Teil eines Werkes 
Band 1
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ſtemmte ſich anfangs mit allen Kräften dagegen; allein ich blieb feſt wie Stahl, und ließ mich durch nichts abwendig machen. Endlich gab ſie nach, beſonders da ihr auch mein Bruder, der Staatsdiener, zuſprach, und nun trafen wir in aller Schnelligkeit unſere Vor⸗ bereitungen. In wenigen Wochen waren wir mit Allem fertig, und ſogar die Schiffsakkorde hatten wir ſchon in der Taſche; da erkrankte urplötzlich meine Mutter, und bat mich um Gotteswillen, ſie für jetzt nicht zu verlaſſen. Ich hätte es nicht gethan, auch wenn ſie mich nicht darum gebeten hätte; allein was ſollte nun mit den Schiffsakkorden geſchehen? Nun natürlich, die konnte man nicht verloren geben, und es wurde daher beſchloſſen, daß mein Schwager mit der ganzen Familie nach Newyork abfahren ſollte, während man meinen Platz ſo gut es ging verwerthete. In Newyork dagegen ſollte die Familie im Gaſthof zum deutſchen Haus, der uns beſonders empfohlen worden war, auf mich warten, wenn ſich nämlich die

Krankheit meiner Mutter ſo bald hebe, daß ich mit

einem der nächſten Schiffe nachfahren könne; wo nicht, ſo ſollten ſie mir dort genaue Nachricht laſſen, wohin ſie ſich gewandt hätten, damit ich ihnen alſobald fol⸗ gen könnte. So machten wir es ab, und ich muß ge⸗ ſtehen, als meine Leute gleich darauf abreisten, wurde mir die Trennung nicht allzu ſchwer, da ich feſt über zeugt war, daß wir uns in wenigen Wochen wieder ſehen würden, um uns dann nie mehr zu trennen. Allein die Sache ſollte ganz anders kommen. Die Krankheit meiner Mutter nämlich nahm, ſtatt gehoben zu werden, mit jedem Tage mehr zu, und ſteigerte ſich am Ende ſo, daß kein guter Ausgang mehr erwartet werden konnte. In der That ſtarb ſie auch nach Ver⸗ fluß eines Monats, allein nichts deſto weniger konnte nun von einer alsbaldigen Abreiſe meinerſeits durch⸗ aus keine Rede ſein. Im Gegentheil war meine An⸗ weſenheit durchaus nothwendig, um die Theilung der Erbſchaft vornehmen zu können, und ſo einfach auch die Sache ſein mochte, ſo verſtrichen doch abermals über

fünf Wochen, bis die Behörden Alles in's Reine ge⸗

bracht hatten. Kurz, ich konnte meiner Braut erſt in Unglück kam ich auch noch auf ein Schiff, welches man keineswegs einen Schnellſegler nennen konnte, in⸗ dem wir nicht weniger als einundfünfzig Tage zur Ueverfahrt nach Newyork brauchten. Endlich, endlich oiber kamen wir an, und ich ließ mich nun natürlich ſalſobald in den Gaſthof zum deutſchen Haus hingelei⸗ ten; allein welcher Schrecken für mich: meine Ver⸗ wandten waren nicht da und eben ſo wenig lag ein Brief für mich parat. Im Anfang glaubte ich, man wolle ſich entweder über mich luſtig machen, oder man vorenthalte mir den erwarteten Brief aus irgend einem anderen Grunde, denn das war doch rein unmöglich,

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was half mir alle ſeine Theilnahme? Was half es mir, daß er mit mir zum badiſchen Conſul ging, um zu erforſchen, ob dort keine Nachricht für mich hinter⸗ legt ſei, und daß wir ſogar eine Menge von Lands⸗ leuten zuſammen aufſuchten, weil mein Schwager ſich möglicherweiſe dem Einen oder dem Andern mitgetheilt hatte? Nichts erfuhren wir, rein gar nichts, als daß meine Leute wirklich im deutſchen Haus logirt hatten und ſchon nach wenigen Tagen nach dem Weſten wei⸗ ter gereist ſeien. Wie mir da zu Muthe war, kann ſich Niemand vorſtellen, und faſt hätte mich vollſtän⸗ dige Verzweiflung erfaßt. Doch tröſtete mich der Wirth, der meinte: meine Leute werden ohne Zweifel in den Weſten gereist ſein, um ſich allda anzuſiedeln, und wenn ſie erſt ein beſtimmtes Beſitzthum erworben hätten, ſo würden ſie ſchon an mich ſchreiben. Er aber, verſicherte er mich, werde den Brief ſorgfältig aufbewahren, und mich, befinde ich mich auch wo ich wolle, von deſſen Erhalt benachrichtigen. Allein es ſind nun nahezu zwei Jahre verfloſſen, und noch habe ich weder Nachricht noch Brief erhalten, ſondern die Marie und der Schwager, nebſt deſſen ganzer Familie ſind immer noch förmlich verſchollen.

