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„Er iſt nicht ſein Mörder,“ ſprach der alte Eſtill, jedes ſeiner Worte beſonders betonend,„aber er wird es werden, wenn du dich weigerſt, mein Verlangen zu erfüllen, denn ich ſchwöre dir bei den Gebeinen meines Vaters, und dieſen Schwur habe ich noch nie gebrochen, daß Simon Girty jetzt auf der Stelle ſterben muß, falls du in der nächſten Minute nicht Ja geſagt haſt.“ hnſt. Her Gott im Himmel oben,“ rief das arme, zum Tode geängſtete Mädchen,„Herr Gott, ſtehe mir bei in meiner Noth.“
„John, nimm dein Meſſer,“ ſagte der alte Eſtill mit furchtbarer Kälte,„und nun Mary, Ja oder Nein?“
„Ja,“ ſchrie das Mädchen, ſicht mit beiden Händen bedeckte. knickte es wie eine gebrochene Lilie bewußtlos auf den Boden nieder.
„Und nun?“ fragte John, der das Meſſer gezückt in der Hand hielt.
„Nun ſteckſt du dein Meſſer wieder ein,“ erwiederte der Alte gelaſſen, und nimmſt ſofort deine Braut auf den Arm, um ſie in unſere Behauſung zu tragen.“
„Und du?“ fragte der Sohn weiter.
„Ich bleibe einſtweilen bei dem Verwundeten, um ſeine Wunden zu beſorgen,“ entgegnete der Vater höh⸗ niſch.„So nämlich wirſt du zur Mary ſagen, wenn ſie etwa zu ſich felbſt kommen ſollte! Haſt du ſie aber in unſerem Hauſe ihrer Dienerin übergeben, ſo eilſt du, ſo ſchnell du kannſt, hierher zurück, denn unſer Geſchäft iſt noch nicht ganz zu Ende.“
John that, wie ihm befohlen war. Mit leichter Mühe lud er ſeine ſchmächtige Couſine auf den Arm und trug ſie der Heimath zu; der Alte aber ſetzte ſich neben den Verwundeten auf den Boden und ſtützte den Kopf in die Hand, als hätte er tief nachzudenken. Nach einer halben Stunde jedoch ſchien er vollkommen denn er lachte der etwas recht Kluges
indem es ſich das Ge— Gleich darauf aber zuſammen und ſank
ſtill vor ſich hin, ausgeheckt hat.
„Auf dieſe Art geht es,“ murmelte er,„denn ich kann ihr dann jeden Eid, den ſie verlangt, ſchwören, daß ihm nichts weiter zu Leid gethan worden iſt, ſon⸗ dern daß er vielmehr auf ſeinem eigenen Gaule die Weiterreiſe angetreten hat. Nun wohl bekomm ihm dieſe Reiſe,“ ſetzte er darauf mit einem teufliſchen Grinſen hinzu.
Kaum war er mit dieſem Selbſtgeſpräche fertig, ſo ſtand er auf und ſchnitt ſich mit ſeinem Meſſer eine ziemliche Menge von ſtarken Binſen ab, die in großer Anzahl in der Nähe wuchſen, die Binſen aber fing er an in dicke Seile zuſammen zu flechten, u wenn er vorhätte, irgend ein ſtarkes Thier zu feſſeli Natürlich begers verwandte er dabei din Auge vun dem Verwundeten, damit er ſogleich bereit ſei, derſelbe etwa aus ſeiner Bewußtloſigkeit erwache, und ſo vergingen mehrere Stunden, bis endlich John wie⸗ der auf den Platz zurückkehrte.
„Nun?“ fragte jetzt der Alte.
