Teil eines Werkes 
Band 1
Seite
22
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Ein Begegniß in den ſchwarzen Bergen.

Aus dem Tagebuch eines Vielgereisten.

Wir hatten es zu Dreien unternommen, auf unſe⸗ rer Reiſe nach Oregon, am ſtillen Ocean, die großen Kaskaden des Miſſouri zu beſuchen, die bis jetzt noch von Wenigen unter den civiliſirten Erdbewohnern er⸗ blickt worden ſind. Liegen ſie doch von St. Louis, der großen Hauptſtadt des Staates Miſſouri, nicht weni⸗ ger als fünfhundert und ſiebzig Meilen entfernt, und zwar deutſche Meilen, nicht engliſche! Kommt man doch auf der Reiſe dahin, ſobald man die Grenzen der Staaten Miſſouri und Jowa hinter ſich hat, in kein einziges Städtlein oder Dörflein mehr, wo Menſchen bei einander wohnen, ſondern nur allein durch große, endloſe Prairien und ſpäter durch ebenſo große, end⸗ loſe Waldungen, in welchen ſich wilde Thiere mit roth⸗ braunen Indianern um die Herrſchaft ſtreiten! Frei⸗ lich wenn man das Thal des Miſſouri⸗Stromes ver⸗ läßt, und dieſen nach einer Fahrt von wenigen Tagen rechts bei Seite liegen läßt, um der großen Karawanen⸗ ſtraße nach Oregon zu folgen dann iſt es etwas ganz Anderes; denn obwohl man auch auf dieſem Wege durch lauter unangebaute Gegenden reist, ſo findet man doch allüberall Spuren von Menſchen, und es vergeht ſogar kein Tag, an dem man nicht einem kleineren oder größeren Trupp derſelben begegnete. Ja ſogar kleine Anſiedlungen findet man von Zeit zu Zeit, ent⸗ weder Büffelzelte von Miſchlingsindianern, welche der Handel mit den Karawanen herbeilockt, oder Block hütten von Weißen, die theils von einzelnen Jägern, theils aber auch von ganzen Familien bewohnt werden. Dieſe Straße wenn man anders eine Wegrichtung durch Wald und Prairie ohne Brücken über die Flüſſe und ohne Auffüllungen über die Moräſte eine Straße nennen darf wird nämlich jährlich von Tauſenden benützt, und von den vielen Tauſenden ſind es wenig⸗ ſtens immer einige Hunderte, welche die Reiſe nicht zu Ende bringen, ſondern ſich rechts und links vom Wege, wo es ihnen beſonders gut gefällt, und wo ſie Vor⸗ theile zu erringen hoffen, niederlaſſen oder auch ihr frühes und jedenfalls einſames Grab finden. Von Ackerbau natürlich oder von Gewerben iſt auf dieſen kleinen Anſiedlungen noch kaum die Rede, aber jedwedes Ding muß ſeinen Anfang haben, und wenn erſt, was ſicherlich in einigen Jahrzehnten der Fall ſein wird, die Blockhütten ſich in Dörfer verwandelt haben, ei nun, dann iſt der ganze Landſtrich, der quer durch die Territorien hindurch nach Oregon führt, der Civiliſa⸗ tion gewonnen, und man reist dann dort ſo gut mit dem Eilwagen oder gar mit dem Dampfroſſe, wie in den anderen Staaten von Nordamerika..

