Teil eines Werkes 
Band 1
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liens Mädchen darauf, die gelben Rüben lang zu ſchnei⸗ den, während ſie dochwürflicht geſchnitten werden mußten. Kein Wunder, daß Amalie an einem ſolchen Orte ſich wie verrathen und verkauft vorkam, und in Herzensangſt nach ſchweſterlichem Beiſtand verlangte. Er wurde ihr, Auguſte kam zuerſt, Linchen löste ſie ab, zuletzt ließ ſelbſt Cornelia ſich herbei, Schwager und Schweſter mit einem Beſuche zu beehren, eine Gunſt, welche allerdingsdie Frau Günthern beſſer zu ſchätzen wußte, als der Stabsſekretär. Erdmuthe kam nicht. Auch war ihr ein Beſuch gar nicht erſt vorgeſchlagen worden, man wußte, ſie grolle dem armen Stabsſekretär noch immer, daß er Amalie hinwegge⸗ nommen, Amalie, die doch von Rechtswegen der Familie gehörte. Der arme Günther ſollte das ihm beneidete Gut nur zu bald zu erſtatten haben.

Er war ſehr betrübt, daß er von mir fortmußte, antwortete Amalie, die nicht recht wußte, ſollte ſie auch betrübt ſein, weil ſie von Günthern getrennt war, oder vergnügt, weil ſie dadurch wieder zu den Ihrigen kam.

Du machſt dir doch nicht etwa Gedanken darüber, daß du nicht mit ihm gezogen biſt? fragte Erdmuthe. Das wäre ſchön geweſen, wer hätte dich in deinem Zuſtand pflegen ſollen? Nein, bei uns da biſt du gut aufgehoben, ſchloß ſie zufrieden, und geleitete Amalie in das Haus, an deſſen Eingang die andern Schweſtern ſie empfingen, umarmten, ſich ihrer freuten und ſie end lich hinauf zur Mutter begleiteten, welche, eben ſehr leidend, nicht hatte herunter kommen können.

Und was ſagſt du denn dazu, Frau Günthern wir haben jetzt eine andere Braut! ſprach, als Amalie zum Sitzen gelangt war, triumphirend Erdmuthe, die

ſich der wiedererlangten Schweſter ausſchließlich be⸗

mächtigte.

Hechstes Kapitel. Wieder im Elternhauſe.

Ungefähr elf Monate nach der Hochzeit Amaliens

beim Anfang des Herbſtwerdens und gegen die Zeit ſagen will, bemerkte Auguſte, ihre Befangenheit unter

des Abendwerdens auch, gab es in dem Thurmhauſe

eine ungewöhnliche Bewegung, an welcher ſich jedoch doch Guſtchen die Aelteſte iſt, ſtotterte die arme Frau

zumeiſt die Mutter und von den Schweſtern Auguſte,

Erdmuthe und Tinchen betheiligten, während Cornelia

und Linchen zuſammengedrängt an einem Fenſter des Erkerzimmers ſaßen und über Dinge ſprachen, welche ſie, d. h. Cornelia näher angingen, als die an dieſem Tage erwartete Heimkehr Amaliens in die Vaterſtadt und in das Vaterhaus.

Der altmodiſche Wagen aus derkleinen Stadt,

wo Günther zuletzt in Garniſon geweſen war, polterte,

hochbeladen, über das holprige Pflaſter dergroßen Stadt und vor die Thür des Thurmhauſes. Amalie, die allein darinnen ſaß, ſtieg etwas mühſam aus, es war nicht leicht zwiſchen den Packeten und Schachteln, welche ſie einhegten, hervorzukommen und überdies er⸗ wartete ſie in drei Monaten ihre Niederkunft. Auf

der Erde angelangt, fand ſie ſich von Erdmuthe umfaßt,

die ſie ſo warm küßte, als hätte ſie ihr und dem Stabsſekretär nie gegrollt. leidenſchaftliche Kinderfreundin wie ſie eine unverſöhn⸗ liche Ehefeindin war. Sie ſagte öfter:wenn ich nur Kinder haben könnte, ohne einen Mann nehmen zu

