, mich abermals auf⸗ zuraffen und ſogar eine meiner Piſtolen zu erfaſſen. Ich feuerte dieſe blindlings ab, und beim Blitze des Pulvers erkannte ich deinen Oheim und deſſen Sohn, welche nun mit ihren Meſſern auf mich los gingen. Jetzt ſtieß ich einen lauten Schrei aus, denn die Ueber⸗ raſchung, in ihnen meine Angreifer zu ſehen, über⸗ , ſie aber benützten dieſen Augen⸗ um mir ihre Dolche in den Leib zu ſtoßen. ſein, und kann deß⸗ halb lediglich nicht mehr ſagen, was unmittelbar dar⸗ auf mit mir vorgenommen wurde; nur iſt es mir noch wie ein Traum erinnerlich, daß ich deine Stimme hörte und ſogar deine Geſtalt ſah, aber ſo ſehr ich auch nachher mein Gedächtniß anſtrengte, ſo wollte es mir doch nie gelingen, mir ein deutliches und klares Bild darüber zu machen. Eben ſo unklar ſind meine ſpä⸗ teren Erinnerungen, und nur Ein Moment blieb mir unvergeßlich, uämlich der, daß ich mich bei meinem plötz⸗ lichen Erwachen nackt auf den Rücken eines Pferdes angebunden fand, das mit mir in den heftigſten Sätzen

blick,

dahinflog; doch Schmerz und Blutverluſt ſtürzten mich

Mary, biſt du

ſein Sohn nahmen mich ſo freundlich auf, daß ich bereits hoffte, unſerer künftigen Verbindung könne nichts

Ich erinnere mich noch heute, 4

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ſogleich wieder in die Nacht der Bewußtloſigkeit, und in dieſem Zuſtande muß ich nicht blos verſchiedene Tage, ſondern mehrere Wochen zugebracht haben. Als ich nun aber endlich meiner Denkkraft wieder mächtig wurde, wo befand ich mich? In einem Indianerzelte auf weichen Decken liegend unter der Obhut eines al⸗ ten Mannes, welcher, wie ſich nachher herausſtellte, der Medicinmann des Stammes der Miamies war, und durch deſſen Kenntniſſe ich allein dem ſonſt ſiche⸗ ren Tode entriſſen wurde! Wie war ich dahin gekom⸗ men? Ich will mich kurz faſſen und es in wenigen Worten erzählen. Der Stamm der Miamies hatte damals noch ſeine Jagdgründe auf dem linken Ufer des großen Stromes, und als nun eines Tags Hen⸗ gurpuſchies, der Häuptling keeſe enh mit ſeinen jun⸗ gen Männern dem Biffelthiere nachſtellte, ſahen ſie auf einmal ein lediges Pferd auf der Ebene daherſtür⸗ men. Das Pferd ſchien völlig erſchöpft, aber doch rannte es wie wahnſinnig vorwärts, als ob es von einem böſen Geiſte getrieben würde. Schaum ſtand ihm vor dem Munde, und von ſeinen beiden Seiten tröpfelte es wie ein kleiner Blutbach herab; allein deß⸗ wegen hielt es doch nicht inne, ſondern rannte fort und fort einem Raſenden gleich, bis es endlich vor ihren Füßen todt zu Boden ſtürzte. Jetzt erſt entdeckten ſie den Grund ſeiner Tollheit, denn ſie fanden nun einen nackten Menſchen, der anf ſeinen Rücken feſtgeſchnallt war, und aus dem alles Leben entflohen ſchien. Die⸗ ſer anſcheinend Todte war ich, allein wie ſie meinen

Leib nun näher unterſuchten, ſo zeigte es ſich, daß er

noch warm ſei. Sie ſchnitten die Bande durch, durch

welche ich an das Roß feſtgeſchmiedet war, machten

eine Tragbahre zurecht, und brachten mich auf die ſorg⸗