Teil eines Werkes 
Band 1
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mich aber bitter getäuſcht. Geh' dieſelbe bereits ſeit acht Wochen ſuchen. Bin ein Tiſchler!

Was? ſchrie Meiſter Erasmus faſt unwillig und beleidigt:ſeid Tiſchler und fragt bei mir, dem Alt⸗ meiſter, nicht einmal an nach Arbeit? He! wohl nicht viel Luſt zum Geſchäft? Dann freilich wundert's mich nicht, ſo Ihr acht Wochen lauft.

Der fremde Geſell glühte auf; doch ſofort den auf⸗ ſteigenden Unmuth niederkämpfend, hob er das Auge, ließ es einen Augenblick über Geſellen und Burſchen ſchweifen, und ſagte dann, ſich voll Ruhe zu dem Meiſter wendend:Wollt mich nicht verkennen, Herr! Wer ſo oft, wie ich, vergebens angefragt, verliert zu⸗ letzt den Muth, es noch ferner zu thun und wäre es nur, um ſich nicht auf's Neue einer Täuſchung aus⸗ zuſetzen. Als ich die Thür hier öffnete und ſo viel arbeitende Hände für Euch vorfand, dacht, ich mir: hier iſt kin Raum für dich

Und ſchwiegt! fiel der alte Erasmus ein.Tha⸗ tet aber Unrecht daran; denn mit ſolchem Gebahren kommt man zuletzt immer tiefer herab, bis man zuletzt nur noch zu fechten verſteht und ſeine Werkſtatt auf der Landſtraße hat. Laßt doch einmal Euer Wan⸗ derbuch ſehen! So Alles in Ordnung, möcht, ichs beinahe mit Euch verſuchen.

Was meinſt du Mutter? Mit dieſen letzteren Worten wendete er ſich gutmüthig lächelnd zur Frau; gleichſam als wolle er erſt deren Meinung vernehmen. Die aber rückte ſich die Mütze aus der Stirn, drohete dem Fragenden mit dem großen Vorlegelöffel, den ſie gerade in der Hand hatte, und ſagte liſtig lachend: Haſt mich etwa als Oberreviſor für deine Werkſtatt angeſtellt? Wirſt wohl allein wiſſen, wie viel der Hände du bedarfſt.

Haſt Recht! entgegnete der Meiſter. Und das empfangene Wanderbuch dem Geſellen zurückgebend, ſagte er zu ihm, kurz ab:Könnt eintreten!

Der junge Menſch, der in banger Erwartung bis jetzt auf den Meiſter geſchaut, ſprang bei dieſen Wor⸗ ten ſichtbar erfreut auf und rief:Das lohn' Euch der

Himmel, Meiſter! Gottes Segen für die Suppe, hen 5 1 den ſ Wanderſchaft, ohne Raſt und Ruh, ohne Geld im Beu⸗

Meiſterin! Darf ich noch heut mein Ränzel hier einlegen, ſo erlaubt, daß ich zur Herberge gehe und es hole. Es drängt mich einmal wieder wie daheim zu Dem jungen Manne leuchtete bei dieſen Wor⸗ ten die Freude aus den Augen, ſo daß die Elſe ver⸗ wundert auf ihn blicken mußte.

Als er jedoch nach leichtem, gewährendem Wink des Meiſters ſeinen Stuhl abſeits geſtellt hatte und zur Stube hinaus geeilt war, ſagte Erasmus, einen ern⸗ ſten, verweiſenden Blick auf den jüngſten Burſchen werfend, der bei der Haſt des Fremden zu kichern an⸗ gefangen:Lachſt wieder einmal, Eduard? Denkſt, biſt reicher Eltern Kind und meinſt, es werde dir nie⸗ mals ſo ergehen, daß eine ſchlichte warme Suppe dir ein Labſal werden könne? Ho! ſo! arbeitsloſe Zeit gibt's in jedem Menſchenleben; und dein Geldſack wird auch

nicht dem Mehlfaß der Wittwe zu Zarpath gleichen;

beſonders wenn du Hobel und Winkelmaß nicht beſſer handhaben lernſt, als bisher. Will dir im Vertrauen und zur Warnung ſagen:'s iſt Alles Narretei mit dem Zunftzwang und von der Herrſchaft des Kapitals. Geld allein thut's nicht; man muß auch Luſt und Ver⸗ ſtand zum Geſchäft haben! Der ⸗Meiſter wird immer

meiſte Arbeit haben, der reell iſt und die beſte

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noch einen Denkzettel bekommen. igte ärgerlicher ſtellend, als er wohl im Herzen war, denn

