Teil eines Werkes 
Band 1
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einem alten Manne ſeinen lieben, treuen Stundenwecker nicht verderben wird. Man komme; man möge ein⸗ treten, das Werk beſehen, und dann ſeine Meinung äußern. 1

Mit dieſen Worten trat er in das Haus zurück. Ich folgte, offen geſagt, mit einiger Beklommenheit,

denn meine Uhrmacherlunſt war nicht bedeutend, und

überdies flößte der alte Pfarrer mir bereits Hochach⸗ tung ein, ſo daß ich vor ihm nicht gern mit Schanden

beſtehen mochte.

Es war eine koſtbare, ſchöne Uhr, die in einem alten rüſternen Gehäuſe hing. Letzteres war für mich von ganz beſonderem Intereſſe, da es überaus künſt⸗ lich und reich geſchnitzt und verziert war. Er ſagte mir, daß das Gehäuſe das Meiſterſtück eines Tiſchlers

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ſei, der zugleich ein gut Stück von Bildhauer geweſen wäre. Und in der That, ſo mußte es geweſen ſein, denn ich wurde nicht müde, die Arbeit zu bewundern. Endlich jedoch mußte ich auch einen Blick auf die Uhr ſelber werfen, und hier fand ich, daß zum Glück der Schaden nicht bedeutend war, und ich wohl im Stande ſei, ihn zu repariren, ſo ich anders eine paſſende Feile nur irgendwo vorfände. Der Pfarrer hatte meinen Bericht mit ſichtbarer Freude vernommen. Jetzt meinte er, daß ich beim Schmiede das Gewünſchte wohl finden würde. Und ſo war es auch. Ich fand dort im Kaſten zwiſchen dem alten Eiſen eine Feile, die brauchbar war. Einen kleinen zierlichen Patenthammer beſaß der Pfar⸗ rer, den größeren lieh der Schmied und ſo ſaß ich denn, hämmerte und feilte, bis es mir nach einigen

Die Ohrfeige(ſiehe S. 17).

Ich ſehe noch des alten Mannes Augen leuchten, als er ſeinen Liebling wieder gehen und ſchlagen hörte: es war, als ob ihm ein Freund zurückgegeben ſei. Und als ich nun noch ſogar eine kleine ſchadhafte Stelle am

Gehäuſe leimte und wieder an Ort und Stelle einfügte,

hatte ich mir die ganze Gunſt des geiſtlichen Herrn er⸗ worben. Er hatte mein Schelmenliedchen von vorhin rundweg vergeſſen, und dachte nur noch daran, ſich mir gefällig, ich möchte faſt ſagen dankbar zu bezeigen.

Alles dies hat er redlich gethan. Nicht allein, daß mir der alte Herr ein gutes Eſſen hatte verabreichen laſſen, wie durch einen anſtändigen Zehrpfennig, er

war auch noch⸗ auf mein ferneres Fortkommen bedacht.

Er hatte während des Arbeitens ſich viel mit mir in

Geſpräche eingelaſſen; hatte mich nach Heimath, Jugend,

eben und Wanderſchaft gefragt, bis er zuletzt Alles pußte, was ihm nöthig ſchien, um mich kennen zu nen. Daß ich es kurz mache mußt' ihm gefallen

Stunden gelungen war, das Werk in Gang zu bringen.

haben, denn er ſagte beim Abſchiede, während er zu⸗ gleich einen eben vollendeten Brief mir überreichte: Man will zur Stadt. Hab' dort lange als Candi⸗

datus im Hauſe eines ehrſamen, frommen, guten Tiſch⸗

lers gewohnt. Bin bis heute mit dem Meiſter in Connex geblieben und ich denke, mein Wort gilt etwas bei dem Manne. Hab' Euch ihm empfohlen. Man gebe ihm dieſe Epiſtel. Und ſo anders mein Schreiben von Erfolg, ſo man Arbeit bekommt, wünſche ich, daß man meiner Empfehlung ſich würdig zeige und mir Ehre mache. Man gehe mit Gott!' Ich war ſo erſtaunt ob der Güte, daß ich nicht Worte zum Danke fand; hab' nur dem alten Herrn die Hand ge⸗ drückt und kein Schelmenliedchen vor ſeiner Thür wieder geſungen.* Andern Tages war ich hier.

In dieſem Augenblick trat die Meiſterin wieder zur Thüre herein, und der Meiſter, ſie erblickend, ſagte freundlich, ſchelmiſch:Kommſt gerade recht, Frau.