Hier ſchwieg er, und ein tiefer Seufzer hob ſeine Bruſt, ſo daß man wohl ſah, wie ihm der Schmerz das Herz faſt abdrückte.

Aber, fragte ich ihn,wie kommen Sie denn zu Ihrem Oheim in die Wildniß?

Das ging ganz einfach zu, erwiederte er.Schon vor meiner Abreiſe aus Deutſchland ſchrieb ich dem Oheim, daß ich kommen werde, und daß ich nähere

Anweiſung von ihm in Newyork im deutſchen Hauſe

erwarte. Dort erhielt ich dann auch wirklich einen Brief von ihm, der mich anwies, an einem beſtimm⸗ ten Tage in St. Paul am Miſſiſſippi einzutreffen, und kaum war ich dort aus dem Dampfboot geſtiegen, ſo nahm mich der Oheim in Empfang, um mich mit ſich in ſeine Jagdgründe zu führen.

Noch eins, frug ich weiter,ſind Sie nie auf den Einfall gekommen, in den Zeitungen nach Ihrem

Schwager zu forſchen?

der Mitte des dritten Monats nachreiſen, und zum

und ich hoffe, Sie werden mir beiſtimmen.

Gewiß that ich das, entgegnete er,und zwar forderte ich nicht blos ihn ſelbſt auf, mir ſeine Adreſſe zukommen zu laſſen, ſondern auch alle Bekannte und Landsleute, die etwas von ihm wüßten, aber bis jetzt erwies ſich Alles als vergebliche Mühe.

Von mir jedoch, nahm ich nochmals das Wort, hoffen Sie Hülfe in Ihrer Noth? Wahrhaftig von ganzem Herzen ſtehe ich Ihnen zu Dienſten, nur be⸗ greife ich nicht, was ich etwa thun kann, und muß Sie bitten, ſich näher zu erklären.

Will's thun, Herr, verſetzte er, mir näher rückend, Sehen

Sie, Sie ſind ein Mann von Stand und Anſehen,

daß weder Marie noch der Schwager mir Nachricht

hinterließen, wohin ſie von Newyork gezogen waren.

Ich überzeugte mich jedoch bald, daß mich der Wirth nicht belüge, indem er mir auf alle Art und Weiſe an die Hand ging, ihre Adreſſe auszukundſchaften. Ueberdieß bewies er mir, daß er den Gaſthof erſt vor wenigen Wochen vom früheren Eigenthümer, der Ge⸗ ſundheitshalber nach Europa gereist war, übernommen habe, und daß alſo, wenn je ein an mich hinterlaſſe⸗ ner Brief verloren gegangen war, die Schuld nicht

an ihm, ſondern an ſeinem Vorgänger lag. Allein

und einem ſolchen geben die Behörden zehnmal eher Red' und Antwort, als einem andern. Nun hat mein Schwager noch Gelder in unſerem Dorfe ſtehen, Zie⸗ ler von ſeinen verkauften Gütern, und dieſe Zieler wollte er ſich nach Jahr und Tag ſchicken laſſen. Na⸗ türlich aber kann er ſie ſich nicht ſchicken laſſen, ohne daß er vorher ſchreibt: wohin und an wen. Demge⸗ mäß wiſſen die Behörden draußen ohne Zweifel ganz genau, wo er ſich befindet, und unter welcher Adreſſe man an ihn ſchreiben muß; wie wär's nun alſo, wenn Sie ſich entweder unmittelbar oder durch die amerika⸗ 4**