* 4 e 8 Arbeit macht. Gleichviel ob er zur Zunft gehört oder nicht. So, wie ich den Geſellen am längſten und liebſten in der Werkſtatt habe, der ſeine Sache verſteht und kein Spieler oder Trunkenbold iſt. Säß' auch hier vielleicht nicht als wohl vereideter Altmeiſter des geruhſamen Tiſchlergewerbs, wenn ich den Hobel allein nur zu führen verſtanden hätte. Ja, ja! ſchaut nicht auf alleſammt! Mich hat Hammer und Feile eines Schmiedes in's Neſt geführt. Iſt's nicht alſo, Mutter?

Mit dieſen Worten reichte er der Genannten die Hand hinüber, indeß er lächelnd ſagte:Wer hat den

Brautwerber gemacht?

Na, ſchieß nur los, Alter! lachte die Meiſterin. Seh' ſchon, es iſt heut dein Redetag, wo du gern

den Paſtor ſpielſt und ein Geſpinnſt, wie die Seeleute

ſagen, abwickelſt. Erzähl' nur immer deine Geſchichte! Dem Eduard wird's nicht ſchaden, wenn er ſie hört, und den Uebrigen auch nicht. Sprich' du nur; ich geh' zur Küche. Die Elſe kann hier bleiben.

Der Eduard lachte ſchelmiſch, ſchlich aber doch näher zu dem Meiſter hinan; während der älteſte der Geſel

len im Namen der übrigen ſprach:Wir hören den

Meiſter immer gern von ſeiner Wanderſchaft ſprechen. So es erlaubt, bleiben wir alleſammt.

Nun meinethalb, ſchmunzelte der alte Erasmus. Er hörte ſich ſelber gern ſprechen, und erzählte zu gern, beſonders wenn er glaubte, dadurch Geſellen oder Bur ſchen eine Lehre geben zu können. Zur Tochter ſprach er:Geh', Elſe, füll' uns das Deckelglas. Bei mei⸗ ner Geſchichte darf der Trunk nicht fehlen.

Die Genannte holte flink das Verlangte herbei.

Während ſie jedoch zugleich dem Vater die Pfeife reichte, gab ſie im Vorbeigehen dem Eduard einen leichten

Klapps mit der Hand, indem ſie ſagte:Hätteſt auch den Fidibus holen können. Nun that ſie es ſelbſt, indeß der Meiſter ſich im Lehnſtuhl zurecht ſetzte, einen

Zug aus dem Deckelglaſe that und dann ein paarmal

den Dampf in dicken Wolken vor ſich hin puſtete. Jetzt hub er an:War auch ſeit Wochen auf der

tel, ohne Ausſicht auf Verdienſt. Aber wie es zu gehen pflegt: je trockener die Kehle, je leerer der Magen, deſto lauter ſangen wir, nämlich ich und mein Kamerad, der mit mir wanderte und ein Sattler war das Dorf entlang. Hab' ihn ſpäter aus dem Geſicht ver⸗ loren, und weiß nicht ob und wo er geſtorben. Sind nun wohl keine geiſtlichen Lieder geweſen, die wir ge⸗ ſungen! Der Pfarrer, der ſie gehört, nahm mich eben

nicht gnädig auf, als ich kam, um mir von ihm ein

klein Geſchenk, einen Zehrpfennig, zur Reiſe zu erbit ten. Sagte kurz: ‚Noch ein Geſchenk für Eure Schel⸗ menlieder, die Ihr mir vorhin geſungen? Hat man kein geiſtlich Lied in ſeiner Jugend gelernt?:

Gewiß Herr! ſagte ich freundlich; zaber ich denke.

mir, das Geſangbuch iſt für die Kirche und das Haus; der Gaſſenhauer für die Straße. Jed's Ding hat ſeine Zeit!

Das wohl! brummte der geiſtliche Herr, ſichtlich ſich getroffen fühlend durch meine Bemerkung. Doch ganz zufrieden konnte er ſich noch nicht geben; ich mußte Und ſo ſagte er, ſich es war ein guter, alter, leutſeliger Mann: ‚Aber

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