gnügter tönender Stimme;„ich präſentire mich Ihnen als künftiger Schwager und bitte allerſeits um freund⸗ ſchaftliche Gewogenheit.“
Ein Donnerkeil hätte kaum erſchreckender zwiſchen die Schweſtern fallen können, als dieſe Verlobungsan⸗ kündigung. Was, Malchen als die erſte von ihnen verlobt? Malchen, die noch nie einen Anbeter gehabt hatte und nun gleich einen Mann bekommen ſollte?
Freilich, der Mann ſtand ihnen nicht an, keine einzige hätte ihn„gemocht“. Für Malchen— nun, da mochte
er„angehen“, obgleich er den Mamſellen als Schwager nicht recht war. Das Alles wirbelte in ihren jungen Köpfen hin und her, während ſie ſich mechaniſch von den Stühlen erhoben und ebenſo mechaniſch Gratula⸗ tionsknixe machten. heran, küßte Malchen unter feierlicher Umarmung, machte dem neuen Herrn Schwager einen neuen Knix und hielt dann dem Brautpaar gemeinſam eine ihrer zierlichen Reden, worauf auch Linchen und Cornelia ſich näherten und mit Worten Glück wünſchten. Sie hatten nun ſo viel Faſſung gewonnen, um ſich der
Endlich faßte Auguſte ſich, kam
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Amalie hatte in ihrer Demuth nie daran gedacht, man könne ſie heirathen wollen. Die Schweſtern wohl, bei denen war es erklärlich, daß Freier kamen, es wäre nur unerklärlich geweſen, wenn ſie ausgeblieben wären. Aber ſie, Malchen aus der Küche, Malchen mit den ſchiefſitzenden Kragen und den ſchiefhängenden Tüchern, Malchen, die immer ausgelacht wurde, wenn ſie einen Brief ſchrieb, indem ſie niemals ſo recht hinter die Geheimniſſe der Rechtſchreibnng zu kommen vermochte, Malchen geliebt und gefreit,— das war ihr ſelbſt im Traum nie eingefallen. Und nun war ſie gar die Erſte, um die geworben, die Erſte, die Braut wurde; einem Menſchen, noch dazu einem allgemein geſchätzten Manne, war ſie das Liebſte auf der Welt, ſie, die bis⸗ her Allen das Letzte geweſen war. Wenn Amalie bei dieſer Erfahrung eine kleine, die allerkleinſte, allerun⸗ ſchuldigſte Anwandlung von Eitelkeit empfand, wenn ſie ſogar ſo weit kam, ſich ihren Schweſtern als eben⸗
bürtig zu betrachten, wenn ſie vor Allem feſt an dem werthen Bräutigam hielt und ihn nicht hingegeben
Schicklichkeit gemäß freuen zu können. Erdmutha war
zum Glück nicht da, ſonſt wäre die„Präſentation“ und „Gratulation“ ſchwerlich ſo friedlich abgegangen. Lin⸗ chen kam leiſe zu Amalien herangeſchlichen und flüſterte ihr zu:„ſiehſt du, Malchen, die Schweſtern haben doch recht gehabt.“ Amalie ſah die Kleine freundlich an und flüſterte zurück:„du weißt's ja, ſie ſind immer klüger als ich.“ Der Stabsſekretär wollte wiſſen, wo⸗ von ſo heimlich die Rede ſei. Amalie erzählte es ihm ehrlich, während Tinchen ſich ſchämte und entſchlüpfen wollte. Aber ſie wurde feſtgehalten und mußte von dem neuen Schwager den erſten Kuß dulden, den je ein Mann außer ihrem Vater auf ihre feine Wange gedrückt hatte.
Fünftes Kapitel. Die Frau Günthern.