Von allen dieſen Annehmlichkeiten bekamen aber wir drei, die wir uns in St. Louis zuſammengefunden hatten(der Eine von uns war ſeiner Abſtammung nach ein Franzoſe, der Zweite ein Nankee und der Dritte, nämlich ich ſelbſt, ein Deutſcher), nichts zu ſehen, ſon⸗ dern wir fuhren vielmehr auf dem von uns gemietheten Boote, das uns trotz ſeiner ſtarken Bemannung nur langſam ſtromaufwärts brachte, durch die urwüchſigſte Wildniß, die man ſich nur denken kann. An zahl⸗

loſen Sandbänken kamen wir vorüber und Hunderten von dichtbewaldeten Inſeln begegneten wir, aber der Strom mit ſeinen trüben Wellen blieb ſich ganz gleich und auch der Wald zu beiden Seiten bot wenig Ab⸗ wechslung. Dennoch fühlten wir uns wohl und mun⸗ ter, und allabendlich, wenn wir gelandet und ein tüch⸗ tiges Feuer angemacht hatten, um unſere mitgebrachten Vorräthe zu kochen oder auch ein friſchgeſchoſſenes Wild zu röſten, ließen wir unſere fröhlichen Lieder erſchallen, daß es weithin tönte durch Berg und Thal, den Fluß hinauf und hinab. daß ſich vorſichtig ein kleiner Trupp Indianer nahte, neugierig zu ſehen, wer denn hier die hundertjährige Einſamkeit ſtöre; doch waren ſie ſtets friedlich und ſo⸗ gar zuvorkommend, freundlich in ihrem ganzen Veneh⸗ men, als ſie ſich überzeugten, daß wir keine Händel mit ihnen ſuchten. Andere Menſchen übrigens bekamen wir keine zu Geſicht, außer zwei oder drei Male einen einſamenFallenſteller und Jäger, der dem Miſſouri entlang dem Biber auflauerte oder ſonſtige Pelzthiere in ſeine Gewalt zu bekommen ſuchte, und natürlich recht gerne bereit war, uns auf einige Stunden oder gar auf einen ganzen Tag Geſellſchaft zu leiſten. Wer wird ſich alſo darüber wundern, daß wir uns endlich, nachdem unſere Fahrt bereits mehrere Wochen gedauert hatte, darnach ſehnten, die großen Fälle zu erreichen, wo ſich zu Ende des Monats Juli, in welchem wir uns befanden, immer eine größere Compagnie von weißen Händlern und Jägern zuſammenfand? Dort wollten wir uns ja unter den Jägern einen Führer aufſuchen, der uns nach Beſichtigung der Fälle zum Felſengebirge und über dieſes hinüber in's große Ore⸗ gongebiet, ſo wie bis an die Grenzen des Staates gleichen Namens geleite, ein Weg, der zwar der Schwierigkeiten und Mühſalen eine Menge, dagegen aber der Abwechslungen und Schönheiten eine gleiche Anzahl bot!.

Endlich, endlich kamen wir an Ort und Stelle, d. h. an den Theil des Miſſourifluſſes, wo deſſen grandioſe Stromſchnellen und Kaskaden ein Ende neh⸗ men, und richtig fanden wir hier, wie man uns ſchon in St. Louis verſichert hatte, eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Händlern und Jägern verſammelt, die

hier mit einander Tauſchhandel trieben zund ſich neben⸗

bei eine Woche lang oder zwei vergnügte Tage mach⸗

ten. Von ſolchen Zuſammenkunftsorten zwiſchen Händ⸗

lern und Jägern, deren es in der weſtlichen Wildniß verſchiedene gibt, hat übrigens der Leſer ohne Zweifel ſchon vielfach gehört, und ebenſo bekannt wird ihm das tolle Treiben ſein, das ſich dort meiſtentheils entwickelt, denn es vergeuden ja bei ſolchen Gelegenheiten manche Trapper oder Fallenſteller mit Trinken und Spielen in wenigen Tagen den ganzen Erwerb des verfloſſenen Jahres, ſo daß ſie faſt bis auf's Hemd ausgezogen in die Wildniß zurückkehren müſſen, um allda ihre müh⸗

ſame Arbeit von Neuem zu beginnen! Schweigen wir alſo darüber oder vielmehr begnügen wir uns zu ſagen, daß es auch hier an den Stromſchnellen des Miſſouri 5

Da kam es dann hie und da vor,