Teil eines Werkes 
Band 1
Seite
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- 41 nd um Laubſchatten, die vielen Vergißmeinnicht im hohen Graſe, wohlgethan, was ſie ſagte, ſo gut wie Orakel. Auguſte var die tauſend wilden Roſen, Alles, was Frühling und war verſtändiger, Erdmuthe hübſcher, Linchen ange⸗ das Sommer der feuchten, ebnen Gegend als Gaben ſpen⸗ nehmer, Tinchen lieblicher, aber Cornelia war die Be⸗ en. deten, war ihre Freude, ja ihr höchſtes Glück. Zu gabteſte, geiſtig gewiſſermaßen eine Anomalie in der lll⸗ brauchen war ſie weder in der Küche, noch ſonſt in der patriarchaliſchen Exiſtenz der Familie, in dem altbür⸗ uck Wirthſchaft, nur am Nähtiſch. Von einer beiſpielloſen gerlichen Lokal der Stadt; das wußte ſie und ließ es in⸗ Mäßigkeit, ſie trank ganz früh Morgens ein Glas fühlen, und die Andern fühlten es und nahmen es 8⸗ Waſſer, um neun ein kleines Glas Dünnbier zu einem unterwürfig an. Wie ſie ihr eigener Stolz war, ſo bei kleinen Butterbrod und ſtets am wenigſten von war ſie auch der aller Ihrigen. Dazu war ſie noch or Allen hatte ſie doch eine Leidenſchaft für Aepfel und von einer großen Leidenſchaftsfähigkeit und von einer ke Pfannenkuchen, und da ihr Geburtstag gerade auf den ungemeinen Lebenskraft. Was fürihre Schwächlich⸗ nen Herbſtmarkt fiel, ſo wurde beim beſten Conditor immer keit galt, das war Nichts als die Eigenheit eines i⸗ ein hoch aufgehäufter Teller dieſer Leckereien für Erd⸗ gallichten, energiſchen Temperamentes, bei der leichteſten der muthezum Wiegenfeſte geholt. Gemüthsbewegung gleich bis zur Ohnmacht erſchüttert nes Caroline, Linchen, die auf Erdmutha folgte und zu werden. Darum durfte ſie durch keinen Widerſpruch nſt ihre Lieblingsſchweſter war, hatte den kleinſten Fuß, gereizt, durch keinen Vorwurf verletzt, durch nichts ſo tanzte von allen Schweſtern am beſten und am liebſten, Widerwärtiges geärgert werden. Ging es ihr nach kum war Erdmuthen ähnlich, Wunſch, ſo war ſie gnä⸗ dem doch kleiner und feiner, dig und um ſo zu ſagen u liebte gute Dinge und großmüthig. Sie gab gern. hübſche Sachen, und er⸗Ich krieg's ja wieder, 8 klärte öfter, ſie würde ſagte ſie mit dem Ver⸗ n, nur einenſtudirten trauen auf das Geſchick, 4 Mann heirathen, der noch welches die allgemeine aft obenein Vermögen hätte. Schonung ihrer Perſön⸗ ho⸗ Muthchen war der An⸗ lichkeit eingeflößt hatte. ſicht, Linchen würde am Sie erwartete ſich viel vom üüt geſcheideſten thun, gar nicht Leben, was, mußte ſie noch ben zu heirathen, ſondern mit nicht ſo recht, aber viel ber⸗ ihr, Erdmuthen, eine ewige war es.Ich hab ein für den Mädchenſchaft und Schwe⸗ alle Mal Glück, ſagte ſie den ſterſchaft zu ſchwören, aber einſt ſehr vornehm, als ge⸗ darin ſtimmte Linchen mit der Vater ſie bei Gelegen⸗ mit Muthchen durchaus nicht heit des Auszugs mit meh⸗ mt⸗ überein. Bis die Frage reren Mädchen an eine elte, entſchieden werden konnte, Würfelbude führte und ſie egen ſtickte Erdmuthe allerliebſte eineDüte nach der an fand Kragen, die Caroline mit dern gewann, während die Ar großer Zierlichkeit um ihren Mitſpielerinnen einen Fehl⸗ ſie weißen Hals legte. wurf nach dem andern des Die kleinſte Schweſter ä thaten. Dann vertheilte koſt⸗ hieß Albertine und wer Q¶X ltelddddd ſie trotz des Einredens des ſcher vielleicht vierzehn Jahr. Vaters die gewonnenen Tinchen, ein ſtilles, ſanf⸗ K Düten, bat ihn noch um ater tes, etwas blaſſes Kind, einige Groſchen, warf von virr hatte ein wenig von der Neuem und erwürfelte ſich man Schwärmerei des neuen glücklich ſo viele wieder, im Jahrhunderts, liebte den wie ſie weggegeben hatte. ſie Mond, die Dämmerung, die Einſamkeit, beſaß muſi- Dieſer Vorfall, ſo kindiſch unbedeutend er war, machte dbes⸗ kaliſches Gehör und Gedächtniß, ſang ſchon recht an- einen bleibenden und beſtimmenden Eindruck auf Cor⸗ jeber muthig und wußte es durch bittende Mienen dahin zu nelia's Charakter, ſie war von dem Tage an noch viel dan bringen, daß der Vater ihr Guitarrenunterricht geben mehr Prinzeſſin als früher. un ließ und ihr zu ihrem ſechszehnten Geburtstage ſogar Wo eine Prinzeſſin iſt, muß auch ein Aſchenbrödel leme ein eigenes ſchönes neues Inſtrument verſprach. Außer⸗ ſein. Amalie war es. Sie wußt' es nicht, die, welche e ſte dem genoß ſie des Vorrechtes, die Mutter du zu nennen, ſie dazu machten, wußten es auch nicht, nimmer hätten

ſowie die zweitjüngſte, Cornelie, den Vorzug hatte, mit

i ſie mit Bewußtſein die gute Tochter, die gute Schwe⸗ - der Mutter Kaffee zu trinken, weil ſieſo ſchwäch⸗

ſter auf einen niedern Platz geſtellt, ſie, die ſie ſo lieb

lich war.

Von Cornelien dürften einige Worte mehr zu ſagen ſein. In allen Familien, wo viele Schweſtern ſind, findet ſich eine, welche herrſcht, welcher die andern ſich willig oder unwillig unterordnen. Bei den Franke's geſchah es freiwillig. wurde von Jedermann bedient, für Cornelia war das Beſte eben nur gut genug, was Cornelia that, war

Feierſtunden. 1863.

hatten, aber darum war ſie doch Aſchenbrödel. Theils aus eigener Neigung, indem ſie am liebſten in der Küche wirthſchaftete, theils aber auch aus inſtinktiver Uebereinkunft der Andern, welche ſich ſammt und ſon⸗

n 1 ders ihr überlegen fühlten. Sie konnte nicht ſo ſchöne Cornelia bediente Niemand und

Reden halten wie Auguſte, nicht ſo ſticken wie Erd⸗

muthe, nicht ſo tanzen wie Linchen, nicht ſo ſingen wie

die Kleinſte, und Cornelia nun erſt zwiſchen der . 6