Als Erdmuthe am Abend aus einem der Gärten zurückkam, wo ſie das Abnehmen von Birnen beauf⸗ ſichtigt hatte, brach der Sturm los, dem Amalie am Nachmittag entgangen war. Die junge Gegnerin der Ehe weinte, als ſollte die Schweſter zur Schlachtbank geführt werden, erklärte zwanzig Mal, ſie wolle nicht den Stabsſekretär zum Schwager, wolle überhaupt keinen Schwager und im Hauſe weder Braut noch Heirath, geberdete ſich mit einem Worte ſo ungeberdig, daß zu⸗ letzt der Kammerſchreiber einſchreiten und ſie zur Ruhe verweiſen mußte. Die arme Amalie aber hatte darum doch noch keine Ruhe, denn Erdmuthe fing, als die Mädchen in ihren Schlafzimmern waren, die alle zu⸗ ſammenhingen, von Neuem wieder an. Zum erſten Male indeſſen fand ſie bei Amalien etwas Anderes als Nachgiebigkeit. Das gute Mädchen wurde nicht böſe, weil ſie das mit dem beſten Willen nicht konnte, es betrübte ſie auch herzlich, daß Erdmuthe ihretwegen ſo weinen müſſe, aber an ihrem Stabsſekretär hielt ſie feſt.„Er war gut und ſie war ihm gut,“ dabei blieb ſie unerſchütterlich, und Erdmuthe konnte zuletzt Nichts weiter thun, als die Nacht durch wach da liegen und ſich über die Verkehrtheit der Mädchen ärgern, die durchaus Männer haben wollten, gleichviel ob alte oder junge. 8
hätte, auch wenn alle„Mädchens“ Erdmuthen im Weinen Geſellſchaft geleiſtet hätten, ſo waren ihr dieſe ungewöhnlichen Empfindungen ſämmtlich zu vergeben. Die Schweſtern indeſſen weinten nicht, die friſchen vernünftigen Kinder ſchliefen friedlich um die neue Braut her, welche ihrerſeits den Schlaf eines guten Gewiſſens und einer geſunden Natur fand.
Die erſte Ausſtattung, welche in einem Hauſe ge⸗ arbeitet wird, bringt als etwas Neues eine Art feſt⸗ licher Aufregung in den gewöhnlichen Lebensgang, und die, für welche ſie beſtimmt iſt, wird während der Dauer der Arbeit unwillkürlich zum Mittelpunkt der Familie. Malchen nahm ſich als ſolcher ebenſo wun⸗ derſam aus, wie ſie ſich ſelbſt vorkam. Sie fand ſehr bald, daß es eigentlich zu viel Ehre für ſie ſei. Die Mutter beruhigte ſie darüber,„du haſt ſo viel für uns gearbeitet,“ ſagte ſie,„daß wir wohl auch einmal für
dich arbeiten können.“ Amalie wußte darauf vor dank⸗ barer Verwirrung kein Wort zu erwiedern, nur zu
Alle ſehr gut gegen mich.“—
ihrem Bräutigam äußerte ſie:„eigentlich ſind ſie doch „Nicht mehr als ſie verdienen, liebe Amalie,“ war ſeine Antwort. Amalie überlegte es ſich nun wiederum, wie ſie es wohl ver⸗
diene, daß der Bräutigvm für ſie Nichts zu viel finde,
und gelangte abermals zu dem Schluß:„der Stabs⸗ ſekretär ſei doch ſehr gut gegen ſie.“ Zu andern Ent⸗ deckungen kam die glückliche Amalie während ihrer Brautzeit gar nicht: es waren dies die Feſtmonde in
ihrem langen, langen Arbeitsleben.
der als alter Junggeſelle nicht entgangen war.
Bald ſollten ſie ein Ende nehmen. Der Stabs⸗
ſekretär zeigte nicht minder Ungeduld, Ehemann zu
werden, wie er es gezeigt hatte, als es galt Bräutigam zu werden. Die Ausſteuer war fertig, Erdmutha hatte mürriſch, aber ſorgfältig Kragen und Häubchen geſtickt,
Cornelia nöthige und unnöthige Dinge gehäckelt, die
Mutter geſtrickt, Auguſte, durch Linchen und Tinchen unterſtützt, eifrig genäht. Der Stabsſekretär hatte vierundzwanzig Thaler für eine Specialerlaubniß be⸗ zahlt, vermöge welcher es ihn geſtattet war, ſich ohne Aufgebot trauen zu laſſen. Daß er dieſe Förmlichkeit ſcheute, hatte ſeinen Grund in den Neckereien, denen Seine Freunde hatten ihn„vexirt“. Immer hieß es:„laſſen Sie es nur ſein, wir wollen ſchon gut Betten unter⸗
breiten, wenn Sie von der Kanzel fallen werden.“ 1
Da grh eine die mit Bra ſem chen ſich
ſter


