Teil eines Werkes 
Band 1
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vertraut waren, ſchmählich zu Schanden und verloren gegangen, aber zu der Zeit, wo die Frankeſchen Töch⸗ ter noch jung waren, hatte man erſt wenige Verluſte dieſer Art zu beklagen, und die Pikeniere zu Pferde, ſo⸗

wie die Pikeniere zu Fuß zogen, jene mit Trompetern,

dieſe mit Janitſcharenmuſik von Türken, vollzählig und prächtig auf den Markt, um ſich dort in Parade aufzuſtellen und ihre Fahnen, ſehr alte und ſehr ehr⸗ würdig zerfetzte Banner, aus dem Rathszimmer abholen zu laſſen, wo ſie das Jahr über verwahrt wurden. Außer dieſen beiden Com⸗ pagnien gab es noch eine von Grenadieren, und alle drei zogen mit einem wahren Cometenſchweif von Gaſſenbuben, welche in der guten Stadt ſeit undenklichen Zeiten immer ausgezeichnet gediehen wa⸗ ren, hinaus auf den Anger, der ſchon einige Tage vor⸗ her in ein Lager von Zel⸗ ten verwandelt worden war. In den großen wurde getanzt, getrunken, gewürfelt, in den kleinen ſaßen die Familien der Defenſioner, von denen jede ihr eigenes beſuß. Möglichſt ſchön geſchmückt und eingerichtet, dienten dieſe Zelte ihnen für die drei Tage zur Putzſtube und Küche, manchen ſogar auch zur Nachtherberge. Herr Franke führte ſeine Frau und ſeine Töchter in das große Zelt des Magiſtrats: die Familie war nun ein für allemal(Siehe denen voraus, mit welchen

acker, ſtatt FrühlingLenz. 7

ſie, dem Vermögen und dem Range nach, auf gleicher

Stufe hätte ſtehen ſollen.

Drittes Kapitel. DieMädchens.

Obgleich dieMädchens nur wie die andern ge⸗ kleidet und gehalten wurden, und eine jede Parteilichkeit icht vermieden, ſondern gar nicht erſt als möglich an⸗ genommen wurde, ſo waren kleine Unterſchiede doch vorhanden. Nicht von Seiten des Vaters, der umfaßte alle Kinder ſeines Hauſes mit derſelben gelaſſenen und ſchätzenden Sorglichkeit und liebte nur die Frau mehr als Alles, aber wohl in dem Herzen der Mutter und auch in der Neigung der Schweſtern zueinander.

Auguſte, die Aelteſte, war damals, im Jahre 1810 bereits vierundzwanzig Jahre alt. Sie glich der Mut⸗ ter, war nur weniger hübſch als dieſe geweſen ſein ſollte. Perſon mit einem großen Aufhebeſinn, Knöpfe, Bän⸗ der, Haken, Stecknadeln, Alles, was ſich beim Ar beiten, Anziehen oder ſonſt zu verlieren etwa Miene

Handſchuhe, gefallen zu laſſen, das war etwas Anderes.

Wegen angehalten, kam in Auguſtens Schubfächer und daraus ſicher bei der paſſendſten Gelegenheit wieder zum Vorſchein und zur neuen Anwendung. Zugleich war Auguſte die Wohlrednerin der Familie. Wenn etwas beſonderes geſagt werden ſollte, ſagte ſie es am Beſten. Aber ſie überlegte ſich auch Alles und wandte nie All⸗ tagsworte an. Niemand hatte von ihr je den Ausdruck Geburtstag gehört, ſie ſagte ſtetsWiegenfeſt. Eben⸗ ſo ſtatt KircheGotteshaus, ſtatt KirchhofGottes⸗ Sie hatte nebenbei nichts gegen den Proviſor aus der Negerapotheke, einen langen trockenen jungen Mann aus Eis⸗ leben. Wenn es in der Apotheke das oder jenes

chen immer ſo gut, ſo bereitwillig. Und nie kam ſie zurück, ohne von dem galanten Proviſor eine Zugabe erhalten zu haben, einige, Magenmorſellen, einige Pfeffermünzkügel⸗ chen, etwas Lakritzenſaft oder ein Täfelchen Cho⸗ kolade.

Erdmutha, die dritte Schweſter, war das Eben⸗ bild des Vaters, nur ver⸗ ſchönert. Von allen den Mädchens entſchieden die hübſcheſte, daher ge⸗ ſegnet oder geplagt mit Anbetern, die ſie ſämmt⸗ lich ſo ſchlecht behandelte, wie ſie der Eltern wegen es durfte. Keiner fand

Gnade, kein Geſchenk An

43.) nahme. Einmal war ſie

durch eine Ermahnung des Vaters gezwungen worden, ſich eine damals ſehr koſt⸗ ſpielige Huldigung, ein halbes Dutzend langer däniſcher aber ſie anziehen? Das konnte ihr der Vater nicht befehlen, und hätt' er es befohlen, Muthchen wäre lieber ohne Handſchuhe gegangen, als mit denen an ihren hübſchen weißen Händen, welche ſo geſchickt im Weißnähen und im Rothzeichnen waren. Hatte ſie nicht von Aepfeln gehört, mit denen man einen Liebes⸗ zauber gegeſſen hatte, ſo daß man nachher dem Geber derſelbennachlaufen mußte? Konnte nicht in den Handſchuhen auch dergleichen Unfug verborgen ſein und in ſie hineinfahren, wenn ſie dieſelben an die Arme brachte? Nein, ſie trug ſie nicht, ſie verſchenkte ſie ſämmtlich an die Schweſtern und an Freundinnen, die

ſie ohne allen Schaden anzogen, zerriſſen und Muthchen

nicht wenig auslachten. Das kümmerte ſie nicht, ſie

hatte ihren Willen gehabt, nun war ſie zufrieden.

Es war eine wohlerzogene verſtändige junge

machte, wurde von Auguſten auf ſeinen verbotenen

Muthchen hatte ihren eigenen Kopf und ging ihren eigenen Weg, am liebſten in's Freie. Früh um fünf ſchon konnte man ſie während der Sommerzeit in den Birkengehölzen ſehen, welche die Stadt umgaben, oder auf den Wieſen, wo Weidicht und Erlengebüſch an der Elbe wuchs. Die vielen Nachtigallen in dieſen friſchen

zu holen gab, war Guſt⸗

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