Teil eines Werkes 
Band 1
Seite
39
Einzelbild herunterladen

zen gar hter jm⸗ den ör⸗ ſche gar uck her

ür⸗ veit rm dad⸗ rab⸗ hen heil⸗

hta,

··‧˙,·pê

in der Breitengaſſe, welcher mit der Kundſchaft der Großmutter betraut war. Der nahm ihnen Maaß und am Weihnachtsabend um fünf Uhr, wo ſie mit den Eltern in Staat zur Großmutter hinzogen, fand jedes Mädchen ein Paar neue Schuh und einen Stollen. Die Stollen waren je von zwei zu zwei Groſchen theurer, ſo daß, wenn Tunchen, die Jüngſte, einen zu vier Groſchen erhielt, Guſtchen, die Aelteſte, einen von vierzehn Groſchen empfing. Für die Kleinen wurde noch Spielzeug beigefügt. War die Beſcheerung vor⸗ bei, ſo gingen die Eltern nach Hauſe, wohin die Mäd⸗ chen ihnen um ſechs Uhr folgten.

- 39

V V

und kleinere, alle aber gewiſſenhaft mit Quaſten ver⸗ ziert.

Zu einigen Feſten wurden beſtimmte Speiſen ge⸗ geſſen, ſo am Andreas-, am Weihnachts⸗ und am Syl⸗ veſterabend Häring mit Aepfelſalat. An allen drei Abenden kam es beſonders darauf an, recht viel Roggen

vom Häring zu eſſen, denn das brachte für das ganze

Dann fanden ſie

auf dem Tiſche, was im Hauſe einePeremitte hieß, für gewöhnlich eine Pyramide heißt. Der Weihnachts⸗ 9 war, obwohl der Kammerſchreiber die Aufklärung liebte

baum war noch ſo wenig in der Mode wie die Seide und das Taſchengeld, indeſſen diePeremitte that's auch. Der angenommenen Form der Pyramiden ent⸗ gegen war ſie rund und beſtand aus grünangeſtrichenen Holzreifen, die immer kleiner wurden, je höher ſie kamen. Auf dem höchſten, engſten, befand ſich etwas Feierliches, ein Engel, ein Stern oder eine Fahne, an den übrigen hing, was jetzt an den Weihnachtsbäumen hängt, vermiſcht mit kleinen Püppchen und kleinem Töpfergeſchirr. Einmal ward den kleineren Mädchen eine Bude beſcheert, ganz eingerichtet wie einewörk⸗ liche, die hing aber nicht an der Peremitte, ſondern

ſtand darunter und wurde als etwas höchſt Bedeutendes

angeſehen, denn nun konnte man Markt ſpielen, das war den Mädchen geläufig: der Vater hatte als Kam⸗ merſchreiber das Vergeben der Marktplätze, das benutzte er, ließ Buden bauen und vermiethete die zugleich mit den Plätzen. Das Budengeld machte das Privatein⸗ kommen der Mutter aus; im Ganzen war die Familie wohlhabend, ſelbſt bei den damaligen ſchlechten Zeiten. Einmal geriethen die Eltern in Schrecken: ſie hatten eine Menge Hamburger Bankſcheine; um die Zinſen davon zu erheben, gab Herr Franke ſie einem Neffen

mit, der in Dresden angeſtellt war. Unglücklicherweiſe

wurde der arme Menſch gerade in dieſer Zeit verrückt und ſchnitt ſich kurz und gut den Hals ab, nachdem er mit ſeinen ſämmtlichen Papieren ein Brandopfer an⸗ geſtellt, und dabei auch die Bankſcheine ſeines Onkels mitverbrannt hatte. Wenn Herr Franke als ordent⸗ licher Geſchäftsmann nicht die Nummern ſeiner Scheine aufgeſchrieben gehabt hätte, er wäred'rum geweſen; ſo kam er ohne Verluſt davon, denn ſie wurden ihm neu ausgeſtellt, nur hatte er Mühe und Schreiberei. Dieſes Begegniß machte ihn noch vorſichtiger, als er

Jahr Geld. Aus demſelben Grunde erſchien am Neu jahrstage Milchhirſe auf der Mittagstafel, obgleich manche Familien es noch beſſer machten, indem ſie Klöße aßen,denn die Klöße bedeuteten großes Geld, während die Hirſe nur Kleines vorſtellte. Man er⸗ ſieht aus dieſen Vorſichtsmaßregeln, daß in der Familie ein gutes Theil angeerbten Aberglaubens im Gange

und lehrte und z. B. nie geſtattete, daß am Andreas⸗ abend der Knecht Ruprecht die Mädchen in Furcht ſetzte, ſondern die nöthigen Aepfel und Nüſſe vernünf⸗ tig proſaiſchhereinwerfen ließ. Die Reihe der my⸗ ſtiſch gebotenen Speiſen wurde am Johannisabend durch

eine kalteSemmelmilch geſchloſſen.

