Teil eines Werkes 
Band 1
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und in Thätigkeit zu ſetzen, nebſtbei auch dem umfaſ⸗ ſenden Schnurrbart ſeinen etwas geſtörten, vorgeſchrie⸗ benen Schwung zu reſtituiren.

Es iſt ein reicher Gutsherr, ein Földeſür mit ſei⸗ nen Töchtern. Das ſind jene friſchen prachtvollen Geſichter mit dem ſchwarzen Gluthenauge und der fein⸗ gebogenen Naſe, das iſt der ſchlanke Wuchs, welcher die Tochter Ungarns ſo vortheilhaft charakteriſirt.

Die Pfeife brennt, der Bart iſt martialiſch geord⸗ net die Karawane ſetzt ſich in Bewegung. Geben wir ihr das Geleite. Man muſtert Bude für Bude; da ſind die neueſten Sonnenſchirme aus Wien ange⸗ langt und, traun, es wäre Verbrechen keinen zu be⸗ nöthigen; jenes reichhaltige Zeughaus der eleganten Peſter Marchande des modes iſt ebenfalls Grund ge⸗ nug, dreimal ſo viel Zeit darin zuzubringen, als man früher auf die große Pfeife gewartet; in jenem Nürn⸗ berger Waarengeſchäfte haben wir die eleganteſten Schreib⸗, Näh⸗ und Gott weiß was noch für unnöthige Neceſſaires, die man doch jedenfalls haben muß, wäre es auch nur dem Namen zu liebe. Daß dabei der gute Papa von der himmelſchreiendſten, gründlichſten Lange⸗ weile gefoltert wird, die ihm nur durch periodiſche,

gewaltige Geldbeutelentleerungen und dicke Schweißtropfen

verſüßt wird, verſteht ſich von ſelbſt.

Der Wagen iſt bereits wieder von ſeiner ſchönen Laſt beſtiegen und fliegt der Heimath zu über die weite grüne Puszta. Eine Staubwolke und noch eine iſt Alles, was uns geblieben von dem freundlichen Bilde nichts als Staub. Daß doch Alles mit Staub enden muß!.

Wir haben ſo Manches noch zu beſuchen und zu betrachten, da dehnen ſich noch weite Gaſſen aus, ge bildet von den Bazars der zinnernen, eiſernen und meſſingenen unentbehrlichen Geräthſchaften, vor wel⸗ chen die ſorgſamen Hausfrauen in Schlachtordnung ge⸗ ſtellt die kühnſten Heldenthaten des Handelns verüben. Da iſt nichts vergeſſen vom gewöhnlichſten aller Thon⸗ geſchirre bis zum feinſten Porzellanſervice; vom an⸗ ſpruchloſen Schuhnagel bis zum neu erfundenen Bügel⸗ eiſen, welches dem Landmanne am ſpäteſten Gelegen⸗ heit gibt, den Alles, ſogar das Plätteiſen ergreifenden Fortſchritt des Zeitgeiſtes anzuſtaunen; vom bequemen Winterfleckelpatſchen bis zum ellenlangen Juchtenſtiefel, ohne welchen in Ungarn exiſtiren zu wollen unter Her⸗ kules Heldenſtücklein gehören würde.

Seht ihr die hübſche, natürlich wiederum ſchwarz⸗ äugige Mennijaßzong(d. i. Braut) mit dem weiten, über Haupt und Rücken hängenden Kopftuche, dem mit ſilbernen Figuren geſtickten Hemde und im unendlich farbenreichen, nur bis an's Knie reichenden Röcklein, dem ein paar ſtämmige, etwas gebräunte Waden un⸗ genirt entwachſen, vor einem Haufen auf der Erde ausgebreiteter Spitzen ſtehend, wählend und berechnend, ob wohl der karg zugemeſſene nervus rerum die Wucht eines ſolchen Sonntagsputzes zu tragen im Stande ſein würde? Viel iſt es, viel, was die unbarmherzige Jü⸗ din verlangt, aber welchen Neid würde man dadurch im Dorfe erregen, wie würde der ſchöne herzgeliebte Peter oder Janos, oder wie er eben heißen mag, ent⸗ zückt ſein ob ſolcher Pracht, wenn ſie damit auf dem Bueſü(Kirchweihe) erſcheinen würde! Ich frage Euch, ewige Götter, kann da ein hübſches, junges und lieben⸗ des Mägdlein widerſtehen?

