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ſeinen Namen. Simon Girty, wenn ich mich recht er⸗ innere, aus Charlottepoint, oder wie das Neſt ſonſt heißt, in Virginien. Aber was haſt du, Mary?“ wandte er ſich plötzlich an dieſe.„Du wirſt ja plötz⸗ lich ſo weiß, wie die Wand?“
„Und jetzt wieder roth, wie Herzblut,“ ergänzte der Vater, ſeiner Verwandtin einen durchdringenden Blick zuwerfend.„Sollteſt du etwa den neuen Ankömmling kennen?“
„Wenn es,“ entgegnete ſie, ſich ſchnell faſſend,„wenn es, wie John ſagt, Simon Girty aus Charlottepoint iſt, ſo kenne ich ihn allerdings, denn dieſer verkehrte oft in meinem elterlichen Hauſe.“
„Das wird ſich bald zeigen, obs derſelbe iſt,“ ſagte John.„Er wird uns nämlich Morgen einen Beſuch abſtatten, um ſich als Nachbar vorzuſtellen.“
Mary erwiederte nichts weiter, ſondern verließ das Zimmer, wie es ſchien, ihren Geſchäften nachgehend. Auch der alte Eſtill kam nicht auf den Gegenſtand zu⸗ rück, obwohl er ſich, wie aus ſeinem nachdenklichen
„Weſen zu ſchließen, offenbar verſchiedene Gedanken da⸗ rüber machte, und kurze Zeit nachher lagen alle Be⸗ wohner der Station in tiefem Schlafe, oder ſchienen wenigſtens darin zu liegen.
hatte, dem jungen Manne entgegen.„Ich freue mich, einen ſo nahen Nachbar bekommen zu haben, und hoffe, daß wir bald wahre und innige Freunde ſein werden.“
Simon Girty erwiederte den Gruß eben ſo herzlich, indem er dem Alten ſeine rechte Hand entgegenſtreckte; dann aber ging er ohne Weiteres auf die eben wieder erſcheinende Mary zu und— wenn der alte Eſtill je noch darüber im Zweifel geweſen wäre, daß die beiden jungen Leute ſich ſchon längſt näher kannten und ein⸗ ander auch nicht gleichgültig ſeien, ſo hätten dieſe Zweifel jetzt ſchwinden müſſen, denn ſowohl Simon als Mary wurden feuerroth und die Freude ſich wiederzuſehen, leuch⸗ tete unverkennbar aus ihren Augen. Ja dieſe Freude war ſo groß, daß auch der etwas ſchwerer faſſende John zu begreifen anfing, was dieß zu bedeuten habe, und ur⸗ plötzlich von der wildeſten Eiferſucht ergriffen von ſei⸗ nem Stuhle, auf den er ſich eben niedergelaſſen hatte, aufſprang, offenbar in der Abſicht, gegen den Simon Girty anzuſtürmen! Zum Glück übrigens bemerkte dieß ſein Vater noch zur rechten Zeit, ehe der Fremdling und Mary in ihrem Entzücken etwas davon gewahr wurden,
und riß ihn nicht nur mit einem kräftigen Griff zurück,
Auch den andern Tag kam keines von ihnen wieder
auf das geſtrige Thema zu ſprechen und von dem zu erwartenden Beſuche war ebenfalls nicht ein einziges Mal die Rede. Im Gegentheil ging Alles ſeiner ge⸗ wohnten Arbeit nach, und beſonders der alte Eſtill zeigte ſich ſtrenger und eifriger, denn je. Nur konnte man bemerken, daß er der Mary hie und da einen prüfenden Blick zuwarf, wie um ſie zu ſondiren, und daß dieſe etwas bleicher, als ſonſt, ausſah, wie wenn ſie eine ſchlafloſe Nacht zugebracht hätte. So kam der Mittag heran, ohne daß ſich etwas beſonderes ereignet hätte; allein gerade wie man ſich zum Eſſen ſetzte, hörte man den Galopp eines Pferdes und gleich darauf ſprengte ein Reiter vor das Haus.