müſſen, da das nun doch nicht anging, liebte und

pflegte ſie unermüdlich alle fremde Kinder, deren ſie, wenn gleich auf Stunden nur, habhaft werden konnte. Indeſſen mußte es doch immer ſchöner ſein, ein Kind zum Lieben zu haben, welches ihr gewiſſermaßen ge⸗ hörte, und daß Amalie ihr in dem zu hoffenden Neffen oder der zu erwartenden Nichte dieſe Ausſicht gewährte, machte ſie Erdmuthen für den Augenblick theurer als alle andern Schweſtern, das vorgezogene Linchen und den allgemeinen Verzug Cornelia nicht ausgenommen. Ja, Erdmuthe verzieh um des Kindes willen ſogar dem Stabsſekretär die Zudringlichkeit, daß er durchaus ihr Schwager hatte werden wollen, um ſo mehr, da er

jetzt das große Verdienſt hatte, um zwanzig Meilen weiter verſetzt worden zu ſein, und folglich Erdmuthe.

nicht ein Mal durch die Möglichkeit ſeiner Gegenwart zu behelligen. Auch fragte ſie nach einem inbrünſtigen:

na, Gott ſei Dank, daß du wieder da biſt! mit her⸗

ablaſſender Milde:wie geht's denn Günthern?

Erdmuthe war eine ebenſo

Amalie, welche bisweilen von der älteſten Schweſter

V halbe Geſtändniſſe über ihre Gefühle für den Proviſor

empfangen hatte, rief unvorſichtig:gewiß die Guſtchen. Wie kommſt du denn auf die Guſtchen? fragte mißtrauiſch Muthchen.Ich weiß nicht, was ſie

Würde verbergend.Ich, ich meinte nur ſo, weil

Günthern, der es ſelbſt mit Nothlügen nie recht hatte glücken wollen.

Erdmuthe nahm Cornelie bei der Hand und ſtellte ſie vor Amalie hin.Da, ſagte ſie triumphirend

wie vorher,ſieh ſie dir an, Frau Günthern; unſere Cornelia iſt ſo gut wie verlobt mit dem Herrn von

Tannenhof. Die Frau Günthern wunderte ſich und wunderte ſich nicht. Von Tannenhof ſo eine alte Familie,

und reich gewiß auch aber freilich Cornelia das war ſehr erklärlich.

Herr von Tannenhof war Lieutenant, Adjutant, wohnte im Hauſe, war ſeit ungefähr drei Monaten in der Stadt, hatte ſich gleich beim erſten Anblicke in Cornelia verliebt und vor acht Tagen mit den Eltern über ſie geſprochen. Nun kam es bloß darauf an, daß ſein Vater in Kenntniß geſetzt werde und ſeine Ein⸗ willigung gebe.

Wird er ſie denn geben? gierig. Ih, das wäre mir, wenn er nicht wollte! rief Erdmuthe.Tannenhof hat es geſagt: da braucht er Cornelia nur ein einziges Mal zu ſehen.Ja, da hat er Recht, beſtätigte Amalie mit voller Ueber⸗ zeugung. Cornelia hatte lächelnd ſtillgeſtanden und ſich als Braut erklären laſſen. Jetzt wurde ſie auf einmal lebendig, denn Herr von Tannenhof trat ein. Es war ein junger ſchlanker Mann, vornehm von

fragte Amalie neu⸗

Betragen, einfach gut von Anſehen. Er hatte alle die damaligen neuen Vorurtheile gegen Standesunterſ iede, träumte von Allerweltsgleichmachung und liebte in Cor⸗

nelia nicht nur ſie ſelbſt, ſondern auch die Tochter eines bürgerlichen Hauſes. Wäre ſie noch mehr unter ihm von Herkunft und wo möglich ganz arm geweſen, es hätte ihn noch glücklicher gemacht. Wie ſie war, nahm

ſie ſeine ganze Seele ein, Cornelia ihrerſeits liebte ihn

mit der erſten Neigung ihres ſo leidenſchaftlichen Na⸗ turells, und die Begrüßung der beiden Liebenden, welche

durc wur ſi Di freud auf verſt Gede du iſt als