Ein ungleich poeſieloſeres, aber darum deſto prak⸗

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Leiſtungen beanſprucht.

tiſcheres Bild iſt uns die reiche, ſchwäbiſche Hausfrau in ihrem geſchmackloſen Anzuge, anſtaunend eine von ihr bisher nie geſehene, neu konſtruirte Kaffeemaſchine. Anfangs zwar wurde dieſes merkwürdige Möbel von der würdigen Frau für einen Branntweinerzeugungs⸗ apparat en miniature gehalten; allein der gewandte Kaufmann erklärt ihr die Zuſammenſetzung und die Manipulation des Ganzen ſo deutlich, daß die Gute, entzückt von der herrlichen Erläuterung des ſo hübſchen, jungen Mannes, der, wie es ſcheint, nicht ganz gleich⸗ gültig auf ihre zwar nicht mehr ganz junge, aber da⸗ rum deſto kräftigere Geſtalt geſehen hat, dahinſchleudert die inhaltſchweren Noten, um das Kunſtwerk im Triumph

Aber daheim, welche Noth! Aus dem nicht ſehr geübten Gehirne ſind ſie alle entſchwunden die goldenen, kaffeebereitenden Lehren! Man ſtudirt, man grübelt immens, nie noch haben die Kinder ein ſo nachdenken⸗ des Weſen an der Mutter bemerkt! Als nun des Sonntags zum erſten Male im Leben Kaffee auf den Tiſch kommt, als der erſte Tropfen über des Haus⸗

vaters Lippen gleitet, da ziehen ſich dieſe krampfhaft

zuſammen, um das Empfangene hoch im Bogen wie⸗ der hinzugeben, woher es gekommen. Ein ungariſches Fluchwort folgt unmittelbar dem armen Kaffeetrunke

(denn ungariſch flucht jeder Deutſche im Ungarland),

dann eine kräftige Strafrede, wie man ſolchen Pantſch kochen und ſo heidniſch viel Geldauf das dumme Zeuch do die Maſchine nämlich verwenden könne. Ich ſchweige natürlich über die eben ſo kräf⸗ tige Replik der Dame des Hauſes, und da der Mann friedliebender Natur iſt, ſo endet damit der Streit doch in zwei Tagen wandert die neue Erfindung in den Glaskaſten, indem ſich Frau Ilſe insgeheim in's Fäuſtchen lacht, daß die reichen und gebildeten Leute in Wien und Peſt einen ſolchen Pantſch trinken mögen!

Freilich trinken die dummen Stadtleute nur ge⸗ brannten Kaffee, das aber hatte der junge Commis der ehrſamen Hausfrau zu ſagen uuterlaſſen.

Wir wandern ſchnell vorüber an jenen glanzloſeren Seiten, wie ſie jeder Markt gleich dem menſchlichen Leben überhaupt beſitzt, und wo man ſich um einen alten, geflickten Schuh eines Kreuzers wegen herum⸗ ſtreitet, denn drüben gegen das Ende des Marktplatzes lockt uns ein ungeheures Getümmel von Wagen, Pfer⸗ den, die Angſtrufe gequälter Schweine, welche man gegen allen Comfort auf zwei Beinen zu gehen zwingt, während die beiden andern gleich den Hebeln eines Schiebkarrens in der leitenden Hand eines überkräfti⸗ gen Bäcskaer Bauers gehandhabt werden, und ſo man⸗ ches andere bunte Schauſpiel; vor Allen iſt es aber der in der Mitte dieſes Treibens aufgeſtellte Kunſttempel, wo Thalia ihre Helden fünfmal erſtechen läßt und Feen und Zauberer aus des Orcus Fluren heraufbe⸗ ſchwört, das Alles für zwei Groſchen oder auch für einen Bund Zwiebel oder Paprika, welche der kunſt⸗ ſinnige Leiter des Inſtitutes als Aequivalent für ſeine Vor dem Muſenhaus ſelbſt verkündet eine buntbemalte Leinwand all' die Schreck⸗ niſſe, ſo hier zu ſchauen. Da zieht gemächlich ſeine Pfeife ſchmauchend der Hindu auf ſeinem weißen Ele⸗ phanten durch die Palmenwälder; hier iſt das ſchauer⸗

liche Krokodil neben einem entſetzlichen Tiger, aus deſ⸗

ſen Rachen eben noch der Kopf eines Indianers her⸗

nach Hauſe zu tragen..

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