„Das iſt ſicherlich Simon Girty, der neue Nach⸗
bar,“ ſagte jetzt der alte Eſtill.„Gehe ihm entgegen, John, und heiße ihn willkommen, du aber, Mary, lege noch ein Gedeck auf, denn der Fremdling wird natürlich unſer Gaſt ſein.“
So ſprechend fixirte er ſeine Nichte wiederum genau und ſiehe da, er fand dieſelbe ſo aufgeregt, daß dieß ſelbſt einem weniger ſcharfen Beobachter hätte auffallen müſſen. Eine tiefe Zornesröthe ſtieg ihm ins Geſicht und ſeine Augen funkelten wild, als er dies bemerkte; aber er äußerte nichts, da eben der Fremdling ins Zim⸗ mer trat.
Dieſer war in der That ein noch junger Mann von kaum fünfundzwanzig Jahren, dem man wohl anſah, daß er noch nicht lange in der Wildniß zugebracht habe, denn ſeine Wangen hatten ſich noch nicht gebräunt und ſeine Hände zeigten ſich weder rauh noch ſchwielig. Dagegen aber reichte ſein Wuchs über gewöhnliche Man⸗ nesgröße und in ſeinen Gliedern ſchien eine faſt athle⸗ tiſche Kraft zu liegen. Damit ſtimmte ſein kühnes, ent⸗ ſchloſſenes Auge gar vortrefflich zuſammen und nicht minder ſeine breite, verſtändige Stirn; die ſtarken Au⸗ genbraunen jedoch ließen das Geſicht etwas finſter und rachſüchtig erſcheinen, und nur wenn er lächelte, ver⸗ ſchwand dieſer Eindruck wieder.
„Gott zum Gruße, Simon Girty,“ rief der alte Eſtill, der alſobald ſeine ganze Faſſung wieder gewonnen
ſondern bedeutete ihm auch, ſich gewaltſam zuſammenzu⸗ nehmen, daß er ſich nicht verrathe.
„Ha,“ knirſchte der Sohn wüthend, obwohl in lei⸗ ſem Flüſterworte,„ich ſoll geduldig zuſehen, wie die, welche mein Weib zu werden beſtimmt iſt, mit einem Andern Liebesworte wechſelt? Hindere mich nicht länger, Vater, ſondern laß mich ihn niederſchlagen, wie man einem Räuber thut, der Einem ſeinen Schatz zu ſtehlen im Begriffe iſt.“
„Stille, du Thor,“ erwiederte der Alte noch leiſer, aber zugleich in ſo befehlendem Tone, daß der Andere ſich unwillkürlich fügte.„Durch eine ſolche Handlungs⸗ weiſe würdeſt du ſie nothwendig verlieren; ich aber will dir den Weg zeigen, wie du ſie ebenſo nothwendig ge⸗ winnen mußt.“
Kaum waren dieſe Worte gewechſelt, ſo erwachten
auch die zwei jungen Leutchen aus ihren Träumen zur—
Wirklichkeit und Simon Girty entſchuldigte ſich ſofort, daß er ſich von der Freude, eine Jugendfreundin ſo un⸗ verhofft wieder getroffen zu haben, faſt zu weit habe hinreißen laſſen.
„Hoho,“ lachte nun der alte Eſtill laut auf, wie wenn er in der cordialſten Stimmung wäre;„da braucht's wahrhaftig keiner Entſchuldigung, denn ich bin auch einmal jung geweſen und weiß was Jugendfreund⸗ ſchaft iſt. Ihr ſeid mir im Gegentheil jetzt doppelt willkommen, da ich ſehe, welchen Antheil meine theure Mary an Euch nimmt.“
Dieſen Ton behielt der alte Eſtill den ganzen Nach⸗ mittag, ſo lange Simon Girty in ſeinem Hauſe ver⸗ weilte, bei und auch ſein Sohn John ſtimmte hie und da ein, obwohl man ſeinen Reden das Gezwungene an⸗ hörte. Doch eben ſo ſehr, als ſie ſich beſtrebten, dem Fremdling eine zwar rauhe aber herzliche Außenſeite zu zeigen, eben ſo ſehr gaben ſie ſich auch Mühe, jedes fernere Zwiegeſpräch zwiſchen Simon und Mary zu verhindern, und davon war ohnehin nicht die Rede, daß ſie die Beiden allein bei einander gelaſſen hätten.„Sie ſollen ſich nicht unter einander verſtändigen,“ dachte der alte Eſtill,„und noch weniger ſoll ſie ihm einen Wink geben, daß er vor uns auf der Hut ſein müſſe.“ So kam der Abend herbei, und Simon Girty mußte nun daran denken, Abſchied zu nehmen, denn er war natür⸗
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