„Sie iſt aufgewacht,“ erwiederte der Sohn,„und ich ſagte ihr, was du mir zu ſagen befohlen.“
„Gut,“ fuhr der Alte fort.„Jetzt geh' hinter die Hütte, wo das Roß des Mannes da angefeſſelt ſtebt, und binde demſelben eine ſtarke Gurte um den 1 Leib, während ich hier vollends den letzten Strick flechte.
wie Einer,
wenn
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Hüte dich aber wohl, es loszulaſſen, denn ſouſt würde mein ganzer Plan vereitelt.“
John ging, die Befehle ſeines Vaters auszuführen, kehrte aber ſchon nach kurzer Zeit zurück, das Ge⸗ ſhrhene dieſem anzuzeigen.“
„Vortrefflich,“ ſagte der Alte,„und nun ſteh' mir bei, den Mann da auszukleiden.“
Auch dies war in wenigen Minuten geſchehen; nicht, ohne daß der Unglückliche, als er ſanft berührt wurde, laut eufgeſeuß hätte.
„Jetzt nimm ihn an den Füßen, wihrend ich ihn am Kopfe halte,“ befahl der Alte weiter,„und nun fort mit ihm auf den Gaul hinauf, aber nicht als Reiter, ſondern als Waarenballen. Hoho, John, be⸗ greifſt du jetzt?“
John begriff und lachte wild auf vor Freude. So hoben ſie denn den Armen auf und legten ihn der Länge nach auf das Pferd; dort aber banden ſie ihn mit den Binſenſeilen ſo feſt, daß er unmöglich herab⸗ fallen konnte.
„Nur die Stricke noch tüchtig angezogen,“ rief der alte Eſtill,„und die Arme an den Hals, die Füße aber an die Weichtheile angeſchnallt! So iſt's gut, und nun noch einen ſtarken Strick um den Leib, denn das Roß wird gar ſonderbare Manövres machen, ſobald es die ungewohnte Laſt auf ſich ſpürt, und wenn wir ihn daher nicht über die Maßen feſt anbinden, ſo ſtreift es ihn an einem Baume ab, oder wälzt ſich mit ihm auf dem Boden herum, bis es ihn los hat. Ja ſtöhne nur, du neuer Mazeppa, oder wie ſonſt der Koſacken⸗ hetman hieß, den man auf ähnliche Art angebunden durch die Ukraine jagte; aber glaube mir, ſo gut wird dirs nicht, wie's Jenem geworden iſt, ſondern wenn dich das Roß ein paar Tage lang herumgetragen hat, ohne daß ein Tropfen Waſſers deine lechzende Zunge benetzte, ſo biſt du ſo ſicher eine Leiche, als du jetzt noch ein lebender Menſch biſt, oder wenn du je noch athmeſt, ſo werden die Geier und Aaskrähen bald ein Ende mit dir gemacht haben.“
Hat nun der Leſer ebenfalls begriffen, wie die grauſamen Quälgeiſter mit dem armen Simon Girty verfuhren? Schrecklich, ſchrecklich— doch das Aller⸗ ſchrecklichſte kam erſt! Als nämlich), während der Ver⸗ wundete gar entſetzlich ſtöhnte, die gräßliche Arbeit ge⸗ than war, riß der alte Eſtill ein Stück Tuch von ſeiner Kleidung ab, rieb daſſelbe tüchtig mit Pulver aus ſeinem Pulverhorn ein, ſchlug dann Feuer und zündete es an.
„Nun merk' auf, John,“ flüſterte er jetzt mit einem heißeren Lachen.„In demſelben Augenblicke, in welchem ich den brennenden Fetzen dem Roſſe in's Ohr ſtopfe, entledigſt du es ſeiner Halfter, und dann wirſt du ſehen, was es für Sprünge macht.“
Noch ein Moment und es geſchah, wie der Alte vorausgeſehen hatte. Sobald nämlich das Thier den Schmerz des brennenden Schwamms fühlte, ſchlug es wild aus und rannte dann mit ſeiner Laſt auf dem Rücken in der wahnſinnigſten Eile in die Ebene hinein. In demſelben Augenblicke aber kam der Verwundete zum Bewußtſein und ſtieß einen furchtbaren Schrei aus!
„Den ſind wir los für immer und ewig,“ ſagte nun der alte Eſtill kaltblütig,„und können doch be⸗ ſchwören, daß wir ihm nicht an's Leben gegangen ſind. Aber nun komm' nach Hauſe, denn deine Trauung muß heute noch ſtattfinden.“—
doch ſo gar un⸗