Jeden Sonntag Morgen nach der Kirche fand ein Beſuch bei dem Bruder des Vaters ſtatt, der ebenfalls einen Vertrauenspoſten bei der Stadtverwaltung erhal⸗ ten hatte und ſeine jungen Gäſte jedes Mal mit Sem⸗ mel und Weintraktirte. Zu einer der großen könig⸗ lichen Jagden, welche in der Nachbarſchaft gehalten wurden, fuhr der Vater wohl bisweilen mit der Mutter und einigen von denMädchens abwechſelnd, ebenſo zu irgend einem Manöver. Das größte Feſt war und blieb derAuszug der Geharniſchten, mit welchem Feſt es eine ernſthafte geſchichtliche Bewandtniß hatte.

Die Bürger einer etwa ſechs Meilen entfernten Stadt hatten ſich geweigert, dem Kurfürſten die ver⸗ langten Gelder für den Türkenkrieg zu zahlen, und der Kurfürſt hatte denDefenſionern ſeiner damaligen Reſidenz aufgetragen, die Widerſpenſtigen zu züchtigen, und ſiezur Raiſon zu bringen. Die Defenſioner, ſieben bis achthundert an der Zahl, zogen gehorſam

aus, kamen vor die Stadt, die ſich ſo ungebührlich be⸗

ohnedies ſchon war; im Ganzen konnte man ihn nie ten der umliegenden Teiche abzuhalten der Kurfürſt den

eines Leichtſinns oder einer Fahrläſſigkeit beſchuldigen, und die gute bürgerliche Tugend der Sparſamkeit beſaß die Mutter. Einfach, wenn auch hinreichend war die ganze Lebensart der Familie: die Mutter wollte ſich ſogar den Kaffee abgewöhnen, weil er zu theuer ſei, aber der Kammerſchreiber ſagte: ‚da komm' du mir mit! Auch zum Geburtstage jeder Tochter mußte der

Kuchen gebacken oder gekauft werden, den jede am lieb⸗

ſten. Deßgleichen brannten auf dem Frühſtückstiſche ſo viele Wachsſtöckchen wie die Gefeierte Jahre zählte, um das Lebenslicht her, welches dreifach zuſammenge⸗ wunden, drei Flammen zeigte. An den Geburtsfeſten der Eltern brannten keine Lichter, aber die Töchter brachten Geſchenke, welche für den Vater meiſtens in geſtrickten Schlafmützen beſtanden. Der würdige Kam⸗ merſchreiber hatte eine ganze Sammlung davon, größere

trug, nahmen ſie ein undbrachten ſie zur Raiſon, Alles an einem Palmſonntag des ſechszehnten Jahr⸗ hunderts. Zur Belohnung ſchenkte ihnen der Kurfürſt aus ſeiner Harniſchkammer dreihundert vollſtändige Rüſtungen die Fraubaſenſage fabelt ſogar von acht⸗ hundert. So viel waren es in keinem Falle, doch immer hinreichend, um ſehr ſtattlich zu den kriegeriſchen Uebungen auszuziehen, welche jedes Jahr vom Palm⸗ ſonntag an drei Tage auf einem Anger bei dem größ⸗

Defenſionern zum Andenken an ihre Tapferkeit auf ewige Zeiten geſtattet hatte. Im Anfange zogen ſie genau an dem beſtimmten Tage aus, aber um die kriegeriſchen Uebungen ſchloß ſich allmählig als luſtiger Rahmen ein Feſt für Weib und Kind, für Landvolk und Gaſſenjugend. Zu einem Volksfeſt im Freien jedoch iſt es bei dem Klima, deſſen die gute Stadt ſich zu erfreuen hat, um Palmſonntag herum nun für alle Mal zu kalt, das ſahen die Defenſioner nach verſchie⸗ denen ernſthaften Erkältungen unwiderleglich ein, und ſo wurde denn das Feſt vom hohen Magiſtrat mit all⸗ gemeiner Zuſtimmung auf den Donnerſtag nach Pfing⸗ ſten verlegt, an welchem Tage es noch jetzt gefeiert. wird. Leider ſind im Laufe der Jahre viele von den Rüſtungen, welche der Obhut der einzelnen Bürger an⸗

6 * 5 5 8